DVD-Filmbeileger: Filmperlen vom anderen Ende der Welt

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Nach dem dänischen Film entdecken die Beileger-Magazine nun das Kino Neuseelands: Coole Kriegerinnen, schockierte Kleinstädter und ein einfallsreicher Reisekaufmann sorgen für Abwechslung von der Hollywoodkost. SPIEGEL ONLINE hat das Menü des Monats zusammen getragen.

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"Open Range - Weites Land", USA 2003. Regie: Kevin Costner. Darsteller: Kevin Costner, Robert Duvall. FSK: 12 Jahre. Format: 1,85:1 (16:9). Heftpreis: 3,90 Euro

Der gealterte Cowboy Boss Spearman (Robert Duval) zieht mit seinem langjährigen Partner Charly Waite (Kevin Costner), zwei Kollegen und seiner Rinderherde durch die weite Prärie. Da wird ihr Koch bei Einkäufen in einem winzigen Kaff von der Bande des machtgierigen Großranchers Baxter fast umgebracht. Hinter dem vermeintlichen Zufall steckt jedoch System, denn Baxter hasst Typen wie Spearman und seine Truppe. Schnell gibt es Tote, doch die beiden Cowboys geben nicht nach. Die Zeit scheint reif, eine Entscheidung für ihr weiteres Leben zu treffen.

Die Geschichte um den Konflikt zwischen umherstreifenden und sesshaft gewordenen Rinderzüchtern ist schon oft erzählt worden. Costner gelang jedoch eine frische Perspektive auf das Western-Genre, ein Bereich, in dem er ja in seiner Karriere schon mehrfach Erfolg hatte ("Wyatt Earp").

Das freie Leben der menschenscheuen Cowboys wird dabei nicht glorifiziert, sondern als Notlösung nach erlittenem Unglück beschrieben. Vor grandioser Kulisse mit gigantischen Wolkentürmen und schimmerndem Licht stellt sich trotz der angespannten Situation immer wieder eine große Ruhe ein, die fast bis zum blutigen Showdown Bestand hat. Für Costner fühlte sich das Ganze geschäftlich wohl deutlich unruhiger an, denn er steckte viel eigenes Geld in die Produktion, landete aber letztlich kommerziell einen Überraschungserfolg. Vielleicht war dafür ja das etwas kitschige Hollywood-Ende nötig.

Erscheint am 5. August im Handel

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"The Big White - Immer Ärger mit Raymond", D/CDN/NZ/USA 2005. Regie: Mark Mylod. Darsteller: Robin Williams, Holly Hunter. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Wahrlich weltumspannend darf sich diese amerikanisch-europäisch-ozeanische Filmproduktion wohl bezeichnen, in der Robin Williams ("Flubber") einmal mehr sein tragikomisches Talent ausspielt. In der Rolle des bankroten Ladenbesitzers Paul Barnell versucht er verzweifelt seine psychisch kranke Frau (Holly Hunter) und sein Geschäft zu retten, indem er die Versicherung seines seit Jahren verschollenen Bruders mit einer falschen Leiche betrügt. Doch der makabere Trick ruft nicht nur unangenehme Zeitgenossen auf den Plan, sondern plötzlich taucht auch sein seltsamer Bruder wieder auf.

Schwarzhumorig, böse und trotzdem komisch präsentiert sich der zweite Kinotrip des TV-Regisseurs Mark Mylod ("Ali G Indahouse") über weite Strecken als Arena einer spielfreudigen Crew, die auch in den Nebenrollen toll besetzt ist. So zeigt sich vor allem Giovanni Ribisi ("Lost in Translation") als Versicherungsagent von einer bislang wenig bekannten humoristischen Seite, während Woody Harrelson ("Larry Flint") wieder einmal als dumpfer Irrer überzeugt. Dass das wenig überraschende Drehbuch dabei mächtig bei großen Vorbildern wie "Fargo" (1996) abkupfert, stört höchstens Genrepuristen - alle anderen machen mit dieser teils extrem unterhaltsamen Dramödie nichts falsch.

Bis 16. August im Handel

SFT

"Out of the Blue - 22 Stunden Angst", NZ 2006. Regie: Robert Sarkies. Darsteller: Karl Urban, Matthew Sunderland. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

Überraschend ernste Töne schlägt hingegen die in diesem Monat mit nur einem Filmbeileger ausgestattete "SFT" an. Der hat es jedoch in sich, denn das Drama gibt sich alle Mühe, den Horror eines 1990 in der neuseeländischen Kleinstadt Aramoana stattgefundenen Amoklaufs nachzuzeichnen.

In stillen Szenen lernen wir zuerst die Stadt und einige der Bewohner kennen, bis plötzlich - wie aus heiterem Himmel - der paranoide Einzelgänger David Gray (Matthew Sunderland) beginnt, nach einem harmlosen Nachbarschaftsstreit wahllos auf alles zu schießen, was sich bewegt. Die örtliche Polizei ist völlig überrumpelt und erst eine Spezialeinheit kann Gray 22 Stunden später stellen.

Weitgehend ohne besondere filmische Effekte bringt Robert Sarkies ("Scarfies") die erschütternde Geschichte des Massakers mit 14 Opfern semidokumentarisch auf die Leinwand und zeigt damit ihre ganze Grausamkeit und Gnadenlosigkeit. Anders als Mike Newell mit seinem erklärenden Film "Böses Blut" (1981) über einen ähnlichen Amoklauf im Jahr 1941 versuchte Sarkies vor allem den Horror des Unerklärlichen in David Grays Tat einzufangen, die mitten in einer intimen Kleinstadtgemeinschaft geschah. Heraus kam dabei ein böser, harter Film, der nicht durch seine Action, sondern durch die Nähe zu seinen Figuren fast unerträglich unter die Haut geht. Fazit: Unbedingt sehenswert, aber nichts für den lockeren Feierabend.

Bis 25. August im Handel

Super Illu

"Die Prinzessin auf der Erbse", SU 1976. Regie: Boris Rytsarev. Darsteller: Irina Malyschewa, Andrej Podoschian. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: unbeschränkt. Heftpreis: 2,99 Euro.

Dort hinein passt schon eher das klassische Märchen über den Erbsentest für Prinzessinnen aus der Feder Hans-Christian Andersens.

Darin sucht ein junger Prinz (Andrej Podoschian) erfolglos im ganzen Land nach einer geeigneten Braut, bis er sie eines Tages in einer schöne Fremden (Irina Malyschewa) erkennt, die vor dem Regen im seinem eigenen Schloss Schutz gesucht hat. Sie hatte zwar behauptet, eine Prinzessin zu sein, doch die Königsfamilie blieb skeptisch. Nun wird sie mit einem Trick heimlich auf Echtheit geprüft: Wenn sie eine Erbse unter einem Turm von 20 Daunendecken spürt, dann ist sie wirklich eine Prinzessin und kann den Prinzen heiraten.

Wo Andersen sich gleichnishaft über die Entfremdung der Herrschenden von der Wirklichkeit lustig gemacht hat, konnten die sowjetischen Märchenfilmstudios wunderbar zur Kindeserziehung andocken. Zu den Klängen von Vivaldis "Vier Jahreszeiten" flocht man gleich noch weitere bekannte Märchen in die Suche des Prinzen ein, was zwar eine umfassende Lehrreise hervorbringt, aber so manches Kind vom Plot der Hauptgeschichte ablenkt. Ältere Kinder und Erwachsene werden an der gewohnt farbenfrohen Umsetzung jedoch ihren Spaß haben und sich auf zwölf weitere Exemplare freuen, mit denen die "Super Illu" ab September ihre Reihe fortsetzt - diesmal endlich auch mit tschechischen Märchenfilmen.

Vom 6. bis 12. August im Handel

TV Movie

"Die letzte Kriegerin", NZ 1994. Regie: Lee Tamahori. Darsteller: Rena Owen, Temuera Morrison. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Auch hinter dem Cover der "TV-Movie" klemmt in dieser Woche ein neuseeländisches Drama.

Hier geht es jedoch nicht um eine beschauliche Kleinstadt, sondern um eine Clique vermeintlich cooler Typen, die am Großstadtrand mit Gewalt, Armut und ihren Identitätsproblemen zu kämpfen haben. Besonders die Maori-Häuptlingstocher Beth (Rena Owen) kann die Exzesse ihres herrschsüchtigen Ehemanns Jake (Temuera Morrison) kaum noch ertragen, hält aber weiterhin trotzig zu ihm, da sie vor Jahren ihren Stamm für ihn verließ. Als Beths Söhne sich immer mehr entziehen und ihre pubertierende Tochter ins Visier von Jakes Saufkumpanen gerät, wird klar, dass die Familie auf einem Pulverfass sitzt.

Der mit 19 internationalen Preisen überhäufte Streifen beginnt mit einem ganzen Bündel optischer Ghetto-Klischees, von denen man sich aber nicht abschrecken lassen darf. Dank authentischer Darsteller und mitreißender Bilder steckt man bald mitten in einer brutalen, dramatischen Geschichte, die bis zum tragischen Ende nicht mehr los lässt.

Lee Tamahori ("Stirb an einem anderen Tag") bescherte sie eine Freifahrkarte nach Hollywood und auch Temuera Morrison sieht man seitdem in Filmen wie "Vertical Limit" oder "Star Wars: Episode 2". Zusammen mit Alan Duff, dem Autor der Buchvorlage "Worriers" von 1990, produzierte er fünf Jahre später eine Fortsetzung, die allerdings nicht an ihren Vorgänger anknüpfen konnte, der bis heute einer der erfolgreichsten Filme Neuseelands ist.

Bis 6. August im Handel

Widescreen Vision

"Dune - Der Wüstenplanet", USA 1984. Regie: David Lynch. Darsteller: Kyle MacLachlan, Sting. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,50 Euro.

In einer unvorstellbar weit entfernten Zukunft lebt die Menschheit zwar überall im Weltall, wird aber trotzdem von den Machtkämpfen mächtiger Adelshäuser erschüttert. Besonders um den Wüstenplaneten Arrakis entbrennt dabei der Streit, da hier "Spice" abgebaut wird, eine Droge, ohne die keine interstellaren Reisen möglich wären. Als der Lehnsherr des Planeten von dem verfeindeten Clan der Harkonnen ermordet wird, kann sein Sohn, der junge Paul Atreides (Kyle MacLachlan), fliehen. Mit Hilfe der Wüstenbewohner und gigantischer Sandwürmer baut er seinen Widerstand gegen die bösartigen Unterdrücker auf.

Kaum ein Filmprojekt hat so viele Fehlstarts hinter sich wie die Verfilmung des berühmten Science-Fiction-Romanzyklus von Frank Herbert. Von 1963 an bis kurz vor seinem Tod im Februar 1986 legte Herbert insgesamt sechs Romane vor, die gemeinhin als viel zu komplex für eine Kinoadaption galten. Trotzdem bastelte man bereits in den siebziger Jahren und damit vor Vollendung des Zyklus an ersten Filmideen, die aber erst 1984 von Regisseur David Lynch ("Blue Velvet") auf Zelluloid gebannt werden konnten. Seine über drei Stunden lange Fassung musste zwar fürs Kino auf zwei Stunden verkürzt werden, ging aber trotz der Kritik der Fangemeinde als optisches und darstellerisch experimentelles Abenteuer in die Filmgeschichte ein. Fazit: Surrealistischer Kult, den man mal gesehen haben sollte.

Bis 4. August im Handel

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