Ladenhüter Playstation 3: Spieler verzweifelt gesucht

Von Carsten Görig

Die neuen Spielekonsolen von Sony und Microsoft verkaufen sich nur schleppend. Das nervt vor allem die Spiele-Produzenten. Nun fordert Ubisoft, einer der größten europäischen Spielehersteller, die Konsolenpreise zu senken - und sucht gleichzeitig nach neuen Käufergruppen.

"Sony sollte den Preis bald neu kalkulieren, wenn sie in diesem Jahr noch eine zufriedenstellende Anzahl Geräte verkaufen wollen. Microsoft übrigens auch." Alain Corre ist unzufrieden mit den Verkäufen der beiden sogenannten "Next Generation"-Spielekonsolen von Microsoft und Sony, der Xbox 360 und der Playstation 3. Für den Europachef des Spieleherstellers Ubisoft, bekannt durch Titel wie "Splinter Cell", "Rayman" oder "Die Siedler", ist es eine einfache Rechnung: Je mehr Spielekonsolen in den Wohnzimmern der Welt stehen, desto mehr potentielle Käufer gibt es für die eigenen Produkte. Und je billiger eine Konsole ist, desto mehr Menschen kaufen diese.

Lukrativ ist zum Beispiel Sonys Playstation 2, die hat sich inzwischen weltweit mehr als 115 Millionen mal verkauft. Leider aber ist die ein Auslaufmodell, kaum jemand produziert noch für das alte Gerät. Denn die besten Käufer für Videospiele sind noch immer die Hardcore-Gamer, und die verlangen nach hochauflösender Grafik und anderen technischen Gimmicks, die sich auf alten Geräten nicht realisieren lassen. Doch rapide steigende Entwicklungskosten und schleppende Geräteverkäufe lassen Firmen wie Ubisoft über Alternativen nachdenken – auch in der Käufergruppe.

"Wir dürfen uns nicht von einem Gerät, einer Plattform abhängig machen", sagt Ubisoft-Chef Yves Guillemot im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE auf der Ubisoft-Hausmesse in Paris. Das Ziel ist bereits deutlich formuliert: "Wir wollen bald zwanzig Prozent unseres Umsatzes mit Casual Games machen."

Casual Games, das sind kleine Spiele für Jedermann - und vor allem Jederfrau, denn die Frauen sollen endlich spielen. Das wünscht sich die Industrie und hat erkannt, dass es nicht ausreicht, Handhelds wie Sonys PSP in Pink anzubieten. Puzzlespiele, Gehirntrainer und kleine Musikprogramme sind es, die in Paris gezeigt werden. Spiele, die leicht zu begreifen sind und lange Spaß machen sollen. Spiele, wie sie durch Geräte wie Nintendos DS oder Wii populär geworden sind.

"Wir haben uns den Markt angeschaut", sagt Guillemot, "und es sind Sachen wie Nintendos Gehirnjogging, das sich phänomenal verkauft, die den Ausschlag gegeben haben, diese Linie ins Leben zu rufen."

Doch nicht nur Nintendo, sondern auch Microsoft hat mit den Casual Games Erfolg, der Download-Shop Xbox-Live-Arcade zeigt es. Kostengünstig zu produzierende Spiele sind es, die große Käuferschichten anlocken und so einen großen Profit garantieren. Doch ganz so einfach sei die Rechnung nicht, sagt Guillemot: "Wir haben natürlich ungleich größere Kosten im Marketing." Schon bei Spielen, die sich an Hardcore-Gamer richten, sind die Marketingkosten einer der größten Posten in der Kalkulation eines neuen Spieles. Will man jeden Menschen erreichen, sind sie natürlich ungleich höher.

Wii zeigt, wie's geht

Erste Erfahrungen mit den neuen Märkten hat Ubisoft bereits gemacht. So sind die Franzosen neben Nintendo der Spielehersteller, der am meisten Spiele für die neue Wii-Konsole verkauft hat. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das ein relativ preisgünstiges Gerät. Es setzt auf schnellen Spaß, nicht auf technisches Geprotze.

Neben den beiden Vorzeigetiteln "Rayman's Raving Rabbids" und "Red Steel" brachte Ubisoft aber vor allem recht lieblose Umsetzungen von Erfolgstiteln auf den Markt, die es schon auf anderen Konsolen gab. "Wir haben Fehler gemacht", geben sowohl Guillemot als auch Corre freimütig zu. Sie wollten die ersten am Markt sein, hatten als erster Hersteller das Potential des Gerätes erkannt. Und haben deshalb Spiele zu schnell veröffentlicht, wie sie zugeben. Das soll sich jetzt ändern, man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, die Qualität der neuen Titel werde erheblich besser.

Durch den schnellen Start hat man immerhin die Nase vorn, vor dem großen Konkurrenten Electronic Arts zum Beispiel, dem weltgrößten Spielehersteller. Der hat erst sehr spät das Potential des Gameboy-Nachfolgers Nintendo DS erkannt und versucht nun, dieses Gerät ebenso massiv zu unterstützen wie Nintendos Wii.

Andere Hersteller geben zumindest unter der Hand zu, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Sie haben geglaubt, eine Konsole wie Sonys Handheld PSP oder die Playstation 3 würden sich allein durch ihre technische Überlegenheit verkaufen. Das aber tun sie nicht. Die Verkäufe der Playstation 3 schleppen sich weltweit eher dahin, die Xbox 360 läuft nur in den USA halbwegs gut, in Europa ist sie eher ein Sorgenkind als ein Liebling der Industrie und in Japan, immer noch einer der wichtigsten Märkte für Videospiele, ist sie fast nicht vorhanden.

Haben sich Sony und Microsoft also verkalkuliert mit ihren hochgezüchteten Hitech-Konsolen? Guillemot und Corre sind sich nicht sicher. "Das Weihnachtsgeschäft dieses Jahres wird entscheidend sein", glauben beide. Entscheidend dafür, ob nicht nur Nintendo es schafft, in den Massenmarkt zu gehen, sondern auch die beiden anderen Konsolen. Würden die in der Gamer-Nische bleiben, so wäre man zumindest bei Ubisoft vorbereitet. Aber vielleicht erfüllt der Weihnachtsmann tatsächlich einen Wunsch und senkt die Preise.

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