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Cowon O2PMP: Ein schicker dicker Anti-iPod

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Konkurrenz für Apples iPod Touch: Cowons Multimediaplayer O2PMP kann manches besser, vieles genau so gut, aber leider ein paar Dinge überhaupt nicht so schön wie Apples Super-Musikabspieler. Dabei kosten die Geräte gleich viel.

Eigentlich sollte der Multimediaplayer O2PMP schon im November 2008 auf den Markt kommen, aber dieser Termin platzte. Die Produktentwickler bei Cowon hatten sich dummerweise im Namen vergriffen. Sie hatten ihren multimedialen Hoffnungsträger O2 genannt - wie das Mobilfunkunternehmen, das dann auch intervenierte. Kaum war die Pressemitteilung über die Markteinführung des neuen Players verschickt, musste Cowon die Notbremse ziehen und den Verkaufsbeginn verschieben.

Mit einigen Monaten Verzögerung ist das Gerät jetzt doch in den Handel gekommen. Es hat einen neuen Namen, verfügt aber über dieselben technischen Finessen, die ursprünglich geplant waren. Und das sind einige. So versteht sich der Player, dessen Name um die Buchstaben PMP verlängert wurde, auf mehr Audio- und Videoformate als die meisten seiner Konkurrenten. Neben Standards wie MP3, AAC, WMA und DivX beherrscht er exotische Varianten wie Monkey Audio oder Ogg Vorbis. Auch das Videoformat H.264 und Musik aus Apple-Lossless-Dateien kann der Player wiedergeben.

Dabei klingt der O2PMP gar nicht schlecht - zumindest über gute Kopfhörer wie die SE530 von Shure. Den mitgelieferten Ohrstöpseln gelingt es hingegen kaum, brauchbaren Klang zu liefern. Sie scheppern viel zu blechern. Das ist dem schmucken Player nicht angemessen. Aber dieses Schicksal teilt der Cowon mit vielen seiner Konkurrenten.

Glänzen kann das Gerät dagegen mit seinem Display. Die Auflösung ist mit 480 x 272 Bildpunkten bei knapp elf Zentimetern Diagonale zwar nicht herausragend, dafür stellt es Farben sehr lebendig dar und liefert gute Kontraste. Schade nur, dass das Display - dem Trend folgend - mit glänzender Oberfläche geliefert wird. Das kommt zwar der Brillanz zugute, führt aber auch dazu, dass sich Tageslicht und Lampen nervend auf dem Bildschirm spiegeln.

Bedienung über sehr viele Symbole

Die Benutzeroberfläche ist hübsch gestaltet und aufgeräumt. Nie werden mehr als fünf Symbole gleichzeitig angezeigt. Diese Beschränkung führt allerdings dazu, dass man im Hauptmenü mal horizontal, mal vertikal scrollen muss, um die insgesamt 17 über drei Ebenen verteilten Symbole zu sehen. Knifflig wird die Navigation vor allem, wenn man durch lange Dateilisten navigieren muss. Wer zum Beispiel einen bestimmten Song aufrufen will, benötigt Feingefühl. Denn wer einfach drauf los auf den Bildschirm tippt, tippt allzu oft daneben.

Die Hauptsymbole auf der Benutzeroberfläche des O2PMP sind groß und leicht zu bedienen, reichen aber nicht, um alle Funktionen anzuwählen. Im Musik-Player etwa sind weitere acht Symbole angeordnet, mit denen man Titel löschen oder Favoriten anzeigen kann - wenn man es kann. Denn diese Symbole sind recht klein geraten. Nicht weniger als 30, teils einander sehr ähnliche Symbole listet die Bedienungsanleitung insgesamt auf. Deren Bedeutung sollte man sich einprägen, denn intuitiv begreifbar sind nur wenige davon.

Mach mir die Micky Maus

Musik kann der O2PMP nicht nur abspielen. Das Gerät beherrscht auch einige vergnügliche Sonderfunktionen. Beispielsweise lässt sich die Abspielgeschwindigkeit variieren. So klingt Rammstein beschleunigt nach Micky-Maus-Club, und Rihanna wird zur Gothic-Diva abgebremst. Sinnvoller ist es freilich, diese Funktion für Hörbücher zu verwenden, die man je nach Gusto schneller oder langsamer vorgelesen bekommt.

Will man selbst vorlesen, singen oder musizieren oder ähnliches, ist der O2PMP ebenfalls nützlich. Über das integrierte Mikrofon lassen sich eigene Stücke aufnehmen. Das gelingt auch gut, so lange man nicht zu laut wird. Rockkonzerte mit dem Player aufzuzeichnen, ist dagegen keine besonders gute Idee.

Besser als ein iPod oder bloß anders?

Hübsch - vor allem im Vergleich mit Apples iPods - ist die Möglichkeit, nicht nur den integrierten, bis zu 32 Gigabyte großen Speicher zu verwenden, sondern auch SD-Karten als Erweiterung einzusetzen. Die Karte aus einer Digitalkamera kann direkt in den Player eingelegt werden. Bilder lassen sich so sofort ansehen.

Über den Videoausgang an einen Fernseher angeschlossen, wird der Player zum Projektor. Allerdings nur, wenn man das dafür nötige Spezialkabel bei Cowon kauft. Mitgeliefert wird das nicht. Und das ist schade, denn in der getesteten Version mit 32 Gigabyte Speicherplatz kostet der O2PMP immerhin rund 340 Euro, das TV-Out-Kabel schlägt mit weiteren 19 Euro zu Buche.

Preislich konkurriert der O2PMP somit direkt mit Apples iPod Touch. Der ist allerdings weit schlanker und leichter, verfügt über W-Lan und Bluetooth und ist durch Zusatzprogramme flexibel erweiterbar. Allerdings kann der iPod deutlich weniger Formate wiedergeben. Beispielsweise lassen sich keine Divx-Filme abspielen. Aufnahmen sind überhaupt nicht möglich, weil der iPod kein Mikrofon hat.

Direkt vergleichbar sind die Geräte von Apple und Cowon also nicht. Was der eine sich durch Eleganz und Nutzbarkeit als Webpad erspielt, macht der anderen durch ein Füllhorn an Formaten und Kompatibilität zu Speicherkarten wett.

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Dick und Schick: Multimediaplayer Cowon O2PMP


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