Handysoftware statt Windows Jetzt kommt das Google-Netbook

Nun ist es offiziell: Asus plant Netbooks mit dem Google-Betriebssystem Android. In wenigen Monaten soll es erste Geräte geben. Eine Ankündigung, die weitreichende Auswirkungen haben könnte.

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Hannover - Gerüchte über ein solches Projekt schwappten seit Monaten durchs Netz, jetzt ist es offiziell: Der Computerhersteller Asus arbeitet an einem Gerät mit dem Google-Betriebssystem Android. Derzeit werde der Einsatz des bisher auf Handys zugeschnittenen Betriebssystems auf künftigen Netbook-Modellen der EeePC-Serie getestet, bestätigte Asus-Europachef Eric Chen der Deutschen Presse-Agentur dpa auf der Computermesse Cebit in Hannover. Noch sei das Projekt in der Versuchsphase, sagte Chen. Erste Ergebnisse werden laut Chen in ein bis zwei Monaten vorliegen.

Das es möglich ist, das Android-System auf einem Netbook zum Laufen zu bringen, war schon vor Monaten bewiesen worden. Bereits am 1. Januar hatten zwei Mitarbeiter der Nachrichtenseite " Venturebeat" über ihre erfolgreichen Bemühungen berichtet, Android auf einem EeePC 1000H zu installieren. Kurz zuvor meldete der Google-Entwickler Dima Zavin, er habe das System für einen EeePC 701 angepasst.

Mit Preisen von 200 bis 600 Euro sind die kleinen und leichten Netbooks derzeit das einzige deutlich wachsende Segment im PC-Markt. Die Marktforscher von Gartner prognostizieren für dieses Jahr einen Absatzsprung von 11,7 auf 21 Millionen Geräte. Zugleich werde der PC-Markt insgesamt mit einem Absatzrückgang von 11,9 Prozent auf 257 Millionen Computer den stärksten Einbruch seiner Geschichte erleben.

Asus hatte den jetzt boomenden Netbook-Markt vor rund eineinhalb Jahren mit der Einführung des ersten EeePC begründet. Den Erfolg der vergleichsweise billigen Geräte erklärte Chen gegenüber der dpa damit, dass sich viele Verbraucher Mini-Notebooks als Zweit- oder Drittgerät zulegen, während Desktop-PCs im Schnitt nur alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht würden.

"Vista ist für den mobilen Einsatz zu umfangreich"

Die Auswirkungen eines Android-Betriebssystems für Netbooks dürften drastisch sein. Bisher werden die Geräte entweder mit dem freien Betriebssystem Linux oder Microsofts Windows XP ausgeliefert. Bei vielen Modellen haben die Käufer die freie Wahl des Betriebssystems. Für die Windows-Varianten werden allerdings meist Aufpreise im Bereich von 30 bis 50 Euro fällig. Zudem sind Windows-Netbooks in der Regel schlechter ausgestattet als ihre Linux-Pendants.

Microsoft hat in seinen Lizenzbedingungen für das längst veraltete Windows XP eine Obergrenze von einem Gigabyte Arbeitsspeicher und 160 Gigabyte Festplattenspeicher definiert. Erst wenn, vermutlich Ende 2009, das neue Windows 7 auf den Markt kommt, dürften diese Einschränkungen wegfallen. Während das aktuelle Windows Vista aufgrund seiner hohen Anforderungen nicht zu Netbooks kompatibel ist, wurde bereits mehrfach demonstriert, dass Windows 7 auf Netbooks läuft - Microsoft zeigt auf der Cebit unter anderem ein Acer-gerät, auf dem Windows 7 installiert ist.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat ebenfalls angekündigt, dass es eine Windows-7-Version für die kleinen Notebooks geben wird. Von dieser Software erwartet sich Chen eine weitere Belebung für den Markt. Nach seinen Worten ist Vista "für den mobilen Einsatz einfach oft zu umfangreich".

Das Netbook für Mobilfunker

Wenn Asus nun aber Android-basierte Netbooks auf den Markt bringt, könnte das die Karten neu mischen. Da Android auf Linux aufbaut, unterliegt es keinerlei Beschränkungen, was die Hardware angeht. Zudem ist Android bereits bestens auf mobile Kommunikation vorbereitet. Damit würde es sich perfekt für Netbooks mit eingebauter Mobilfunkkarte eignen. Diese neue Kategorie der UMTS-Netbooks ist noch vergleichweise jung und rennt vor allem bei Mobilfunkanbietern offene Türen ein.

T-Mobile etwa hat bereits zwei Netbooks mit eingebauter UMTS-Karte im Angebot, die ab einem Euro - inklusive Mobilfunk-Datenvertrag - zu haben sind. Angaben aus Firmenkreisen zufolge ist dieses Angebot eine voller Erfolg, die Geräte verkaufen sich schneller als die Regale nachgefüllt werden können.

Ein günstiges und hübsches UMTS-Netbook mit guter Hardwareausstattung, integrierter Mobilfunkkarte und Android-Betriebssystem wäre also ein fast sicherer Erfolg. Und das nicht nur für den Hersteller und einen möglichen Partner aus der Mobilfunkbranche. Auch Google dürfte solchen Projekten wohlwollend zuschauen. Schließlich ist Google tief im Android-System verankert. So wäre jeder neue Android-Netbook-User automatisch auch ein Google-User.

Mit Material von dpa

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