Roboter-Gitarre Immer gute Stimmung

Eine Gitarre, die sich selbst stimmt? Hört sich an wie ein Traum schwerhöriger Möchtegern-Gitarrenhelden. Ist aber Realität. Mit Hilfe eines Hamburger Entwicklers bringt der amerikanische Kult-Hersteller Gibson genau das auf den Markt.

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Wie von Geisterhand drehen sich die Knöpfe am Kopf der Gitarre. Das Ballett der sogenannten Mechaniken dauert nur wenige Sekunden, dann ist der Spuk vorbei, die Gitarre perfekt gestimmt. Der Gitarrist, vor dessen Bauch sich das wertvolle Instrument einpendelt, muss dafür nur einen Knopf drücken. Sein Gehör ist dabei nicht gefragt, ein Stimmgerät, wie es sonst üblich ist, braucht er schon gar nicht.

Als "Magie" bezeichnet Gitarren-Tüftler Christopher Adams das, was er gerade in einem YouTube-Video vorführt. Doch dahinter steckt ausgefeilte Technik, entwickelt in Hamburg. Jahrelang hat Adams mit seiner Firma Tronical an der selbststimmenden Gitarre gearbeitet. Im Januar 2007 war er endlich fertig und konnte das System auf der Musiker-Messe Namm-Show in Los Angeles präsentieren.

Als Promoter bot sich Ex-Scorpions-Gitarrist Ulrich Roth an. Das automatische Stimm-System sei etwas, wovon er "schon lange geträumt" habe, sagt der Gitarrero, der schon selbst eine E-Gitarre entwickelt hat. An die Verwirklichung dieses Traums habe er aber aufgrund der vielen technischen Hürden nicht mehr geglaubt. Die Hamburger Erfindung jedoch hätte ihn eines anderen belehrt. Er sei von der Technik "total überzeugt", sagt Roth. "Chris hat alle Haken bedacht und etwas entwickelt, das einfach perfekt ist", schwärmt der Musiker.

Dieser Meinung scheint man auch bei der US-Firma Gibson zu sein, nach eigener Aussage der größte Gitarrenhersteller der Welt. Gibson sicherte sich die deutsche Technik und kündigte jetzt die erste Seriengitarre an, die mit dem von Gibson nun als Robotic-Technologie bezeichneten Stimm-System ausgestattet ist.

Unter der Bezeichnung "Robot Guitar" soll die Klampfe, die auf der legendären Gibson "Les Paul" basiert, ab Anfang Dezember in die Läden kommen. Die erste Baureihe soll in limitierter Auflage mit 4000 Exemplaren ausgeliefert werden. Als kleine Besonderheit werden die Robo-Gitarren mit einer besonderen Lackierung versehen, die es so nie wieder geben wird, verspricht Gibson-Chef Henry Juszkiewicz. So werden die Sechssaiter vom Start weg zu Sammlerstücken.

Dass die Erstauflage ihre Abnehmer findet, gilt bei Gibson als sicher. "Wir erwarten, dass die Robot Guitar innerhalb weniger Stunden weltweit ausverkauft sein wird", sagt Juszkiewicz. Wohl auch deshalb hat man die Anzahl der Exemplare, die pro Händler ausgeliefert werden, auf zehn Stück begrenzt. In Deutschland jedoch wird man die Wunder-Klampfe gar nicht bekommen können.

Für die meisten Hobby-Gitarreros dürfte das edle Teil aber ohnehin kaum erschwinglich sein. Händler in den USA verlangen 2500 Dollar für das Sondermodell, ein Preis, der allerdings im Spektrum der herkömmlichen Gibson-Modelle liegt. Aber darüber muss man sich nicht grämen. Denn Tronical bietet das System auch als Nachrüstsatz zum Selbstbau an. Der ist mit 899 Euro zwar auch nicht gerade ein Superschnäppchen, aber für Technik-affine Bastler mit Hang zum Löten zumindest eine bezahlbare Alternative. Die Stimmung hebt der Bausatz auf jeden Fall.



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