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Videospielmesse E3: Microsoft plant die globale Fernsehcouch

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Die Spielkonsole der Zukunft ist mehr als eine Daddelmaschine - sie vernetzt Wohnzimmer auf der ganzen Welt. Microsoft plant eine Online-Offensive, durch die ein neuartiges Unterhaltungsmedium für jedermann entstehen soll: global, interaktiv und in Wahrheit doch bloß eine Art Sofagruppe.

Wenn die Videospielbranche weiter wachsen soll, dann muss sie neue Käuferschichten erschließen. Nintendo hat das mit der Wii vorgemacht, Sony mit "Singstar", der Quiz-Reihe "Buzz" und der "Eyetoy"-Kamera - und jetzt muss auch Microsoft dringend weg vom alten Hardcore-Publikum der jungen Männer hin zu neuen lukrativen Zielgruppen.

Microsoft-Presseevent: Gemeinsam übers Netz Medien konsumieren
REUTERS

Microsoft-Presseevent: Gemeinsam übers Netz Medien konsumieren

Aus den Jungs-Zimmern in die Wohnzimmer, das ist die Losung der Branche. Wie das gehen soll, wollte Microsoft auf der Videospielmesse E3 in Los Angeles der Weltöffentlichkeit präsentieren - und es war kein Wunder, dass das Betriebssystem Windows als Spieleplattform da nur noch am Rande vorkam. Denn wer ins Wohnzimmer will, braucht eine Spielkonsole als Basis, keinen PC.

Konkret plant der Konzern nun, dass jeder Nutzer im Online-Netzwerk der Microsoft-Spielkonsole Xbox 360 ab Herbst ein kleines digitales Alter Ego bekommt. Einen Avatar, wie man ihn von "Second Life" kennt oder eben von Nintendos Wii: eine Cartoon-Version des Spielers, die einfach als digitale Repräsentation seiner selbst verwendet wird wie ein Passfoto.

Diese Avatare und die Menschen, zu denen sie gehören, sollen auf ein virtuelles globales Sofa gesetzt werden: Das ist der Kern von Microsofts Idee. Gemeinsam sollen so Nutzer übers Netz Medien konsumieren, ob aus Hollywood oder selbsterstellt, vom jüngsten Kinohit bis zu Videos oder Filmen aus dem eigenen Urlaub.

Schon jetzt kann jeder kostenpflichtig Filme oder Spiele auf die Konsole laden. Künftig will Microsoft das Angebot ausweiten und vor allem zum Gemeinschaftserlebnis machen. Mehrere Menschen an verschiedenen Orten sollen sich zu Gruppen von maximal acht Personen respektive Avataren zusammenschließen können, um gemeinsam digitale Medienstreifzüge zu unternehmen:

  • gemeinsam einen Film ansehen - eine Kooperation mit der US-Online-Videothek Netflix wurde verkündet -,
  • gemeinsam in kleiner Gruppe Online-Spiele wie Uno gegeneinander spielen,
  • gemeinsam an Live-Gameshows teilnehmen, die erprobte Fernsehquizkonzepte in eine Online-Arena transportieren und bei denen es sogar wirklich etwas zu gewinnen gibt - auch mit Endemol wurde eine Kooperation verkündet.

In Europa wird das Filmprogramm vermutlich wegen rechtlicher Probleme magerer ausfallen als in den USA, immerhin soll es aber neue Kooperationen mit MGM und Constantin Film geben. Die meisten Filme, die als Neuzugänge zum On-Demand-Angebot gepriesen wurden ("Die Mumie kehrt zurück", "Riddick"), sind allerdings altbekannt.

Die Ankündigung auf der E3 macht Microsofts Strategie klar: Die Spielkonsole soll zum vernetzten globalen Unterhaltungszentrum werden, soll eine virtuelle Welt des gemeinsamen Medienkonsums erschließen, unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort. Und ohne dass die Avatare in einer Computerwelt von A nach B zu Fuß gehen müssen - Spielereien mit virtuellen Räumen wie in "Second Life" sind in Microsofts globalem Unterhaltungsweltentwurf nicht vorgesehen.

Microsofts Avatare existieren eher in einer Art grafisch aufbereiteter Buddyliste statt in einer 3D-Welt. Das wird in Sonys Präsentation am Dienstagabend europäischer Zeit vermutlich anders aussehen - denn dort setzt man auf "Home", ein Konsolen-"Second Life".

Um das globale Sofa familienfreundlich zu machen, bietet Microsoft in Zukunft alles an Family Entertainment, was es so ähnlich für andere Konsolen schon gibt oder demnächst geben soll:

  • einen "Singstar"-Klon namens "Lips",
  • mehr Songs für "Rock Band",
  • ein Schlagzeug für "Guitar Hero",
  • ein an Sonys "Eyetoy"-Spiele erinnerndes "Mach dich vor der Kamera zum Affen"-Spiel namens "You're in the Movies"
  • und eine Fortsetzung des Filmquizspiels "Scene it".

Seltsam und irgendwie inkongruent wirken dazwischen die Welten, die für den Rest der Klientel gebaut wurden - für den harten Kern der alten Spielergemeinde, der schon lang eine Konsole zu Hause hat:

  • "Resident Evil V" (Zombies schlachten),
  • "Gears of War 2" (Aliens schlachten)
  • und "The last Remnant" (Monster schlachten).

Außerdem wird Sony, der große Rivale aus Japan, ein bisschen geschubst: Denn "Final Fantasy XIII", der 13. Teil der Rollenspielreihe, wird erstmals auch für die Xbox 360 erscheinen. Das ist ein weiterer Stich gegen die Playstation der Konkurrenz. Auch "Grand Theft Auto" hatte man Sony schon entrissen - für viele Entwickler ist der Markt für nur eine der neuen Konsolen einfach noch zu klein, um sich auf Exklusivdeals einzulassen.

Der "Final Fantasy"-Titel für Microsofts Konsole ist auch eine Kampfansage auf Sonys Heimatmarkt in Japan. Denn dort, im Spielkonsolenkernland, ist Microsoft von jeher dritter hinter Sony und Nintendo.

Mal sehen, welche Kampfansagen die beiden Microsoft-Rivalen am Dienstag ihrerseits verkünden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
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1. Final Fantasy
mi7ke, 15.07.2008
"Der "Final Fantasy"-Titel für Microsofts Konsole ist auch eine Kampfansage auf Sonys Heimatmarkt in Japan." SquareEnix hat nach der MS-PK bekanntgegeben das Final Fantasy 13 in Japan Sony-Exklusiv bleibt. Ausserdem bekommt FF13 in Europa und USA eine Zeitexklusivität für die PS3
2. Wahnwitzige Visionen
Boone 15.07.2008
Diese an Science Fiction erinnernden Visionen von Microsoft haben nur noch wenig mit der menschlichen Wirklichkeit, mit körperlichen und geistigen Bedürfnissen zu tun, die, wenn erfüllt, auch zum Vorteil der Menschen gereichen. Der Trend geht genau in die andere Richtung und zwar back to nature. Und so muss es auch sein. Vor irgendeiner bescheuerten ultravernetzten Daddelkiste hat noch niemand Glück und Zufriedenheit gefunden.
3. Inhaltliche Fehler...
shinichi 15.07.2008
---Zitat--- und "The last Remnant" (Monster schlachten). ---Zitatende--- Gehts vielleicht noch was plakativer? ---Zitat--- Der "Final Fantasy"-Titel für Microsofts Konsole ist auch eine Kampfansage auf Sonys Heimatmarkt in Japan. Denn dort, im Spielkonsolen-Kernland, ist Microsoft von jeher dritter hinter Sony und Nintendo. ---Zitatende--- Wie soll das eine Kampfansage an Sonys Heimatmarkt sein, wenn Final Fantasy 13 dort (zumindest für mehrer Monate) exklusiv für die PlayStation 3 erscheint? Die Portierung der Xbox360 Version beginnt erst nach der Fertigstellung der japanischen Fassung für die Playstation 3. Nur in in Amerika und Europa erscheinen sowohl auf Xbox360 und PS3 Final Fantasy zeitgleich.
4. Ms
mime 15.07.2008
Zitat von sysopDie Spielkonsole der Zukunft ist mehr als eine Daddelmaschine - sie vernetzt Wohnzimmer auf der ganzen Welt. Microsoft plant eine Online-Offensive, durch die ein neuartiges Unterhaltungsmedium für jedermann entstehen soll: global, interaktiv und in Wahrheit doch nur eine Art Sofagruppe. http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,565853,00.html
Herrlich, was MS als Innovationen verkaufen will. Im Konsolensektor hat Nintendo glasklar die Nase vorn und das berechtigt. DAS ist Innovation, nicht dieses seelenlose Hinterherdackeln nach den Trends, die die anderen gesetzt haben... aber kennen wir ja bereits, siehe Zune :)
5. Ein weiterer uninspirierter Artikel zum Thema Videospiele
moskwitsch 15.07.2008
wieder mal ein typischer anti-micro$oft-artikel in bewährtem SO-stil. wer aber so auf die pauke haut, sollte ein wenig mehr ahnung von der thematik haben. "Um das globale Sofa familienfreundlich zu machen, bietet Microsoft in Zukunft alles an Family Entertainment, ..." 1) MS bietet nicht "mehr Songs für "Rock Band"" an. das spiel wird von harmonix entwickelt und in DE von EA vertrieben. 2) MS bietet kein "Schlagzeug für "Guitar Hero"" an. Das spiel, das übrigens "Guitar Hero: World Tour" heißen wird, gehört Activision. 3) MS bringt kein "an Sonys Eyetoy-Spiele erinnerndes "Mach dich vor der Kamera zum Affen"-Spiel namens "You're in the Movies"" heraus. das game ist von Codemasters. die liste der blafaseleien lässt sich beliebig fortsetzen. der autor weiß ja nicht mal, dass Gears of War 2 niemals in DE auf den markt kommen wird. um es mit den worten des autoren zu sagen: der ganze artikel ist "Seltsam und irgendwie inkongruent". have phun, moskwitsch
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