Konkurrenz für den EeePC Jetzt kommen die Billig-Laptops

Es wird eng für das Mini-Notebook von Asus. Mit teils verbesserter Ausstattung und günstigeren Preisen drängen etliche Nachahmer auf den Markt für die sogenannten Netbooks. SPIEGEL ONLINE zeigt die wichtigsten Modelle.

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Als er vorgestellt wurde, galt der EeePC mit einem Preis von 299 Euro schon als Preisbrecher. Aber das ist lange vorbei. Die neuen Preisbrecher unterbieten das Asus-Angebot deutlich. Bei 199 Euro liegt das neue Fukato Jupiter 0817a, gleichauf das One A110. Doch nichts dokumentiert besser, dass Netbooks mittlerweile Mainstream geworden sind, als dass jetzt auch Aldis Hoflieferant Medion ein solches Gerät anbietet - zu einem höheren Preis, aber auch mit verbesserter Ausstattung.

Ein gewaltiger Faktor, der den Unterschied zwischen billig und ganz billig ausmacht, zeigt sich am Preisbrecher A100 von One. Der kostet als A110 mit einer Ausstattung, die weitgehend dem EeePC entspricht, 199 Euro. Mit an Bord ist dann ein Ubuntu-Linux-Betriebssystem. Wer dasselbe Gerät lieber mit Windows XP als A120 kaufen möchte, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen, 80 Euro Aufpreis, also 279 Euro zahlen. Dafür gibt es außer Windows noch eine VGA-Webcam und eine Verdopplung des Festspeichers von zwei auf vier Gigabyte.

Als Pferdefuß erweist sich nur der Prozessor. One hat sich hier für Vias Mobil-CPU C7 entschieden. Die ist zwar schön sparsam und muss nicht aufwendig gekühlt werden, liefert bei 1 Gigahertz Taktfrequenz aber auch nur bescheidene Leistung.

Startschwierigkeiten beim Newcomer

Unter derselben Einschränkung leiden auch die jupiter-Modelle der Fukato GmbH. Das Postdamer Unternehmen hat sich für AMDs Stromsparchip Geode LX entschieden, der mit heutzutage schon fast anämisch zu nennenden 500 MHz tuckert.

Die magere Leistung des Fukato bekommt man denn auch schon beim Einschalten zu spüren. Fast zweieinhalb Minuten dauert es, bis man endlich den Login-Bildschirm zu sehen bekommt - wenn man ihn denn zu sehen bekommt. Im Test schaltete sich das Gerät mehrmals selbst ab, noch bevor es richtig hochgefahren war. Während des Betriebs am Netzteil meldete die Software mehrmals, das Netzkabel sei entfernt worden, obwohl selbiges fest in seiner Buchse steckte.

Das Geräuschniveau lag erfreulich niedrig, zumindest im Akkubetrieb. Der Prozessor erzeugt offenbar so wenig Wärme, dass die Hitze auch ohne Lüfter gut entweichen kann. Lästig ist nur, dass ein kontinuierliches Pfeifen ertönt, sobald man das Netzteil ansteckt. Auch wenn es nicht laut ist, nervt es doch auf Dauer. Ob diese Probleme Einzelfälle oder Serienfehler waren, ließ sich nicht klären, da das Testgerät noch ein Vorserienmodell ohne Seriennummer war.

Mehr Durchblick in der 10-Zoll-Klasse

Die Mühe, das verwendete Ubuntu Linux 8.04 an die geringe Auflösung des Bildschirms anzupassen, hat sich Fukato nicht gemacht. Wer mit Linux nicht vertraut ist, wird daher eine gewisse Zeit zur Eingewöhnung brauchen. Schlimmer ist jedoch, dass einige Dialogboxen des Linux-Systems zu groß für das Display sind, nach unten abtauchen und nicht mehr lesbar sind.

Mit einer solchen Einschränkung wird man beim Akoya Mini E1210, für das Medion derzeit die Werbetrommel rührt, nicht leben müssen. Dessen 10-Zoll-Bildschirm verfügt über immerhin 1024 mal 600 Bildpunkte, ist damit auch besser für das von Medion vorinstallierte Windows XP geeignet als die kleineren Displays der Konkurrenz, die sich auf 800 mal 480 Punkte beschränken. Und auch sonst versucht sich Medion durch bessere Ausstattung im Vergleich zum EeePC in den Vordergrund zu schieben.

Es geht noch billiger

Dazu trägt vor allem der Prozessor bei. Als wohl erstes Gerät in Deutschland soll das Akoya kommende Woche mit Intels von der Fachpresse hochgelobter Atom-CPU in den Handel kommen. Ob der neue Chip die Vorschusslorbeeren wirklich wert ist, wird sich allerdings erst durch eingehende Tests zeigen. Der neuen CPU zur Seite stehen ein Gigabyte Arbeitsspeicher und eine 80 Gigabyte-Festplatte. Und auch beim Netzwerk legt Medion die Latte höher, ermöglicht den drahtlosen Datenaustausch mit W-Lans nach 802.11n, einer Spezifikation, die theoretisch bis zu sechsmal schneller ist als die W-Lan-Module der kleineren Konkurrenzmodelle.

Mit derartigen Spezifikationen steht der Akoya allerdings nicht allein da. So bietet die Firma MSI ein ganz ähnliches Gerät namens Wind an, das sich vornehmlich dadurch von dem Medion-Gerät unterscheidet, dass es zwar keine schnelles W-Lan nach 802.11n unterstützt, dafür aber über ein integriertes Bluetooth-Modul verfügt. Damit nicht genug hat am Freitag auch der Notebook- und PC-Hersteller One ein Mini-Notebook angekündigt, das sich perfekt in die Kategorie der 10-Zoll-Netbooks einreiht und noch günstiger als die Konkurrenz ist.

Dreiklassengesellschaft: Netbooks

One A110/120 Fukato jupiter 0817a Medion Akoya Mini 1210
Prozessor Via C7-M, 1 GHz AMD Geode LX800, 500 MHz Intel Atom N270, 1,6 GHz
Arbeitsspeicher 512 MB 512 MB 1 GB
Festspeicher 2 GB/4 GB 60 GB 80 GB
Bildschirmdiagonale 7 Zoll (17,8 cm) 8 Zoll (20,3 cm) 10 Zoll (25,4 cm)
Bildschirmauflösung 800 x 480 800 x 480 1024 x 600
W-Lan 802.11b/g 802.11b/g 802.11b/g/ Draft-n
Anschlüsse VGA, 2 x USB, Modem, Lan, Kopfhörer, Mikrofon VGA, 2 x USB, Lan, Kopfhörer, Mikrofon VGA, 3 x USB, Lan, Kopfhörer, Mikrofon
Kartenleser Ja Ja Ja
Webcam Nein/Ja Ja Ja
Gewicht 1,05 Kg 1,1 Kg 1,2 Kg
Maße 24,5 x 17,2 x 4,6 cm 22,7 x 16,4 x 3,5 cm 26 x 18 x 3,2 cm
Preis 199/279 Euro 279 Euro 399 Euro

Im Inneren des als One A450 bezeichneten Geräts werkelt ein Via C7-Chip mit 1,6 GHz, die übrige Ausstattung entspricht, inklusive Windows XP, weitgehend dem Medion-Modell. Der Preis allerdings ist günstiger, wird von One mit 349 Euro angegeben. Es lohnt sich also, auch abseits der ausgetretenen Pfade großer Hersteller einen Blick zu riskieren.

Dass gilt umso mehr, als in den kommenden Monaten eine wahre Schwemme ultraportabler Billig-Laptops auf uns zukommt. Und da wird auch Asus mit dem EeePC wieder ein Wörtchen mitzureden haben. Denn auch die Erfinder der neuen Notebook-Kategorie haben noch ein Schätzchen im Koffer. Erst vor wenigen Wochen hat das Unternehmen den EeePC 1000 vorgestellt, einen 10-Zoll-Mini-Rechner, der es durchaus mit den jetzt auf den Markt drängenden Geräten aufnehmen könnte - wenn Asus ihn denn ausliefern würde.



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