Neue Kameraelektronik Lächel-Automatik und Elektro-Make-Up

Kameras sollen schlauer werden: Mit angeblich intelligenten Fotofunktionen versuchen die Hersteller, Hobby-Knipsern zu besseren Bilder zu verhelfen - manchmal mit Erfolg, manchmal leider nicht.

Von Markus Linden


Als Ende der achtziger Jahre immer mehr Kamerahersteller Motivprogramme einführten, kursierte bei Profis (und jenen, die sich dafür hielten) das geflügelte Wort von der "Motivklingel", die solchen Kameras noch fehle: Wer nicht wisse, wie er seine Kamera einstellen solle, brauche Helfer, die anzeigten, was man wann fotografieren kann.

Zur Photokina 2008 strebt die Kameraindustrie nun dahin, dieses geflügelte, aber alte Wort aus Dia- und Negativfilmtagen Wirklichkeit werden zu lassen. Und – wie sollte es im digitalen Zeitalter auch anders sein – noch ein paar Features draufzusetzen. Denn der Fotograf kann viele, viele Fehler machen, die sich elektronisch ausbügeln lassen – da scheint es irrelevant, dass viele Bildfehler lediglich der Konstruktion moderner Kameras zu verdanken sind.

Die "Rote-Augen-Reduktion" hat mittlerweile jede Kamera zu bieten, ist also ein alter Hut. Früher wusste jeder Fotograf, dass man bei Porträts das Blitzlicht möglichst weit aus der optischen Achse herausholen muss, damit es nicht durch die geöffnete Pupille hindurch den Augenhintergrund blutrot reflektieren lässt. Im Zuge der stetigen Verkleinerung von Kameras befinden sich die Blitze nur noch wenige Zentimeter neben dem Objektiv, so dass intelligente Elektronik Abhilfe schaffen muss. Entweder sucht sie im fertigen Bild nach zwei runden, roten Flecken und übermalt sie mit Schwarz oder der Blitz sendet vorab ein paar Vorblitze, die die Pupille des Fotografierten sich schließen lassen.

Ohne Lächeln geht gar nichts

Oft genug aber schließt der oder die Fotografierte nicht nur die Pupille, sondern vor Schreck gleich die Augen. Macht nichts, denn an den Photokina-Messeständen (die Messe beginnt Dienstag, 23. September) von Samsung und Pentax dürfen die Besucher Kameras bewundern, die eine Blinzelerkennung haben: Bemerken die Geräte, dass auf dem Bild die Augen geschlossen sind, geben sie eine Warnung aus und fordern zum Nachschuss auf. Oder sie lösen gar nicht erst aus, sondern warten so lange, bis der oder die Fotografierte die Augen endlich aufreißt.

Mitunter muss das "Modell" allerdings ziemlich lange auf die Erlösung warten. Verfügt die Kamera nämlich über eine "Smile Shutter"-Funktion, löst sie erst aus, wenn sie ein Lächeln identifiziert. Die neue Pentax M60 hat so eine Funktion, auch die NV-Modelle von Samsung und die neue Sony T77. Am Casio-Messestand kann man die EX-Z85 bewundern, die demnächst bereits für 150 Euro zu haben sein wird und ebenfalls so lange mit dem Auslösen wartet, bis die Kamera-Elektronik ein Lächeln erkennt.

Das ist ein Gesicht

Jetzt haben wir auf jeden Fall ein Bild, auf dem der oder die Fotografierte die Augen aufreißt und lächelt. Aber meist ist das nicht genug: Steht die Person vor einem hellen Hintergrund, ist viel Himmel zu sehen oder Ähnliches, dann wird die auf eine ausgewogene Belichtung ausgerichtete Belichtungsautomatik die Gesichter zu dunkel erscheinen lassen. Oder der Autofokus beißt sich an den Bäumen im Hintergrund fest, so dass das Gesicht nicht nur dunkel, sondern auch unscharf wird.

Hier hilft die automatische Gesichtserkennung. Fast alle neuen Kompaktkameras der diesjährigen Photokina haben so eine Funktion - schließlich hat der kalifornische Entwickler Fotonation seine Technologie an die meisten Kamerahersteller lizenziert. Sieger in dieser Disziplin ist allerdings Olympus: Die wasserfeste mju 1050 SW erkennt bis zu 16 Gesichter gleichzeitig und stimmt Schärfe und Belichtung auf sie ab.

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