HD-Videoformate: Kampfansage an Blu-ray und HD DVD

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Als wäre das Hickhack zwischen HD DVD und Blu-ray-Disk nicht schon verwirrend genug, tritt jetzt ein drittes HD-Videoformat in den Ring: Mit der HD VMD will ein britisches Unternehmen hochauflösende Videos erschwinglich machen.

Im Ringen darum, welches System denn nun künftig Standard für hochauflösende Videos wird, sind die beiden konkurrierenden Lager kaum weitergekommen. Jüngst kündigte Sony an, Blu-ray-Player für 599 Euro verkaufen zu wollen, nahezu den selben Preis muss man für ein entsprechendes HD-DVD-Gerät von Toshiba veranschlagen.

Getreu dem Motto "Wo Zwei sich streiten, freut sich der Dritte," grätscht nun das britische Unternehmen New Media Enterprises (NME) in den Markt und unterbietet beide Systeme mit einem HD-Player zum Kampfpreis von 199 US-Dollar (150 Euro).

Rot statt Blau

Das neue Gerät ist allerdings weder mit Blu-ray noch HD DVD kompatibel, sondern setzt auf ein ganz eigenes Format, nämlich die HD VMD (Versatile Multilayer Disc). An diesem Medium habe man drei Jahre geforscht und sei nun bereit, damit den Markt zu erobern, teilte das Unternehmen mit.

Um zu niedrigen Kosten produzieren zu können, verzichteten die Entwickler auf einen teuren blauen Laser, wie ihn die beiden Konkurrenzformate verwenden. Stattdessen setzt NME auf die etablierte rote Lasertechnologie. Die ist schon seit Jahren bei CDs und DVDs erfolgreich im Einsatz, allerdings mit einer auf maximal 9,4 Gigabyte begrenzten Speicherkapazität - zu wenig für HD.

Um auf die für HD-Videos nötige Kapazität zu kommen, bedienten sich die NME-Entwickler eines simplen Tricks. Sie stapeln einfach mehrere Datenschichten übereinander. Zum Verkaufsstart will NME Medien mit bis zu acht Schichten pro Seite und einer Kapazität von maximal 48 Gigabyte herstellen können.

Full HD zum kleinen Preis

Die beiden Player, mit denen NME die HD VMD im zweiten Quartal in den US-Markt einführen will, werden freilich nur zwei, respektive vier Datenschichten auslesen können. Immerhin soll das ausreichen, um abendfüllende Filme in der sogenannten "Full HD"-Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten von HD-VMD-Medien abzuspielen. Damit passt die neue Technologie bestens zu allen Displays, Beamern und sonstigen Wiedergabegeräten, die das "HD Ready"-Logo tragen.

Für die Zukunft verspricht das Unternehmen sogar Daten-Sandwiches mit bis zu 200 Gigabyte Speicherkapazität. Dafür werde man dann aber doch einen blauen Laser verwenden müssen, heißt es bei NME. Bevor man dazu übergeht, will man aber noch warten, bis die Technologie der blauen Laser ihre Kinderkrankheiten überwunden hat.

Bollywood will's haben

Die Frage, woher die Inhalte kommen sollen, hat man ebenfalls bereits geklärt. Bollywood und die chinesische Filmindustrie, so heißt es in einer Pressemitteilung, hätten bereits Interesse an der HD VMD als Distributionsmedium für HD-Filme angemeldet. Mit den sechs größten indischen Filmstudios sollen sogar bereits Vertriebs-Verträge geschlossen worden sein.

Die großen Hollywood-Studios hingegen dürften sich der HD VMD gegenüber verschließen, sie haben schon genug Probleme damit, ihren Kunden eines der beiden bereits in den Markt eingeführten HD-Formate schmackhaft zu machen. Da stört ein dritter Wettbewerber nur. In den asiatischen Märkten hingegen könnten die Lowcost-Player ein Erfolg werden. Und das umso mehr, als NME plant, die Geräte, beispielsweise in Indien, im Paket mit zehn Bollywood-Blockbustern anzubieten.

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