Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

E-Book-Leser Kindle 2: Amazons redseliges Lesegerät

Von

Lesen und vorlesen lassen: Mit dem Kindle 2 liefert Amazon ein E-Book-Lesegerät, dass in jeder Hinsicht - vor allem optisch - gegenüber seinem Vorgänger verbessert wurde. Besonders wichtig könnten dabei die kleinen Lautsprecher der Lesemaschine werden.

Eine solche Begeisterung kennt man sonst nur von Apple-Veranstaltungen. Als am Montagnachmittag europäischer Zeit Amazon-Chef Jeff Bezos die Bühne eines New Yorker Theaters betrat, applaudierten nicht nur die anwesenden Journalisten höflich. Rund um den Globus verfolgten Zuschauer die Pressekonferenz über Liveblogs im Internet. Im Minutentakt ploppten Informationshäppchen auf den Webseiten der Tech-Blogger auf, die jedes Detail über das neue Lesegerät gierig aufschnappten und in knappen Sätzen online stellten.

Dabei gab es so viel Neues gar nicht zu hören und zu sehen. Schon Tage vor seiner offiziellen Vorstellung tauchten Fotos des bis dahin nur als Gerücht durchs Web wabernden Geräts im Netz auf. Spekuliert wurde auch über dessen Preis. Nur mit technischen Details konnte die Netzgemeinde nicht dienen. Aber die hat ja nun Bezos persönlich nachgeliefert.

Offenkundig ist, dass das Design jetzt endlich im aktuellen Jahrtausend angekommen ist. Nicht mal einen Zentimeter dick ist der neue E-Book-Reader geworden, und damit reichlich schlanker als der Vorläufer. Gelungen ist dieser Trick offenbar, indem die Bauteile schlicht auf weniger Raum zusammengepfercht wurden. Denn leichter ist das Gerät nicht, bringt immer noch fast 300 Gramm auf die Waage. Trotzdem ist die Schlankheitskur dem Kindle gut bekommen. Superflach, strahlend weiß und mit einer Rückseite aus gebürstetem Metall sieht es richtig gut aus.

Schneller, schärfere Texte

Doch äußere Schönheit, das weiß ein jeder, nützt nichts, wenn nicht auch die inneren Werte stimmen. Und da hat das Kindle 2 gegenüber seinem Vorgänger ordentlich zugelegt. Verbessert wurde beispielsweise das Display. Während die Auflösung weiterhin auf 800 x 600 Bildpunkte festgelegt bleibt, wurde die Anzahl darstellbarer Graustufen von vier auf 16 erhöht. Davon profitieren nicht nur Bilder, die jetzt detailreicher abgebildet werden können, sondern auch Texte, deren Ränder künftig schärfer gezeichnet werden sollen. Im Alltag wichtiger dürfte allerdings sein, dass das Kindle 2 Seiten um 20 Prozent schneller umblättern kann als sein Vorgänger.

Dass die Anzeigequalität von Texten weit besser ist als auf herkömmlichen LCD-Bildschirmen, steht außer Frage. Wie alle E-Book-Reader nutzt das Kindle 2 ein e-Ink-Display, also sogenannte elektronische Tinte, die es schafft, ein Bild vollkommen flackerfrei, eben wie auf Papier, darzustellen.

Kräftig aufgebohrt wurde auch der Speicher des Geräts. Für die erste Version wurde eine Kapazität von rund 200 Büchern angegeben, was rund 256 MB entspricht. Das neue Modell dagegen ist mit zwei GB ausgestattet, soll darin etwa 1500 digitale Bücher ablegen können. Verglichen beispielsweise mit den Readern von Sony ist aber auch das noch mickrig. Denn die Sony-Geräte lassen sich mit Speicherkarten erweitern. Ob das allerdings notwendig ist, ist eine andere Frage.

Zwei Wochen lang lesen

Fraglos wichtig ist jedoch, dass die Akku-Laufzeit verbessert wurde. Bis zu zwei Wochen lang soll man nun lesen können, ohne das Gerät an eine Steckdose stöpseln zu müssen, verspricht Bezos. Dass sollte erst einmal reichen. Und will man zwischendurch das Lesegerät wechseln, etwa, weil man ein Kindle zuhause, eines im Büro und eines im Wochenendhaus liegen hat, so funktioniert auch das. Via Mobilfunknetz synchronisieren sich die Geräte, so dass man an jedem Kindle stets die Seite aufschlägt, die man zuletzt gelesen hat. Womit auch geklärt wäre, dass der Bücherkauf bei der neuen Version ebenso abgewickelt wird wie zuvor, nämlich via Mobilfunk.

Für europäische E-Book-Leser bleibt Amazons Lesegerät damit weiterhin unattraktiv, weil das von Amazon genutzte Mobilnetz sich zwar über die gesamten USA erstreckt, aber keinen Meter weit nach Europa dringt. Das dürfte vor allem für Fans des Horror-Autors Stephen King schlimm sein. King nämlich war der Stargast des Abends, betrat, bewaffnet mit einem pinkfarbenen Kindle, die Bühne und referierte über dessen Vorteile. Vor allem aber las er eine Passage aus einem neuen Buch vor, das er über das Kindle und für das Kindle geschrieben hat und das exklusiv für das Amazon-Gerät auf den Markt kommt.

Lesen oder lesen lassen

Und so wie King aus seinem eigenen Buch vorgelesen hat, werden Besitzer des Kindle 2 sich künftig auch ihren digitalen Lesestoff vorlesen lassen können. Zwar nicht von Stephen King, dafür aber von ihrem elektrischen Lesegerät. Das nämlich ist in der neuen Version auch ein Vorlesegerät geworden, das digitale Texte auch via Lautsprecher wiedergeben kann. Noch bezeichnet Amazon diese Funktion als experimentell. Doch gerade das elektrische Vorlesen könnte zum Erfolg des Geräts beitragen, zumal in den USA, wo das Lesen längst dem Fernsehen weichen musste.

Doch wer sich so künftig mit Lesetexten berieseln lassen will, muss noch ein wenig Geduld aufbringen. Ab dem 24 Februar soll die Auslieferung des Kindle 2 beginnen. Bevorzugt beliefert werden Kunden, die bereits ein Kindle 1 besitzen und den Nachfolger bis zum 10. Februar bestellen. Aber auch wer ohnehin gerade ein Kindle bestellt hat, muss sich nicht grämen, jetzt nur mit dem zweitbesten, weil veralteten Gerät vorlieb nehmen zu müssen. Alle derzeit noch offenen Bestellungen werden automatisch auf das Kindle 2 geändert.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Kindle 2: Amazons neuer E-Book-Reader


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: