Digitalkameras: Das Ende des Megapixel-Mythos

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2. Teil: Die wirklich wichtigen Kaufkriterien

Beim der Auswahl einer Digicam sollte die Megapixel-Angabe also nur ein nachrangiges Kriterium sein. Eine hohe Bildqualität, so Hußmann, kann man "unter Idealbedingungen mittlerweile voraussetzen". Worauf soll man bei Kauf also wirklich achten?

Beispielsweise auf die Lichtempfindlichkeit, angegeben als sogenannten ISO-Zahl. Höhere ISO-Zahlen ermöglichen es, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen, also beispielsweise während der Dämmerung, zu guten Ergebnissen zu gelangen. Hier spielen die bescheiden mit Megapixeln ausgestatteten Modelle ihre Stärke aus: "Eine 6-Megapixel-Kamera könnte wegen ihrer höheren Lichtempfindlichkeit einem 12-Megapixel-Modell überlegen sein", sagt Hußmann. Die Herstellerangaben des ISO-Wertes sind allerdings nur eine grobe Richtschnur. Hier hilft nur ausprobieren.

Mindestens ebenso wichtig wie die Lichtempfindlichkeit ist laut Hußmann "eine schnappschusstaugliche Auslöseverzögerung". Manche Kamera, gerade unter den Billigheimern, erkauft sich ihren niedrigen Preis mit einem schwachbrüstigen Prozessor, der mehrere Sekunden braucht, um den Apparat "schussbereit" zu schalten. Gute Knipsen hingegen sind nach dem Einschalten innerhalb rund einer Sekunde betriebsbereit und lösen ohne merkliche Verzögerung aus, sobald man ein Motiv anvisiert und der Auslöser drückt.

Ein Kriterium, dass man nicht im Laden testen kann und bei dem man sich auf die Herstellerangaben verlassen muss, ist die Batterielaufzeit. Die wird üblicherweise nach dem sogenannten CIPA-Standard gemessen, wodurch vergleichbare Ergebnisse zustande kommen. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Geräten können gewaltig sein.

Hußmann: "Ultrakompaktkameras schaffen zwischen 130 und 580 Aufnahmen pro Batterieladung." Wer sich da beim Kauf für ein Modell mit geringer Ausdauer entschieden hat, läuft Gefahr, dass sich der Apparat unterwegs mangels Strom selbst abschaltet. Michael Hußmann rät daher, "bei den Modellen mit schwächeren Akkus nie ohne Zweitakku aus dem Haus zu gehen."

Beste Qualität für den halben Preis

Soll es trotzdem unbedingt eine Kompaktkamera mit der höchstmöglichen Auflösung sein, rät Fotoexperte Hußmann zu Panasonics nagelneuem 12-Megapixel-Modell Lumix DMC-FX100, die für rund 360 Euro in den Läden steht. Eine etwa gleichwertige Alternative hat Sony mit der DSC-W200 im Programm, die laut Hersteller 449 Euro kosten soll.

Wer sich einen solchen Pixel-Protz anschafft, sollte bei Fotografieren damit allerdings ein paar Grundregeln beachten. "Um aus der hohen Sensorauflösung auch einen Nutzen zu ziehen, sollte man möglichst wenig abblenden, da sonst die Lichtbeugung für unscharfe Bilder sorgt," rät Fotoexperte Hußmann.

Zudem sollte man stets für eine gute Ausleuchtung des Motivs sorgen, damit die Kamera mit möglichst niedriger Lichtempfindlichkeit arbeiten kann. "Die bei hohen ISO-Werten immer aggressiver in die Bildverarbeitung eingreifende Rauschunterdrückung zerstört feine Details; mit dem niedrigsten ISO-Wert erhält man hingegen sehr hoch aufgelöste Bilder," erklärt Hußmann die Vorgänge in der Kamera.

Will man sich mit solchen Zwängen nicht abplagen, bleibt der Griff zum günstigen Auslaufmodell mit einstelliger Megapixel-Zahl. So wie etwa Fujifilms Finepix F31fd, einer 6-Megapixel-Kamera, die von Fachmagazinen für ihre bestechend hohe Bildqualität gelobt wird. Für einen solchen Fotoapparat muss man derzeit nur noch rund 200 Euro investieren - und spart damit gut die Hälfte des Kaufpreises gegenüber einem 12-Megapixel-Modell ein.

Einen Teil dieses Geldes kann man ja in ein gutes Fotobuch oder einen Fotolehrgang investieren. Denn am Ende bestimmt nicht die Technik, sondern der Fotograf darüber, ob ein Bild gelingt - oder eben nicht.

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