Multimedia-Laptop Qosmio F50 Diesem Notebook kann man's zeigen

Statt per Maus und Tastatur soll man Toshibas Notebook Qosmio F50 per Handzeichen steuern können. Schneller, schöner und einfacher soll das gehen. Ob der Multimedia-Brummer dieses Versprechen einlösen kann, hat Matthias Kremp getestet.


Als "elegantes Tigerhai-Design mit Silberstreifen-Look" bezeichnet Toshiba die Optik des F50. Nunja, Tigerhaie haben einen gestreiften Rücken, das Qosmio auch. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch schon abgehakt. Denn während die Streifen den Raubfisch tarnen sollen, dienen sie beim Notebook dazu, Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei ist das vollkommen überflüssig. Aufmerksamkeit erntet das F50 schon genug - wenn sein Besitzer die eingebaute Gestensteuerung benutzt.

Wer das versucht, ist kaum zu übersehen, weil man dabei die geballte Faust vor dem Bildschirm herumschwenken muss, um dem Gerät eine Reaktion zu entlocken. Gerade diese Funktion aber preist Toshiba als eines der wichtigsten Merkmale des F50 an.

Die Fernbedienung soll man dank Gestensteuerung künftig unterm Sofa liegen lassen können. Ein paar Bewegungen mit der erhobenen Hand sollen ausreichen, um beispielsweise eine DVD zu starten, die Lautstärke zu ändern oder eine Szene zu überspringen.

Mach lieber das Licht an

Und das geht so: Sobald man seine Faust ins Blickfeld der ins Display integrierten Webcam führt, übernimmt man die Steuerung. Bewegt man die Hand nach oben, folgt der Cursor in eben diese Richtung, zieht man sie nach rechts, wandert auch der Mauszeiger in dieser Richtung über den Bildschirm. Eine Bewegung mit dem Daumen simuliert einen Klick der linken Maustaste, die erhobene Handfläche ersetzt die rechte Maustaste.

So weit die Theorie.

In der Praxis aber leidet das System noch unter einigen Beschwerlichkeiten. Problem Nummer Eins: Der Kontrast. Am besten funktioniert die Gestenerkennung in einem hellen, gut ausgeleuchteten Raum. In einem gemütlich illuminierten Wohnzimmer erkennt die Kamera nicht genug Unterschiede, mag Hand und Hintergrund kaum differenzieren. Kinogleich abgedunkelte Filmabende kann man damit also vergessen.

Muskelaufbau

Von längeren Surftouren per Gestensteuerung sollte man ebenfalls Abstand nehmen. Denn das ist das zweite Problem: Was als Vereinfachung gedacht war, ist in Wahrheit umständlich. Das ständige Herumrühren vor der Webcam ermüdet den Arm schneller als man denkt. Schließlich muss man die geballte Faust ständig im Sichtbereich der Kamera führen.

Dies vor allem, weil die Gestensteuerung eben nicht so locker flockig arbeitet, wie man es sich wünschen würde. Das liegt zum einen daran, dass der blaue Kreis, der bei der Gestensteuerung als Cursorersatz fungiert, ständig herumwabert, einfach nicht stillstehen will. Den Mauszeiger damit auf ein normales Windows-Icon zu plazieren, ist mühsam.

Richtig lustig wird es bei dem Versuch zu Klicken. Eine Bewegung des Daumens soll einen Klick der linken Maustaste erzeugen, das Anheben der Hand einen Rechtsklick. Wirklich zuverlässig klappt das aber nicht. Erst nach einiger Eingewöhnungszeit lernt man, wie man dem Rechner Handzeichen geben muss, damit er auch kapiert, was man von ihm will, zumindest ansatzweise.

Spezialchip mit Playstation-Vergangenheit

Selbst wenn man sich darauf beschränkt, nur das Mediacenter von Windows Vista per Fingerzeig zu steuern, liegt die Fehlerrate noch viel zu hoch. Dabei sind die Symbole im Mediacenter schon schön groß, vergleichweise leicht zu treffen. Trotzdem erreicht man oft erst beim dritten oder vierten Versuch das angepeilte Ziel. Mit der Fernbedienung geht das schneller.

Aber möglicherweise ist die Gestensteuerung ja nichts anderes als ein schön plakatives Aushängeschild für die Möglichkeiten, die der im F50 eingebaute Multimediaprozessor Toshiba Quad Core HD bietet. Der ist ein Ableger der Cell-Chips, die unter anderem der Playstation 3 als Antrieb dienen. Mit seinen vier Rechenkernen verfügt er über reichlich Leistung, die aber nur für wenige spezielle Anwendungen - wie zum Beispiel die Gestenerkennung - nutzen kann.

Schönere Fernsehbilder

Glücklicherweise gibt es unter diesen wenigen aber auch sinnvollere Anwendungen für den HD-Chip. Beispielsweise Upscaling. Das ist die Technik, die dabei hilft, Standard-TV-Programme oder DVDs auf hochauflösenden Bildschirmen erträglich zu machen. Das Bild wird dabei hochgerechnet, indem ihm zusätzlich Pixel hinzugefügt werden. Welche Farbe die einzelnen Bildpunkte bekommen und wie hell sie strahlen, wird dabei in Abhängigkeit von den umgebenden Bildpunkten festgelegt - und das ist eine Menge Rechenarbeit.

Die aber erledigt Toshibas Spezialprozessor im F50 wunderbar, sorgt dafür, dass etwa ein DVD-Film auch dann noch gut aussieht, wenn man ihn auf einem großen HD-Fernseher anschaut. Das Qosmio ist dafür eigens mit einem HDMI-Anschluss für Flachbildfernseher und Projektoren ausgerüstet.

HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr
HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').
Full-HD-Filme, wie man sie in Online-Videotheken wie dem iTunes Store ausleihen oder über die integrierten Blu-ray-Laufwerke einiger Notebooks anschauen könnte, haben eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das Label "HD ready 1080p" besagt, dass das Gerät Vollbilder von 1920 × 1080 Pixeln zeigt.
Das Advanced Access Content System ist ein Kopierschutzsystem, das vor allem auf Wunsch der Filmstudios in Hollywood in alle Laufwerke eingebaut werden soll, die HD-Inhalte abspielen können. Ohne AACS soll man keine hochaufgelösten Filme abspielen können. Kopien sollen nur mit expliziter Erlaubnis des Urhebers gemacht werden können, die man sich zum Beispiel online abholen könnte. Nur so könnte man einen Film dann auch über ein Media Center oder an mobile Geräte streamen. Der Urheber kann aber Kopien auch verbieten oder eine Gebühr verlangen. Um AACS gab es langes Gerangel - denn es gibt noch nicht viele Geräte, die das System überhaupt unterstützen. Eine Interims-Lösung wird den Kopierschutz deshalb nun zunächst zahnlos machen - auch über analoge Ausgänge wird man dann noch HD-Filme ansehen können, obwohl die Studios die Ausgabe lieber gleich auf digitale Ausgänge beschränkt hätten, die mit einem weiteren Schutz namens HDCP versehen sind.
High Bandwidth Digital Content Protection ist eine Art Hardware-Kopierschutz. Auch er soll verhindern, dass hochaufgelöstes Material einfach mitgeschnitten werden kann. HDCP muss im sendenden Gerät, also dem Player oder der Grafikkarte, ebenso eingebaut sein wie im Empfänger, also dem Monitor oder TV-Gerät. Während Fernseher, die das "HD Ready"-Logo tragen, HDCP-fähig sein müssen, sind es viele Monitore und Grafikkarten aber noch nicht. Eine HDMI-Schnittstelle kann immer auch HDCP, eine DVI-Schnittstelle nicht notwendigerweise.
Das High Definition Multimedia Interface soll nach dem Wunsch der Hersteller die generelle Schnittstelle der Zukunft sein, für Musik, Filme und auch die Verbindung zwischen Computer und Monitor. Sie ist standardmäßig mit HDCP ausgestattet - ein Ausgabegerät mit HDMI-Schnittstelle und ein Fernseher mit dem "HD Ready"-Logo sollten gemeinsam also in jedem Fall hochauflösende Filme darstellen können.
Digital Video Interface - die erste digitale Schnittstelle für Video-Inhalte, die aber bereits dabei ist, von HDMI abgelöst zu werden. Manche DVI-Ausgänge sind auch mit HDCP ausgestattet, andere nicht. Besonders bei vielen Grafikkarten fehlt der Hardware-Kopierschutz noch - was zu Problemen bei der Wiedergabe von kopiergeschützten hochauflösenden Filmen führen könnte.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit sieht Toshiba darin, Filme von dem Prozessor in eine Folge von Einzelbilder zerlegen zu lassen, durch die man sich dann in einer Art visuellem Schnelldurchlauf hindurch hangeln kann. Eine hübsche Idee, aber kaum praktisch nutzbar.

Lästig ist zudem, dass es dem Quadcore-HD-Chip offenbar reichlich heiß wird, wenn er richtig gefordert wird. Beim F50 äußert sich das, indem regelmäßig der Lüfter anspringt, um die überschüssige Wärme aus dem Gehäuse zu blasen. Das ist nicht schlimm, aber störend.

HD ohne Blu-ray

Ansonsten aber ist das Qosmio F50 prima nutzbar, lässt hinsichtlich seiner Ausstattung keinen Raum für Klagen. Gleich zwei 250-Gigabyte-Platten speichern Daten, Filme und Fotos. Sollte das nicht ausreichen, kann man eine größere Platte leicht nachrüsten. Nur eine Schraube muss gelöst werden, um an den Einbauplatz des Massenspeichers zu gelangen. DVDs landen in einem Multiformat-DVD-Brenner. Ein Blu-ray-Laufwerk für hochauflösende Filme gibt es dagegen nicht. Seit die HD DVD den Formatkrieg verloren hat, hält sich Toshiba von hochauflösenden Filmformaten fern.

Auch deshalb reicht es aus, dass das 15,4-Zoll-Breitbilddisplay 1440 mal 900 Bildpunkte anzeigt und damit weit von Full HD entfernt bleibt. Das HD-Format 720p passt aber bestens darauf. Damit die Bilder nicht ins Ruckeln kommen, ist eine recht fixe Grafikkarte mit 512 Megabyte Videospeicher installiert, die auch bei vielen aktuellen Spielen noch respektable Leistungen bringt.

Zurück zur Fernbedienung?

Als Antrieb dient ein Prozessor aus Intels Core 2 Duo-Reihe, dem vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. W-Lan, Ethernet, Bluetooth und eine 1,3 Megapixel-Webcam komplettieren das Paket. Als Betriebssystem ist Windows Vista installiert. Ein hybrider TV-Tuner sorgt dafür, dass man mit dem Gerät sowohl analog als auch digital ausgestrahlte Fernsehprogramme empfangen kann - und das macht er gut.

Zum Fernsehen aber sollte man dann doch lieber wieder die Fernbedienung unter dem Sofa vorholen. Die funktioniert zuverlässiger und vor allem lässiger als die Gestensteuerung. Bis die wirklich Spaß macht, müssen die Entwickler wohl noch einige Zeit in die Verfeinerung des Systems stecken. In ihrer derzeitigen Fassung aber ist sie nur ein Silberstreif am Horizont, der zeigt, wie wir in Zukunft mit Multimedia umgehen werden. Vielleicht.

Toshiba Qosmio F50

Prozessor 2,26 GHz Intel Core 2 Duo P8400
Grafikkarte nVidia GeForce 9600M GT (512 MB)
Arbeitsspeicher 4 Gigabyte
Festplatte 2 x 250 GB SATA
Optisches Laufwerk Supermulti-DVD-Brenner
Drahtlose Schnittstellen W-Lan (802.11a/b/g/n), Bluetooth
Anschlüsse 4 x USB, 1 x eSATA, HDMI, Firewire, LAN, VGA, Kopfhörer, Mikrofon, Antenne, Modem
Betriebssystem Windows Vista Home Premium
Abmessungen 368,5 x 278 x 38 (vorne) / 47 (hinten) mm
Gewicht ab 2,9 Kilogramm
Bildschirmgröße 15,4 Zoll
Bildschirmauflösung 1440 x 900 Pixel
Besonderheiten 5-in-1-Kartenleser, ExpressCard Steckplatz
Preis ab 1349 Euro



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