Stromsparfunktionen Pseudo-Klimaschützer Vista

Microsoft versucht den Kauf von Windows Vista als Investition ins Weltklima darzustellen. Dabei funktionieren ausgerechnet die Energiesparfunktionen auf vielen älteren Rechnern nicht oder nur eingeschränkt - und machen die Computer zu potentiellen Energieschleudern.

Von


Mit einer Pressemitteilung erklärt Microsoft heute einmal ganz anders, weshalb man von Windows XP auf das Windows Vista umsteigen soll. Mit dem Kauf des neuen Betriebssystems, so heißt es da, trage man nämlich zum Klimaschutz bei. Schließlich biete Vista "mehr Leistung bei weniger Verbrauch". Ein gewagtes Statement, schaut man sich an, was Fachzeitschriften über die Energiesparfunktionen von Windows Vista zu berichten wissen.

Werbung für Vista: Energiesparfunktionen nur unter Idealbedingungen zuverlässig nutzbar
AFP

Werbung für Vista: Energiesparfunktionen nur unter Idealbedingungen zuverlässig nutzbar

In der aktuellen Ausgabe der "c't" beispielweise, haben die Autoren eine Zwischenbilanz nach drei Monaten Vista gezogen. Ausgerechnet bezüglich der Energiesparfunktionen schneidet Microsoft auf Hochglanz poliertes System darin nicht gerade vorbildlich ab. Bei vielen PCs versagen nämlich ausgerechnet die Stromsparfunktionen. Betroffen sind allerdings in erster Linie alte Rechner, die noch mit Windows XP ausgeliefert wurden.

Treiber fehlen

Als Grund für dieses Totalversagen haben die c't-Autoren mangelnde Treiberunterstützung seitens der Hersteller beispielsweise von Grafik- oder Soundkarten ausgemacht. Für viel ältere PC-Komponenten gibt es nämlich noch keine Vista-Treiberprogramme. Vielfach ist die Entwicklung solcher Treiber auch gar nicht mehr geplant. Lieber stecken die Hersteller ihre Ressourcen in die Entwicklung komplett neuer Produkte, die explizit für Vista entwickelt werden.

Das Problem: findet Vista für ein oder mehrere Geräte keine passende Treibersoftware, kann es passieren, dass die Energiesparfunktionen komplett ausfallen. Während das bei Desktop-PCs noch wenig ins Gewicht fällt, resultiert ein solcher Treiber-Mangel bei Notebooks in deutlich verkürzten Akku-Laufzeiten. Von diesem Phänomen können Besitzer älterer Laptops beim Betrieb mit Vista allerdings auch dann betroffen sein, wenn alle notwendigen Treiber vorhanden sind. In solchen Fällen ist laut "c't" meist dass sogenannte BIOS, das Grundprogramm eines Computers schuld, dessen Stromsparfunktionen an Vista angepasst werden müssten. Das hätten Tests mit verschiedenen Mobilrechnern ergeben.

Spielspaß-Bremse

Damit nicht genug, ist auch Microsofts Hinweis, Vista würde mehr Leistung bringen, mit Vorsicht zu genießen. Insbesondere PC-Spieler berichten immer wieder von deutlichen Leistungseinbußen im Zusammenhang mit dem XP-Nachfolger. So berichtet beispielsweise das Vista-Blog von Spielen, die auf dem neuen System um bis zu ein Drittel langsamer laufen als auf dessen Vorgänger. Besserung werden erst neue Spiele und Updates älterer Games bringen, die Vistas Grafiktechnologie DirectX 10 unterstützen. Von dem dann zu erwartenden Leistungssprung wird allerdings nur profitieren können, wer zumindest in eine dazu passende DirectX 10-Grafikarte investiert.

Um aber vollends von Vista und dessen neuen, fraglos sehr ausgeklügelten, Energiesparfunktionen profitieren zu können, bleibt die Anschaffung eines neuen Rechners für viele Anwender weiterhin unumgänglich. Vor diesem Hintergrund ist auch Microsofts Aussage, ein PC mit Windows Vista würde umgerechnet deutlich weniger Kohlendioxid erzeugen als ein Rechner mit Windows XP, mit Vorbehalt zu genießen.Wirklich zutreffend kann diese Aussage nur dann sein, wenn beide Computer aus denselben Hardware-Bauteilen aufgebaut und für sämtliche Komponenten Treiber für beide Betriebsysteme verfügbar sind.

Derart perfekte PCs dürften allerdings, insbesondere bei der installierten Basis, eher die Ausnahme als die Regel sein.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.