DVD-Filmbeileger Spartaner im Kleinstadtdschungel

Schwarzhumorige Kleinstadtkatastrophen, kunstfertige Psychothriller und märchenhafte Oldies frischen das breite Angebot der aktuellen DVD-Filmbeileger aus dem Zeitschriftenregal auch im September wieder auf. SPIEGEL ONLINE zeigt Ihnen die Perlen - und das, was Sie lieber liegen lassen sollten.


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"Spartan", D/USA 2004. Regie: David Mamet. Darsteller: Val Kilmer, Derek Luke. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. 3,90 Euro

Der eiskalte Spezialagent Robert Scott (Val Kilmer) soll die entführte Präsidententochter finden, stößt dabei jedoch dank seines aufgeweckten Partners Curtis (Derek Luke) auf korrupte Machenschaften, die bis tief in Regierungskreise hinein reichen. Langsam bröckelt sein Panzer aus gedankenloser Professionalität, der ihn zu einem "Spartaner" – einem perfekten Soldaten im Dienste seiner Kommandeure gemacht hat, und er beginnt, sich seine Ziele selbst zu suchen.

In Filmen von Drehbuchautor und Regisseur David Mamet ("Wag the Dog", "Die Unbestechlichen") wird neben einer gewissen Portion Action immer auch viel gequatscht, allerdings so gut, dass die Kritikerfront meist einhellig den Hut zieht. Wenn dieser Regisseur einen Agententhriller dreht, liefert er kein dumpfes Geballere ab, sondern spannende Unterhaltung mit gut darin verpackter Gesellschaftskritik.

Kein Wunder also, dass 2004 mitten im realen Wahlkampfjahr von George W. Bush auch in Mamets Film der amtierende Präsident mächtig seit Fett abkriegt. Wenn dann noch mit Alexandra Kerry die Tochter von Bushs damaligem Gegenkandidaten John Kerry in einer Nebenrolle auftritt, dürfte die Stoßrichtung klar sein. Obwohl Mamet damit an den Kinokassen genauso scheiterte wie Kerry an den Wahlurnen, kam damit neben all den subtilen, politischen Botschaften schlichtweg auch ein klasse gemachter Actionstreifen heraus, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Erscheint am 3. September im Handel

Computer Bild

"Stay", USA 2005. Regie: Marc Forster. Darsteller: Ewan McGregor, Ryan Gosling. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre.
und
"Jericho – Der Anschlag", USA 2006 (Folge 2 der TV-Serie). Regie: Jon Turteltaub. Darsteller: Skeet Ulrich, Ashley Scott. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Preis 3,70 Euro

Als einziger Film aus dem Oeuvre des preisverwöhnten deutsch-schweizerischen Filmemachers Marc Forster ("Monster's Ball", "Drachenläufer") schrappte der beunruhigende Psychothriller "Stay" an sämtlichen Wettbewerben der Welt komplett vorbei, obwohl für ihn ein relativ großzügiges Budget von 50 Millionen Dollar verbraten wurde. Doch Forster, der soeben für noch weit mehr Geld den neuen James Bond "Ein Quantum Trost" zu Ende drehen durfte, hat das Geld auch bei "Stay" gut angelegt.

Ewan McGregor ("Trainspotting") spielt darin den Psychologen Sam Foster, der nicht nur von seiner depressiven Freundin Lila (Naomi Watts) hart auf die Probe gestellt wird, sondern auch noch seinen neuen Patienten Henry (Ryan Gosling) innerhalb von drei Tagen daran hindern muss, sich das Leben zu nehmen. Dabei helfen ihm die hellseherischen Visionen des nach einem Unfall schwer traumatisierten Henry auch nicht besonders, sondern verwischen im Gegenteil Traum und Wirklichkeit zu einer düsteren Szenerie, in der immer mehr seltsame Dinge geschehen.

Der Zuschauer wird dabei oft ziemlich alleine gelassen und darf sich selbst einen Reim auf den auch optisch verstörend experimentalen Film machen. Doch genau das macht ihn zu einem bizarren, kleinen Mysterium mit Stil, von dem besonders Kunstfilmliebhaber fasziniert sein werden.

Deutlich erdiger geht es hingegen in der Fortsetzung der TV-Serie "Jericho" zu, deren ersten Teil wir bereits mit der vergangenen Ausgabe der "Computer Bild" vor 14 Tagen sahen. Diesmal lernen wir, wie die Bewohner der Kleinstadt sich trotz defekter Katastrophenschutzeinrichtungen vor dem nuklearen Regen in Sicherheit bringen und dass Polizisten auch nicht immer das sind, wofür sie gehalten werden.

Bis 15. September im Handel

SFT

"Paranoid", GB 2000. Regie: John Duigan. Darsteller: Jessica Alba, Iain Glen. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre
und
"The Last Warrior", USA 2000. Regie: Sheldon Lettich. Darsteller: Dolph Lundgren, Sherri Alexander. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,90 Euro

Es sollte ein unbeschwertes Wochenende auf dem Land werden, doch während der ersten Nacht bei den exzentrischen Freunden ihres neues Lovers wacht das gestresste Topmodel Chloe (Jessica Alba) total bedröhnt auf. Zufällig kommt sie dahinter, dass die von dem irren Musiker Stan (Iain Glen) angeführte Clique ihr übel mitgespielt hat. Ein kopfloser Fluchtversuch bringt sie erst recht in Schwierigkeiten, denn nun sieht Stan in ihr eine Gefahr für seine miesen Spielchen.

In ihrer ersten Filmrolle nach dem Durchbruch als Superheldin in "Dark Angel" mimte Jessica Alba ("Sin City") zur Abwechslung mal einen verletzlichen Charakter, was ihr angesichts des reichlich einfallslosen Drehbuchs sogar ganz gut gelang. Leider zeigte der Rest der Truppe deutlich weniger Performance, allen voran Iain Glen, der als Gegenspieler von Lara Croft in "Tomb Raider" oder als Dr. Isaac in "Resident Evil" erst in den Folgejahren sein Talent zum Bösewicht ausspielte. Fazit: Sicherlich ein Pflichtprogramm für Fans von Jessica Alba, für alle anderen Zuschauer aber höchstens was für nebenbei.

Ganz ähnlich steht es leider auch um den zweiten Film des "SFT"-Doppelpacks. Hier versucht der strafversetze Soldat Nick Preston (Dolph Lundgren) nach einem gigantischen, alles vernichtenden Erdbeben zu retten, was zu retten ist. Dabei stößt er aber nicht nur auf harte Umweltbedingungen und tödliche Seuchen, sondern muss auch eine Schulbusladung unschuldiger Kinder aus den sadistischen Fängen entflohener Schwerverbrecher befreien.

Wo Sheldon Lettich ("Leon") dreht, da wächst normalerweise kein Gras mehr. Allein vier Low-Budget-Muskelfilme mit Jean-Claude Van Damme stammen aus seiner Hand, da scheint es naheliegend, wenn dessen Fachkollege Dolph Lundgren ("Universal Soldier") sich nicht lange bitten ließ, um es krachen zu lassen.

Diesmal lässt der studierte Chemieweseningenieur und hochdekorierte Karatekämpfer Lundgren seine Zuschauer allerdings fast bis zum Showdown darauf warten. In der Zwischenzeit verliert sich der Streifen in pathetischen Ansprachen und sinnfreien Dialogen, weshalb sein Unterhaltungswert trotz solider Produktion über weite Strecken in engen Grenzen bleibt. Selbst harten Fans des Hauptdarstellers können wir diesen postapokalyptischen Kalauer deshalb nicht wirklich ans Herz legen.

Bis 23. September im Handel

SuperIllu

"Das Tapfere Schneiderlein", DDR 1956. Regie: Helmut Spieß. Darsteller: Kurt Schmidtchen, Christel Bodenstein. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: ohne Altersbeschränkung. Preis 2,99 Euro

Der erste Film der 12-teiligen Märchenreihe aus den Studios der DDR und der Sowjetunion, die uns in den kommenden Monaten die "SuperIllu" präsentiert, bedient gleich einen großen Grimmschen Klassiker. Die Abenteuer des armen, von seinem Lehrmeister gequälten Schneidergesellen (Kurt Schmidtchen), beginnen mit seinem berühmten Trick, die erfolgreiche Jagd auf sieben schnöde Stubenfliegen als Sieg über sieben starke Kerle zu verkaufen. So gelangt der schlaue Schneider als "Ritter Siebenaufeinenstreich" an den Königshof und muss sich dort mit viel Hirn und Herz gegen allerlei kräftige Neider durchsetzen lernen.

In der leicht abgewandelten DDR-Version des Märchens gewinnt der Schneider zuletzt nicht nur gegen die hinterlistige Adelsbrut, sondern wird vom Volk auf den Thron gesetzt, um dort zusammen mit der Magd Traute (Christel Bodenstein) das Reich zu regieren. Was die Gebrüder Grimm dazu gesagt hätten, kann man nur erraten, für Hauptdarsteller Kurt Schmidtchen begann damit jedenfalls eine lange Karriere bei Film und Fernsehen, aus der man ihn heute vor allem in der Rolle des Cholerikers an der Seite von Dieter Hallervorden kennt. Hier kann man ihn noch einmal zwischen allerhand Papp-Kulissen und knallbunter Ausstattung bewundern, mit der die frühen Märchenverfilmungen aus den DEFA-Studios auch heute noch trashig glänzen.

Vom 4. bis 10. September im Handel

TV Movie

"11:14 - elevenfourteen", CDN/USA 2003. Regie: Greg Marcks. Darsteller: Rachael Leigh Cook, Hilary Swank. FSK: 16 Jahre. Format: 1,85:1 (16:9). Preis: 3,40 Euro

Exakt um vierzehn Minuten nach Elf Uhr nachts geschehen in der Kleinstadt Middleton einige sehr üble Dinge. Elf Einwohner sind darin schicksalhaft verwickelt, und wir erfahren aus fünf Perspektiven, wie verteufelt tödlich das Räderwerk der vielen kleinen Handlungen ineinandergreift. Im Zentrum der Geschichte steht ein durchtriebenes Teenagerbiest, die einen kleinen, intriganten Plan hat. Herabfallender Grabsteinschmuck, übermütige Jungs und ein Telefonanruf zur falschen Zeit lassen diesen Plan schließlich in einer bitterbösen Katastrophe enden.

Mit seinem originellen Debut knüpft Jungregisseur Greg Marcks an verzwickte Mosaikfilme wie "Pulp Fiction" oder "Short Cuts" aus den neunziger Jahren an, bleibt mit seinem Streifen jedoch in der dumpfen Tristesse der US-amerikanischen Kleinstadt. Das Drehbuch überzeugte Oscargewinnerin Hilary Swank ("Million Dollar Baby"), eine Rolle als dorftrottelige Tankstellenangestellte zu übernehmen, wodurch Marcks die Crew seines kleinen Projektes unter anderem mit Patrick Swayze, Rachael Leigh Cook und Barbara Hershey prominent besetzen konnte.

Dabei halten sie aber nicht nur ihre bekannten Gesichter vor die Linse, sondern spielen genüsslich gegen den Strich ihrer üblichen Rollenprofile. Unterstrichen vom stimmungsvollen Sound Clint Mansells ("Requiem for a Dream") wird 90 Minuten lang schwarzhumorige Unterhaltung vom Feinsten präsentiert, die uns den Tipp der Woche wert ist.

Bis 4. September im Handel



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