Deutschlandpremiere für PRS-505: Sony überholt die E-Book-Konkurrenz

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Buchstaben so klar wie auf Papier, das Gewicht einer Zigarrettendose, Platz für Tausende Bücher: Geräte wie Sonys E-Book-Reader PRS-505 könnten unsere Lesegewohnheiten komplett umkrempeln. SPIEGEL ONLINE konnte das Lesegerät schon ausprobieren.

Sony hat sich Zeit gelassen. Fast ein Jahr ist es her, seit der japanische Konzern sein E-Book-Lesegerät Reader PRS-505 vorstellte. Damals allerdings wurde das Gerät nur auf dem amerikanischen Markt eingeführt, deutsche Leseratten blieben außen vor. Das soll nun vorbei sein. Auf der Ifa in Berlin zeigte Sony den Reader erstmals in Deutschland und versprach, das Gerät spätestens im kommenden Jahr auch hierzulande einzuführen.

Damit könnte Sony auch seinen Konkurrenten Amazon überrunden, dessen E-Book-Lesegerät Kindle sich in den USA offenbar bestens verkauft. In Deutschland ist Kindle aber noch nicht erhältlich, ein geplanter Verkaufsbeginn bisher nicht bekannt.

Mit der Haptik eines gedruckten Buches hat der Sony Reader trotz des Ledereinbands wenig gemein. Schuld daran sind vor allem das geringe Gewicht von 260 Gramm und die geringe Dicke von weniger als einem Zentimeter. Mit Buchmaßen hat das wenig zu tun, ist dafür aber umso tragbarer und zudem besser verstaubar als Papierbücher.

16.000 Bücher in der Hemdtasche

Genau das ist auch der große Vorteil des Reader: Schon in den eingebauten Speicher passen laut Sony rund 160 digitale Bücher. Reicht das nicht, lässt sich der Speicherplatz mit SD-Karten oder Memorysticks erweitern. Rund 16.000 Bücher kann man so beispielsweise auf einem 16-Gigabyte-Memorystick mit sich herumtragen.

Doch dafür wird wohl kaum jemand Verwendung haben. Sinnvoller ist es, solch zusätzliches Speichervolumen beispielsweise für PDF-Dateien zu nutzen, die weit mehr Speicher verbrauchen als elektronische Bücher. Oder man füllt die Speicherkarte mit Musik im MP3- oder AAC-Format auf. So kann man beim Lesen auch noch entspannende Musik hören.

Dann aber geht der Akku vergleichsweise schnell zur Neige. Ohne Musik soll er ausreichend Strom liefern, um 6800-mal die Seite umzublättern. Umgerechnet wäre das also genug, um alle Harry-Potter-Bände durchzulesen und danach noch ein paar schwedische Krimis zu schmökern, ohne zwischendurch aufzuladen. Und das ist auch besser so, weil Sony kein Ladegerät mitliefert. Um den Akku aufzufüllen, muss man den Reader daher entweder per USB an einen PC anstöpseln oder das optionale Ladegerät kaufen.

Ohne Licht geht nichts

Solcherlei Leseorgien kann man sich mit dem Reader auch durchaus zumuten, weil der Bildschirm mit der sogenannten E-Ink-Technologie arbeitet, die gänzlich anders funktioniert als herkömmliche Bildschirme. Statt das Bild wie beispielsweise beim Fernseher 50-mal pro Sekunde neu aufzubauen, wird es nur einmal aufgebaut. Anschließend verbraucht das Display keinen Strom mehr, liefert ein absolut flimmer- und streifenfreies Bild, das ebenso ruhig wirkt wie bedrucktes Papier.

Nur einen Nachteil hat die Technologie: Da das Display keine eigene Beleuchtung besitzt, funktioniert es in der Sonne am besten. Zum abendlichen Schmökern im Bett braucht man also immer noch eine Nachttischlampe.

Doch bevor man es sich derart zu digital servierten Lesegenuss gemütlich machen kann, braucht man erst einmal Inhalte, sprich elektronische Bücher. Damit aber sieht es in Deutschland derzeit noch schlecht aus. Immerhin versteht das Gerät einige Formate, derer man auch ohne Online-Shops habhaft werden kann. Das Format Adobe-PDF beispielsweise ist so eines. Aber auch Texte, die als RTF oder im Word-Format abgespeichert wurden, lassen sich anzeigen.

Wann kommt der deutsche E-Book-Shop?

Richtig Spaß macht das Lesen allerdings erst, wenn man elektronische Bücher in einem speziellen E-Book-Format liest. Die nämlich kann das Sony-Gerät flexibel umformatieren, so dass man beispielsweise die Texte beliebig vergrößern kann. Die Texte werden dabei automatisch neu umbrochen, so dass man nicht nach links und rechts scrollen muss, sondern der Text weiterhin komplett auf den Bildschirm passt.

In den USA verkauft Sony solche E-Books über seinen Online-Shop connect. Wann es ein vergleichbares Angebot auch in Deutschland geben wird, mochten Sonys Manager in Berlin noch nicht verraten. Allerdings, zumindest so viel ließen sie durchblicken, wolle man dies auf der Frankfurter Buchmesse, die Mitte Oktober, bekannt geben.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass Sony diesen Termin wohl dazu nutzen wird, um nicht nur den Reader selbst in den Handel zu bringen, sondern passend dazu auch einen deutschen Ableger seines Online-E-Book-Shops zu installieren. Bleibt nur abzuwarten, wie Amazon reagieren wird und ob womöglich auch das Kindle seinen Europastart in Frankfurt machen wird. Konkurrenz belebt das Geschäft.

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