T-Online-Shopping-Chef Thomas Holtrop
Das Internet wird immer billiger - zumindest aus Sicht der Kunden. Auf Unternehmensseite sieht die Sache etwas anders aus: Gestiegene Leser-Ansprüche, wachsende technische Möglichkeiten und nicht zuletzt die Konkurrenz zwischen den Content-Providern führen dazu, dass die Websites gerade der Medienunternehmen immer aufwendiger werden. Das kostet Geld.
Springer geht seit längerem mit der Gründung eines auf Bild.de fußenden Tochterunternehmens schwanger: So was hilft, neue Vermarktungskanäle zu erschließen, aber auch, laufende Kosten unter Kontrolle zu bekommen. Die Ambition: Noch mehr Inhalte noch schneller servieren zu wollen.
Ein Stichwort, bei dem die T-Online-Mächtigen derzeit aufhorchen. Der Onlinedienst leidet - so vor kurzem eine Selbstanalyse - unter Inhaltslosigkeit. Ein Zustand, den der neue Ober-T-Onliner Thomas Holtrop im Verbund mit Ron Sommer, dem Chef des Chefs und letztlich Herrn über die Geldtöpfe, schnellstmöglich ändern will. Das hat sich T-Online zwar seit Jahren auf die Fahnen geschrieben, aber - trotz breit angelegter Personal-Rekrutierung - bisher weitgehend erfolglos. "Inhalte", könnte man analog zur aktuellen Mediamarkt-Werbung dichten, "können wir nicht. Wir können nur shoppen".
Was tun? Man kauft ein, was man nicht selbst schaffen kann.
Wie im Fall "heute", dem Nachrichtenangebot des ZDF. Das wird künftig von T-Online "gehostet" - zu beiderseitigem Vorteil, finanziell hie, inhaltlich dort.
Ein erster Schritt, dem T-Online nun flugs den zweiten folgen ließ. Satte 37 Prozent des geplanten neuen Springer-Tochterunternehmens rund um das "Portal" Bild.de erwarb T-Online, Summen werden natürlich nicht genannt. Dass die beiden Riesen einen schwarz-rosa Ableger planten, war vor etwa einer Woche bekannt geworden. Jetzt trocknet bereits die Tinte auf den Verträgen, und damit steht nun endlich auch der Name für das neue Unternehmen fest: "Bild.de/T-Online AG".
Die beiden Unternehmen, jubeln Manager auf beiden Seiten, gingen damit eine "umfassende Partnerschaft" ein. Springer-Vorstandsmitglied Mathias Döpfner bezeichnete das Projekt als "Idealkonstellation".
Das neue Unternehmen solle dazu beitragen, das Internet noch attraktiver für den Ausbau zum Massenmarkt zu machen. 59 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland gingen über T-Online ins Netz. Diese 14,2 Millionen Nutzer sowie die mehr als elf Millionen Bildleser seien hierfür "eine gute Voraussetzung".
Auf T-Online-Seite äußert sich in solch wichtigen Dingen derzeit gern Ron Sommer, mittelbar Boss von T-Online. Nach Ansicht des Telekom-Vorstandsvorsitzenden baue das Joint-Venture "die Stellung von T-Online als Deutschlands und Europas führendem Online-Provider" aus und werde den Abstand zu den Wettbewerbern "weiter vergrößern". Das Joint-Venture sei ein erster Baustein für weitere mögliche Projekte beider Unternehmen, sagte Sommer.
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