Brettspiel-König Knizia: "Ich packe Unterhaltung in eine Kiste"

Reiner Knizia ist promovierter Mathematiker, war einmal bei einer Großbank für IT zuständig - und ist der erfolgreichste deutsche Spieleentwickler. Jetzt gibt es ein Videospiel vom Brettspiel-König. Ein Gespräch über Gehirnjogging und geistreiche Unterhaltung.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Hunderte Karten- und Brettspiele entwickelt, jetzt kommt das erste Videospiel mit Ihrem Namen. Ist Ihr "Logik Trainer" nicht allzu offensichtlich an "Dr. Kawashimas Gehirnjogging" von Nintendo angelehnt?

Reiner Knizia: Natürlich ist "Kawashima" ein gutes Produkt. Aber es ist mehr wie Schule. Eine gute, interessante Schule, es wird einem viel geboten, jeden Tag gehe ich dorthin und bekomme irgendetwas. Wir wollten ein Produkt schaffen, das die Spieler durch die Art der Herausforderungen selbst motiviert. Es gibt keine Begleitperson, die sagt: "Du warst gestern nicht da, Du solltest aber jeden Tag kommen". Ich glaube, dass "smart games" eine große Zukunft haben. Einfache, intuitive, kurze Herausforderungen mit Witz und Geist.

SPIEGEL ONLINE: Reaktionsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit und Hand-Auge-Koordination trainieren die meisten Computerspiele sowieso. Steckt hinter Ihrem Spiel eine wissenschaftliche Theorie, welche geistigen Fähigkeiten trainiert werden sollen?

Knizia: Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die sagt, wir decken hier diese kognitiven Aspekte ab. Was wir versucht haben ist, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die Nintendos DS bietet - Mustererkennung, Kombinationslernen, verschiedene Aspekte, die durch einzelne Aufgaben, aber auch über alle Spiele hinweg gefordert werden. Ich glaube aber, die Motivation darf nicht sein: 'Du musst trainieren', sondern sie muss aus sich selbst heraus kommen: 'Das ist interessant, das will ich spielen'.

SPIEGEL ONLINE: Das Spiel wendet sich ja doch eher an Erwachsene als an Kinder. Haben denn genügend Erwachsene einen Nintendo DS? Oder müssen sie sich den ihres Kindes leihen?

Knizia: "Kawashima" richtet sich ja auch nicht an Kinder. Ich glaube schon, dass wir ein relativ großes Marktpotential haben, und dass das über die Jahre wachsen wird.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt es, dass Sie sich hierfür vom Brett auf die Elektronik verlegt haben?

Knizia: Ich sehe mich als Entertainer, nur dass ich nicht auf einer Bühne stehe, sondern die Unterhaltung in eine Kiste packe. Mir ist die Plattform relativ egal, aber mich reizen neue Möglichkeiten. Letztlich geht es immer darum, geistreiche Unterhaltung zu bieten. Wenn Sie sich die Wii ansehen, die bietet ja wieder ganz neue Chancen.

SPIEGEL ONLINE: Gehirnjogging, Brain-Training, Augentraining, Logik-Coach - stört es Sie als Spieleentwickler nicht, dass gerade eine der letzten Bastionen des Zweckfreien, das Spiel, nun zunehmend einen Nutzen erfüllen soll?

Knizia: Darüber entscheiden die Leute selbst, ob sie ein Produkt jetzt kaufen, weil sie es für "wertvoll" halten, oder weil sie es einfach genießen können. Natürlich heißt das Spiel jetzt "Logik Coach" und natürlich fördert es auch die Logik, kognitive Prozesse, aber das ist doch nicht die Hauptmotivation. Die Leute kaufen so etwas, weil sie Spaß daran haben wollen. Und nicht weil Sie denken, "jede Stunde, die ich damit verbringe, steigert meinen Intelligenzquotienten um einen Punkt".

Interview: Christian Stöcker

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