Von Stefan Lemke
UMTS soll auf der Isle of Man starten.
Die 75.000 Bewohner der kleinen Insel zwischen Irland und England werden nach dem Willen der Siemens AG die ersten Europäer sein, die ein kommerzielles UMTS-Netz nutzen können. Der Münchener Konzern arbeitet mit Hochdruck an der Errichtung eines entsprechenden Funknetzes auf der Isle of Man, das nach Angaben des Konzerns bis "Ende Frühjahr 2001" errichtet werden soll. Netzbetreiber soll die Manx Telecom sein, ein Tochterunternehmen der British Telecom, die schon seit knapp einem Jahr bei der Entwicklung der UMTS-Netzwerktechnik mit Siemens kooperiert.
Schon heute ist jedoch klar, dass die Insulaner zunächst nur einen eingeschränkten UMTS-Spaß genießen können. Der Grund: Siemens und Manx Telecom gehen beim Start des Netzes von Übertragungsraten zwischen 128 bis höchstens 200 Kilobit (kb) aus. "In absoluten Randregionen werden wir nur 64 kb anbieten", gab Siemens-Sprecher Florian Kreutz gegenüber SPIEGEL ONLINE zu. Siemens will auf der Insel zum einen die FDD-Technik (Frequency Division Duplex) einsetzen, die einen symmetrischen Datenstrom ermöglicht, der besonders für den Austausch von Sprach- und Videodaten geeignet ist. Zudem soll aber auch TDD-Technik (Time Division Duplex) zum Einsatz kommen. Die TDD-Übertragungtechnik kann flexibel auf das Datenaufkommen reagieren und soll die FDD-Netze zukünftig vor allem an stark belasteten "Hot Spots" wie Flughafen-Lounges ergänzen.
Trotz der eingeschränkten Übertragungskapazitäten arbeitet der Netzbetreiber an den ersten konkreten Anwendungen, so Kreutz: "Den ersten Kunden soll natürlich etwas geboten werden." Neben dem mobilen Internetzugang sollen die Bewohner der Isle of Man danach eine "City on Air" erhalten: Eine Landkarte der Region mit Informationen über Gasthäuser, Kinos und öffentliche Verkehrsmittel, über die die Anwender auch Tickets kaufen oder online einkaufen können.
Der Siemens-Sprecher gab gegenüber SPIEGEL ONLINE zu, dass die geplante, frühe Inbetriebnahme des Netzes unter anderem von der schnellen Entwicklung und Produktion der Endgeräte abhänge, die von dem japanischen Konzern NEC kommen sollen. Geplant sei zunächst der Verkauf einer "relativ kleinen" Stückzahl von UMTS-Handys. Die Isle of Man, die sich unter Geschäftsleuten "als Steueroase" großer Beliebtheit erfreut, sei ausgewählt worden, weil die Lizenzrechte dort ungleich einfacher zu erwerben gewesen seien als in Großbritannien oder anderen europäischen Staaten. Zur Zeit, so der Siemens-Sprecher, laufe noch die Akquisition und der Aufbau der Basisstationen. Rund 30 Ingenieure seien vor Ort mit der Errichtung des UMTS-Netzes beschäftigt.
Während in der Irischen See noch an der Wiege des ersten europäischen UMTS-Netzes gebastelt wird, konnten die Teilnehmer des Mobilfunkkongresses "UMTS 2000" in Barcelona bereits einen Blick in die Kinderstube der neuen Datenübertragungs-Technologie werfen. Siemens präsentierte dort die Übertragung von Dateien und Bildern auf einen mit UMTS-Technologie bestückten Kleinbus, bei der eine Rate von 1,2 Megabits pro Sekunde erreicht wurde.
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