Von Matthias Kremp
Der Gegenwind aus der Musikindustrie frischt auf. Apple, seit Jahren dominant im Online-Musikbusiness, bekommt neue Konkurrenz. Nach ersten Erfolgen in den USA hat Amazon am Sonntag angekündigt, sein kopierschutzfreies MP3-Musikangebot in diesem Jahr auch international anzubieten. Zeitgleich startet der alternative Musik-Downloaddienst Qtrax, bei dem man Titel von Stars wie Lenny Kravitz, Alicia Keys und den Foo Fighters kostenlos herunterladen kann - mit dem Segen der Plattenlabels.
Ursprünglich als Napster-Nachahmer gestartet, musste die Peer-To-Peer-Tauschbörse (P2P) Qtrax 2002 bereits wenige Monate nach ihre Start wieder eingestellt werden, um möglichen Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen. Seit einigen Jahren versuchen die Macher des Dienstes nun, ihr ursprüngliches Angebot auf ein legales Fundament zu stellen.
Dieser Kunstgriff scheint jetzt gelungen zu sein. Ab Montag will Qtrax eine Beta-Version seiner Software für Windows-PCs anbieten. Ab März soll auch eine Macintosh-Variante bereitstehen. Im Oktober dann, so der Plan, soll das neue Angebot in den Regelbetrieb übergehen. Das hört sich gut an, ist aber eigentlich eine Verspätung um zwei Jahre. Schon 2006 gab es Pläne, für ein werbefinanziertes Download-Portal. Woran es lag, dass sich der Start so lange hinzog, bleibt offen.
Alles kostenlos
Möglicherweise musste einfach der Leidensdruck der Labels noch ein wenig steigen, um sie für das neue Konzept begeistern zu können. Denn das hat es in sich. Alle bei Qtrax angebotenen Titel soll es kostenlos geben. Und das dürften nicht wenige sein. Schließlich haben sich die vier größten Plattenfirmen, Universal Music, Warner Music, Sony BMG und EMI, zu dem neuen Downloaddienst bekannt.
Dass Qtrax mit seiner Idee offene Türen einrennt, zeigt sich schon kurz nach der offiziellen Vorstellung am Sonntag. Kaum war der Startschuss gegeben, brach die Seite unter der Vielzahl neugieriger Surfer zusammen, reagierte nur noch schleppend.
Zusätzlich zu den von den Labels lizensierten Titeln sollen Aufnahmen der Nutzer ins Angebot aufgenommen werden. Zur Verteilung der Daten soll der P2P-Ansatz genutzt werden. So werden die Musiksammlungen der Nutzer in das Angebot integriert. Auf diese Weise will man schon schnell nach dem Start auf eine Auswahl von 20 bis 30 Millionen Titeln kommen - die alle kostenlos geladen werden können. Zum Vergleich: Im iTunes Store werden etwas mehr als fünf Millionen Titel angeboten.
Nur CDs sind verboten
Über Anzeigenwerbung soll bei Qtrax genug Geld eingenommen werden, um für jeden Download einen Obolus an die Plattenfirmen zu zahlen. Dafür soll die hauseigene Mozilla-basierte Download- und Abspielsoftware registrieren, welche Songs die Anwender herunterladen. Anders als Amazon werden die Songs dafür mit einem Kopierschutz versehen. Dessen einzige Einschränkung besteht darin, das Brennen der Musik auf CDs zu unterbinden. Auf dem PC und auf mobilen Abspielgeräten dürfen die Songs dagegen nach Lust und Laune genutzt werden, sofern sich der Nutzer wenigstens einmal pro Monat bei Qtrax anmeldet.
Und dabei soll auch der iPod nicht außen vor bleiben. Zwar ist es auch Qtrax nicht gelungen, Apple davon zu überzeugen, das Fairplay-System zu öffnen. Doch hätten es die Entwickler geschafft, einen eigenen iPod-kompatiblen Kopierschutz zu programmieren. Wie der funktioniert, mag das Unternehmen freilich nicht verraten. Der iPod-Hersteller hat dabei aber offensichtlich nicht geholfen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press sagte Qtrax-Chef Allan Klepfisz: "Apple hatte damit nichts zu tun." Das war auch nicht zu erwarten.
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