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Mitmachen: Business-Wettlauf in der virtuellen Welt

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Virtueller Sex, Schnickschnack für Avatare und Produktpräsentationen: Darauf gründet die Wirtschaft in "Second Life". Ein weltweiter Wettbewerb soll jetzt zu mehr Kreativität anspornen - SPIEGEL ONLINE berichtet exklusiv über die "Virtual Venture Competition".

An Geschäftsideen mangelt es der virtuellen Welt nicht. Jeden Tag ist von neuen Firmen zu lesen, die eine Niederlassung in "Second Life" eröffnen. Auf den ersten Blick klingt das nach kreativem Chaos und wirtschaftlichem Aufbruch. Doch auf den zweiten stellt sich heraus, dass die meisten Business-Konzepte oft einfallsarm sind: Da werden Produkte der Offline-Welt online präsentiert, Zubehör für Avatare verkauft und (ob es einem gefällt oder nicht) diverse Spielarten des virtuellen Sex durchprobiert.

Dass in "Second Life" durchaus Raum für mehr geschäftliche Kreativität wäre, soll nun der weltweite Wettbewerb "Bring Ideas To Life – The Virtual Venture Competition" beweisen. Er wird von der Managementberatung McKinsey veranstaltet, SPIEGEL ONLINE ist exklusiver Medienpartner in Deutschland und wird regelmäßig über die neuesten Ideen und Entwicklungen berichten. Der Wettbewerb richtet sich an Studenten und junge Berufstätige - und obwohl er gerade erst startet, haben sich schon mehr als 100 Teilnehmer angemeldet.

Auf den Foren der Wettbewerbs-Website wird eifrig diskutiert, Teams mit mindestens drei und maximal sechs Mitspielern formieren sich. Sie stammen bisher vorwiegend aus Europa, gerade aus Deutschland und Österreich. Auch Teilnehmer aus den USA und Japan sind dabei - und aus Armenien, Brasilien, Indien, Neuseeland, Südafrika, Russland, der Ukraine. Die Teams sollen nicht nur Geschäftskonzepte entwickeln, sondern sie in "Second Life" auch umsetzen. Damit unterscheidet sich "Bring Ideas To Life" von gewöhnlichen Businessplan-Wettbewerben, bei denen einfach die Geschäftsidee einer Experten-Jury vorgestellt wird - ohne sie für den Ernstfall zu testen.

Risikokapital für Geschäftsgründer

"Etablierte Planspiele sind meist regional beschränkt und finden auf dem Papier statt. Die 'Virtual Venture Competition' wendet sich an internationale Teilnehmer, die ihre Ideen direkt auf dem Markt testen können", sagt Christoph Glatzel von McKinsey. Die Erfolgskontrolle übernehmen die "Second Life"-Bewohner automatisch: Die Luftschlösser unter den Geschäftsideen fliegen spätestens dann auf, wenn Besucher ausbleiben.

Für die Geschäftsgründung in "Second Life" gibt es den "Virtual Venture Fund", aus dem die Teams Risikokapital erhalten. Wie viel, darüber entscheiden Experten nach einer Prüfung des Geschäftskonzepts. Die Höchstförderung liegt bei 40.000 Linden Dollar. Christoph Glatzel: "Fördern werden wir vor allem innovative, kreative Konzepte, die nicht nur in 'Second Life' funktionieren, sondern das Potential haben, auch in anderen virtuellen Welten erfolgreich zu sein." Die Wettbewerbsteilnehmer dürfen kein privates Kapital zuschießen - alle sollen die gleichen Startbedingungen haben.

Die Teams haben genau 45 Tage Zeit, um den Erfolg ihrer Idee zu testen. Einen Stichtag gibt es nicht, Anmeldungen sind laufend möglich - erst wenn ein Team startbereit ist, beginnt die Uhr zu ticken.

Wie gut sich die teilnehmenden Teams schlagen, wird in regelmäßigen Analystenkonferenzen untersucht. Die erste findet Mitte August in "Second Life" statt. Dort müssen die Nachwuchs-Manager ihre Geschäftsmodelle vorstellen. Am Ende entscheidet nicht unbedingt der wirtschaftliche Erfolg. Wer ein Projekt präsentiert, bei dem anfangs nur spärlich Linden Dollar sprudeln, das aber langfristig Erfolg verspricht, kann auch auf einen Sieg hoffen.

Top-Lagen gibt es nicht

Für den Wettbewerb wurden zwei eigene Inseln in "Second Life" angelegt. Auf der einen steht ein Konferenzzentrum mit einem großen Auditorium für die Präsentationen. Auf der anderen werden wichtige Fragen zum Wettbewerbsstart beantwortet - von der "Second Life"-Navigation und -Kommunikation bis hin zu elementaren Fragen der Geschäftsgründung in der virtuellen Welt.

Die Wettbewerbsteilnehmer können ihr Business dann überall in "Second Life" hochziehen. Sie haben die Qual der Wahl - Top-Lagen, die Geschäftserfolg durch viel Laufkundschaft versprechen würden, gibt es ohnehin kaum.

Das Finale des Wettbewerbs findet in der realen Welt statt. Sechs Teams treffen sich Ende des Jahres in Kitzbühel in Österreich. Dann winken den Gewinnern Sachpreise, Business-Trainings und Karriereschulungen. Im Kern geht es aber um viel mehr - nämlich darum, binnen 45 Wettbewerbstagen in der wundersamen Welt von "Second Life" erfolgreiche Geschäftsmodelle für virtuelle Welten herauszufiltern.

Wer ein erfolgreiches Modell gefunden, kann es übrigens auch länger als die 45 Tage umsetzen. Alle Teilnehmer können ihr Unternehmen nach dem Wettbewerb fortführen. Die Organisatoren versprechen, dass die Start-Finanzierung nicht zurückgezahlt werden muss.

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