Online-Protest: 30.000 unterschreiben Petition gegen Spielverbote

Eine Petition gegen Computerspiel-Verbote hat bis zum Freitag mehr als 30.000 Unterzeichner gefunden. Sie kritisieren vehement "vorschnelle Verbotsforderungen" gegen sogenannte Killerspiele und werfen deutschen Politikern "Unkenntnis, Polemik, Unsachlichkeit und Vorurteile" vor.

Hamburg - Die Petition stellt einen weiteren Versuch der jüngeren, im Umgang mit digitalen Technologien geschulten Generation dar, als unzumutbar erlebte Eingriffe der Politik in ihre Lebenswirklichkeit zu unterbinden. Konkret bezieht sich der Petitionstext auf eine Forderung der Innenministerkonferenz vom 5. Juni, die ein "Herstellungs- und Verbreitungsverbot" für

"Spiele, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist".

Den oft als unscharf und nicht ausreichend klar definierten Begriff "Killerspiele" vermieden die Innenminister damals.

Szene aus "Metal Gear Solid 4" Playstation 3), ein Spiel, in dem geschossen aber nicht getötet werden muss: "Irreführender Begriff Killerspiele"

Szene aus "Metal Gear Solid 4" Playstation 3), ein Spiel, in dem geschossen aber nicht getötet werden muss: "Irreführender Begriff Killerspiele"

In der Petition wird der Bundestag nun aufgefordert, sich "gegen den Beschluss der Innenministerkonferenz ... zu entscheiden". Der sei als Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden gefasst worden, doch Verbotsforderungen würden "den vielschichtigen Aspekten solcher Ereignisse nicht gerecht, wirken im Gegenteil eher verharmlosend und verhindern so eine gründliche Aufarbeitung".

Die Debatte über Computer- und Videospiele hierzulande sei geprägt von "Unkenntnis, Polemik, Unsachlichkeit und Vorurteilen", und zwar "gerade aus den Reihen der Politik". Schon jetzt sei der deutsche Jugendschutz aber einer der strengsten der Welt. Zudem weist der Text korrekt darauf hin, dass "gewaltverherrlichende" Medien in Deutschland ohnehin bereits jetzt verboten sind.

Der "irreführende Begriff 'Killerspiele'" solle aus der Debatte verschwinden, heißt es da. Vor allem aber müssten auf Ereignisse wie Amokläufe andere, weniger vereinfachende Antworten gefunden werden als erneute Rufe nach Verboten, etwa "den Vollzug bestehender Gesetze zu verbessern" oder "Eltern, Pädagogen sowie erzieherisch verantwortliche Personen bei der Förderung der Medienkompetenz zu unterstützen".

Teile des Petitionstextes entstammen einem älteren Schreiben, einem offenen Brief an die deutsche Politik nämlich, den deutsche Computerspiel-Fachzeitschriften anlässlich der bayerischen Landtagswahl 2008 unter der Überschrift "Ich wähle keine Spielekiller" verbreitet hatten.

Bis Freitagnachmittag haben die Petition "Gegen ein Verbot von Action-Computerspielen" auf der Web-Seite des Deutschen Bundestages etwa 30.000 Menschen digital unterzeichnet. Nach der mit über 130.000 Unterzeichnern äußerst populären, wenngleich letztlich erfolglosen Petition gegen das Gesetz zur Filterung kinderpornografischer Web-Seiten ist die Pro-Spiel-Petition damit die zweite auf digitale Technologie bezogene, die innerhalb kürzester Zeit eine große Unterstützergruppe gewinnen konnte.

Inzwischen gibt es bereits erste Forderungen, die in dem Gesetz festgeschriebenen Filtermechanismen auch auf andere Inhalte als Kinderpornografie anzuwenden - darunter auch "Killerspiele".

cis

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Polemik:
Querspass 11.07.2009
Zitat von sysopEine Petition gegen Computerspiel-Verbote hat bis zum Freitag mehr als 30.000 Unterzeichner gefunden. Sie kritisieren vehement "vorschnelle Verbotsforderungen" gegen sogenannte Killerspiele und werfen deutschen Politikern "Unkenntnis, Polemik, Unsachlichkeit und Vorurteile" vor. http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,635513,00.html
Dann drücken wir mal weiter unseren Kindern echte Waffen in die Hand und schicken sie zum "Spielen". Ist ja kein Problem, da diese weiter zu hause gelagert werden und nicht zentral in den Vereinshäusern. Verbieten wir unseren Kindern und uns selbst, Spiele am PC/Konsole. Es ist ja zu gefährlich. Das Verletzungsrisiko ist einfach zu hoch!
2. Gamer haben ihr Verletzungsrisiko ;)
Adran 11.07.2009
Zitat von QuerspassDann drücken wir mal weiter unseren Kindern echte Waffen in die Hand und schicken sie zum "Spielen". Ist ja kein Problem, da diese weiter zu hause gelagert werden und nicht zentral in den Vereinshäusern. Verbieten wir unseren Kindern und uns selbst, Spiele am PC/Konsole. Es ist ja zu gefährlich. Das Verletzungsrisiko ist einfach zu hoch!
mit Sehnenscheidenentzündung von zuviel daddle ist auch nicht zu spaßen.. ;)
3.
Oggy 11.07.2009
auch den tierschützern wird ein verbot von killerspielen freuen. viel zu lange wurden schildkröten und pilze tot-gesprungen oder auf bestialische art und weise verbrannt.
4. Verbot von Spielen
za_rune 11.07.2009
Was soll dieses Verbot von Spielen eigentlich genau bringen? Ich denke es lädt sich mittlerweile ein nicht unerheblicher Teil der U-18 Spieler ein Spiel auf illegale Weise runter. (Aber dann die unzensierte US-Version...) Die in Deutschland verkauften Shooter sind zum großen Teil "entschäft". Verbietet man nun den Verkauf der entschäften Spiele, so denke ich, werden einfach mehr Leute auf die illegalen Möglichkeiten zugreifen. Damit hat man dann auch nix gelöst.
5. Zynismus an
Adran 11.07.2009
Zitat von za_runeWas soll dieses Verbot von Spielen eigentlich genau bringen? Ich denke es lädt sich mittlerweile ein nicht unerheblicher Teil der U-18 Spieler ein Spiel auf illegale Weise runter. (Aber dann die unzensierte US-Version...) Die in Deutschland verkauften Shooter sind zum großen Teil "entschäft". Verbietet man nun den Verkauf der entschäften Spiele, so denke ich, werden einfach mehr Leute auf die illegalen Möglichkeiten zugreifen. Damit hat man dann auch nix gelöst.
Dafür hat man ja die neue Sperrinfrastruktur, die dann einfach auf solche Seite ausgedehnt wird.. Hat zwar den nachteil, dass man erwachsene Spiele damit trifft, aber was solls, dass sind die Opfer, die wir erwachsene Spieler hinnehmen müssen, wenn es um den Jugendschutz geht, und unsere Kompetenten Politiker das so wollen.. "Gewaltspiele sind zu ächten!" Genau wie Paintball und anderes.. ;)
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