Leiser Game-PC: Ein stiller Spiele-Sprinter

Einen PC, der schnell genug für 3D-Spiele und zugleich leise ist, gibt es nicht? Gibt's doch! Sagt ein kleines Unternehmen aus Niedersachsen und baut Highend-Computer, die auch beim Online-Zocken stille schweigen. Matthias Kremp hat ein Exemplar zum Hörtest gebeten.

Gamer sind Lärm gewöhnt. Nicht ohne Grund gehört ein Paar guter Kopfhörer zur Grundausstattung jedes Viel-Spielers. Das muss so sein, weil aktuelle Spiele den PCs viel Rechenleistung abverlangen - und die geht normalerweise mit viel Lärm einher. Bei den Computern der kleinen Oldenburger PC-Firma " besser leise" soll das anders sein. Deren Rechner bekommt man zwar nicht beim Discounter um die Ecke, und sie sind auch nicht so billig wie die Palettenware im Elektrokaufhaus. Dafür sollen sie unerhört leise sein und trotzdem volle Leistung bringen.

Ob die friesischen Schrauber dieses Versprechen einlösen können, habe ich anhand eines Highend-Computers ausprobiert, dem es an wirklich gar nichts fehlte: Quadcore-Prozessor, Grafikkartendoppel, Terabyte-Festplatte und vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Damit lässt sich das eine oder andere aktuelle 3D-Spektakel lässig auch auf einem großen Bildschirm abfeuern. Im Spiele-Leistungstest 3DMark06, der die Hardware bis zum Anschlag ausreizt, erreichte der Test-PC lässig 14.500 Punkte. Ein gut ausgestatteter Mittelklasse-Spiel-PC kommt dagegen bestenfalls auf rund 11.000 Zähler.

Angesichts der Ausstattung erstaunen diese Werte nicht. Verwunderlich ist nur, dass der Baller-Bolide auch bei einer solchen Dauerbelastung tatsächlich schweigend seinen Dienst verrichtet, kaum hörbar ist. Schließlich heizt ihm allein der Prozessor unter Volllast mit rund 100 Watt ein. Die Grafikkarten geben sich nicht minder genügsam, und auch der Rest des Rechners will mit Strom versorgt werden, der stets zu einem guten Teil als ungenutzte Abwärme im Gehäuse sein Unwesen und die Temperaturen nach oben treibt.

Kühle Luft auf heißen Rippen

Die üblichen Heilmittel gegen Hitzeinfarkt und Lärmbelästigung: Wasserkühlung und dicke Dämmplatten. Beides Methoden, die nicht frei von Problemen sind. Wasserkühlungen etwa sind teuer und erfordern aufwendige Leitungssysteme, die sich flüssigkeitsgefüllt durch den PC schlängeln. Zudem sorgen sie bloß dafür, die Wärme nach außen zu transportieren. Dort angekommen muss das Kühlmittel selbst gekühlt werden. Entweder durch riesige Radiatoren, oder durch Propeller, die kühle Luft um die heißen Kühlrippen spülen, was wiederum Lärm erzeugt.

Dämmplatten hingegen sorgen bei übermäßiger Anwendung für einen Hitzestau im Gehäuse. Sie verhindern beispielsweise, dass Hitze über die Metallwände des Gehäuses abgegeben wird. Ungünstig angebracht verstopfen die Matten zudem Lüftungsöffnungen, durch die Wärme nach außen geleitet werden könnte. Im besser-leise-PC hingegen sind Dämmplatten nur moderat eingesetzt. Sie scheinen vornehmlich dazu zu dienen, Vibrationen des Gehäuses aufzufangen.

Aufgeräumt wie ein Spießer-Wohnzimmer

Wichtiger als die Dämmung ist in der Oldenburger Konstruktion ein geregelter Luftstrom. Das Konzept basiert in erster Linie auf einer geschickten Führung der Kühlluft durch den PC. Das Grundprinzip: Luft wird nicht angesaugt, sondern aus dem Gehäuse gepustet. Kühle Außenluft dringt in erster Linie durch das unten an der Rückseite montierte Netzteil ins Gehäuse. So kann schon bei diesem Bauteil auf einen Lüfter verzichtet werden.

Dort erwärmt durchströmt die Luft das gesamte Gehäuse nach oben hin, wo zwei Luftquirle die Wärme nach draußen pusten. Diese Lüfter sind so groß gehalten, dass es reicht, wenn sie mit rund 500 Umdrehungen pro Minuten rotieren, um für ausreichend Umwälzung zu sorgen. Derart gemächlich verrichten sie ihr Pump-Werk nahezu geräuschlos.

Dafür verantwortlich, dass dieses Prinzip funktioniert, dürfte auch die hervorragende Verarbeitung sein. Am Testgerät klappert nichts, wackelt nichts und hängt auch kein Kabel sinnlos herum. Stattdessen hat man sich augenscheinlich viel Mühe gegeben, den Rechner möglichst solide und aufgeräumt aufzubauen, so dass es schon fast spießig wirkt. In Kombination mit den verwendeten Bauteilen fordert dies allerdings einen Tribut. Der schwarze Kasten ist derart schwer, dass man sich schon vor dem Auspacken genau überlegen sollte, wo das Gerät letztlich unterkommen soll. Jeder Versuch, es später anders zu positionieren, wird Schwerstarbeit.

Guter Preis pro Kilo

Aufs Kilo umgerechnet wäre der Preis des Leisetreter-PCs daher gar nicht schlecht. Objektiv betrachtet aber ist er mit 1650 Euro auch nicht sonderlich günstig. Ohne Geräusch-mindernde Maßnahmen summieren sich die Einzelpreise der Komponenten auf knapp 1300 Euro. Ein Bastler käme also 350 Euro billiger zu einem gleich schnellen PC. Addiert man allerdings die Kosten für Dämmmaterial, besonders leise Lüfter und die passiven Kühlelemente von Grafikkarten und Festplatten hinzu, schmilzt der Preisunterschied auf rund 200 Euro zusammen.

Und diesen Aufpreis ist der schweigende Sprinter durchaus wert. Insbesondere dann, wenn man seine Leistung und seinen Preis mit manch anderem Leise-PC-Angebot vergleicht. Denn wenn es ruhig werden soll, greifen Spezialanbieter gern in die Vollen, auch was den Preis angeht. Ähnlich konfigurierte Systeme werden durchaus auch zu Preisen angeboten, die bis zu 1000 Euro über dem des getesteten Rechners liegen.

So gesehen muss man den Oldenburgern von besser leise Respekt zollen: Einen so leistungsfähigen Computer, der gleichzeitig so still ist, hat zu diesem Preis derzeit wohl kaum ein Unternehmen im Angebot. Für Gelegenheitsanwender ist ein solcher PC natürlich kaum die Investition wert. Wer nur ab und zu ein Stündchen an der Kiste surft und spielt, wird sich von ein wenig Lüfter-Lärm kaum stören lassen. Game-Genießer, die nächtelang durch Online-Welten schleichen, werden die akustische Minimalkulisse dagegen zu schätzen wissen - und dafür auch den entsprechenden Aufpreis zahlen.

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  • Donnerstag, 23.10.2008 – 13:29 Uhr
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