Mini-Lautsprecher Surround-Sound aus Golfball-Boxen

Mit technischen Tricks versuchen Ingenieure, die Grenzen der Akustik auszuweiten, mehr Klang aus weniger Volumen zu zaubern. Auch Sony startet einen solchen Versuch, hat Lautsprecher entwickelt, die winzigen Würfeln Kinoklang entlocken sollen - mit reichlich Unterstützung von unten.


Sie sind so klein, dass sie im Wohnzimmer kaum auffallen, sollen aber eine Klangkulisse schaffen, die es mit weit größeren Boxen aufnehmen kann: Gerade mal so groß wie ein Golfball ist jeder einzelne der fünf Lautsprecher, aus denen Sonys Ingenieure ein Surround-Sound-Boxenset geformt haben, das es klanglich mit weit größeren Systemen aufnehmen können soll. Wie sie das geschafft haben, mag Firmensprecher Eiko Sato nicht verraten, das sei geheim.

So richtig verbergen lässt sich der Trick hinter der großen Klangkulisse allerdings auch nicht. Denn das Durchsetzungsvermögen der für Heimkinos ausgelegten Tonanlage dürfte massiv von der Beistellbox abhängen, die mit den kleinen Plärrwürfeln geliefert wird. Die ist mit einer Höhe von gut 43 Zentimetern alles andere als winzig, beherbergt sechs insgesamt 450 Watt starke Verstärker und vor allem einen großen Basslautsprecher, den Subwoofer. Dessen Aufgabe ist es, mit seinem Volumen den wohl doch etwas dünnen Sound der fünf Golfball-Satelliten anzufetten.

Für digitale Zuspieler vorbereitet

Zudem taugt die Bassbox dazu, dem Käufer ein besseres Gefühl zu geben, wenn er das Lautsprecherpaket aus dem Laden trägt. Denn gemessen an Größe und Gewicht (43 mal 43 Millimeter und 70 Gramm) sind die Winz-Lautsprecher nicht gerade ein Sonderangebot. Da obliegt es dem Subwoofer, durch seine Masse den Preis von 90.000 Yen, umgerechnet 550 Euro, für das als HT-IS100 bezeichnete Set zu rechtfertigen.

Vor allem aber dient er als Schaltzentrale für das Boxen-Sextett. Dabei ist er vollständig auf moderne Zuspielgeräte ausgelegt, bietet über drei HDMI-Buchsen Anschlussmöglichkeiten für DVD-Player, Blu-ray-Abspieler und Spielkonsole. Dass es die Lautsprecherkombination auch in Europa und Nordamerika geben soll, ist beschlossene Sache. Nur wann es soweit sein wird, hat der Konzern noch nicht verraten.

Dass sie mit dem neuen Rundumklang-System, auch wenn es so schnuckelig kleine Lautsprecher hat, gegen den allgemeinen Trend anlaufen, scheint allerdings auch den Sony-Managern bewusst zu sein. Die meisten Neuvorstellungen im Bereich Surround-Sound versuchen mit akustischen Tricks einen räumlichen Klangeindruck mit nur drei oder vier Lautsprechern zu erzeugen.

Der Vorteil: Man muss dafür keine Kabel verlegen und kann die gesamte Tonanlage unter oder neben dem TV-Gerät unterbringen. Darüber, wie räumlich solche Spezialboxen tatsächlich klingen, lassen sich vortrefflich Streitgespräche führen. Sony aber hat die Frage für sich ganz pragmatisch geklärt, bedient beide Positionen, bietet mit dem HT-CT100 ein ganz ähnlich gestaltetes System, nur ohne Satellitenboxen und ohne Golfballvergleich an. Statt vieler kleiner Satelliten erzeugt hier eine flache Soundleiste den Schall. Allerdings wird auch die von einem wuchtigen Subwoofer unterstützt. Denn so viel scheint auch Sonys Klangtüftlern klar zu sein: Volumen ist eben durch nichts zu ersetzen.

mak



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