Deutscher Kinder-Software-Preis Ausgezeichnete PC-Spiele für Kinder

An PC-Spielen kommen Eltern heute nicht mehr vorbei: Früh verlangt der Nachwuchs nach digitalem Entertainment. Doch die Orientierung im Wust des Angebotes ist schwer. In Frankfurt wurden drei Titel mit dem Deutschen Kinder-Software-Preis ausgezeichnet.


Der Deutsche Kinder-Software-Preis Tommi setzt auf das Prinzip Auszeichnung: Ausrichter und Jurys verteilen ihre Auszeichnungen nicht mit der Gießkanne, sondern bewusst in kleiner Zahl. Nur drei Titel erhalten jedes Jahr die Auszeichnung, dazu ein Titel die Sonderauszeichnung Kindergarten und Vorschule. Bisher ist der Tommi damit gut gefahren.

Denn obwohl es eine Kinderjury ist, die am Ende die Entscheidungen trifft, fallen diese selten zugunsten reiner Spaß-Titel. Die Vorauswahl einer Nominierungsliste durch eine Fachjury soll dafür sorgen, dass Trash von vornherein heraus fliegt.

Platz 1: Die Siedler

Auf den ersten Platz schaffte es 2007 unangefochten ein Spiel aus deutschen Landen, das zudem zu einer der erfolgreichsten Spieleserien überhaupt gehört: Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs (Ubisoft, ca. 39 Euro) ist schon die siebte Inkarnation der wuseligen Welten-Simulation. Die hat sich seit 1993 von einer Art Landkarte, auf der sich emsig arbeitende kleine Männchen tummelten, hin zu einer detailreichen Spielwelt entwickelt, in der man selbst einzelne der Spielfiguren als Individuen wahrnimmt.

Eigentlich läuft so etwas als Strategie- oder Simulationsspiel, ist aber auch für Kids ab 10 Jahre aufwärts faszinierend. Und obwohl die Siedler natürlich reiner Zeitvertreib sind, ein Spaß-Spiel ohne pädagogischen Anspruch, lernt man dabei eine ganze Menge: Man muss sich kümmern und Zeit und Arbeit investieren, wenn etwas aus den Dingen werden soll, konstruktives Spielen wird stärker belohnt als destruktives. Das macht Spaß und nicht nicht doof.

Die Kinderjury formulierte das so: "Das Strategie- und Aufbauspiel 'Die Siedler' hat den Tommi verdient, weil wir selber entscheiden, was wir bauen und dabei viele Aktionen machen können. Schön ist, dass es so viele verschiedene Ritter zur Auswahl gibt, wobei jeder andere Fähigkeiten hat. Es ist faszinierend, ein eigenes Königreich aufzubauen und auf Tiere, Essen, Rohstoffe und die Bedürfnisse der Menschen zu achten. Wir finden es auch gut, dass wir nie Schulden haben. Es gibt einfach ein Limit an Geld, und damit müssen wir halt zurecht kommen. Toll ist der Zoom: Wir können den Menschen von ganz nah bei der Arbeit zusehen, und sogar die Kühe und Schafe machen 'Muh' und 'Mäh'. Es wirkt alles sehr echt. Und es gibt viel über das Mittelalter zu lernen."

Platz 2: Tierklinik Afrika

Auf dem zweiten Platz findet sich in diesem Jahr eine weitere Simulation: Tierklinik Afrika (Braingame, ca. 25 Euro). Schon das Vorläuferprodukt wurde im letzten Jahr ausgezeichnet - es muss etwas dran sein am Konzept. Tatsächlich steht das Spiel auf dem Markt relativ isoliert da: Als eines der wenigen qualitativ hochwertigen Spiele, für die sich auch jüngere Mädchen sehr interessieren.

Denn bei dieser Simulation geht es um Hege und Pflege - und der kindliche Spieler gibt den Tierarzt in eigener Praxis. "Wär' das nichts für dich?" fragte da die Band Die Ärzte höhnend, doch in diesem Fall würde die Kinderjury das wohl bejahen: "Besonders gefällt uns, dass es Tiere aus Afrika sind. Während des Spiels bekommen wir viel Wissen über sie vermittelt, und die gemachten Fotos lassen sich ausdrucken. Schön ist, dass es Info-Seiten über die Krankheiten gibt und wir alles über ihre Entstehung und Behandlung erfahren.

Dieses Wissen ist nötig, um bei der Untersuchung die richtige Diagnose zu stellen. Im Gehege werden die Tiere gestreichelt, gefüttert und nachbehandelt. Werden sie richtig kuriert, geht es ihnen schnell besser. Sind die Tiere gesund, spricht sich der Ruf des Tierarztes herum und es wird Geld verdient. Damit lassen sich noch mehr neue Bücher mit wichtigen Informationen kaufen. Auch auf die eigene Gesundheit wird geachtet. Die Tierärztin muss auch selber essen und schlafen. Das Spiel kann immer wieder gespielt werden, ohne langweilig zu werden."



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