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30.05.2001
 

Content gegen Knete

"Internet-Medienhaus" T-Online

T-Online-Chef Thomas Holtrop wird nicht müde, seine neue Inhalte-Strategie öffentlichkeitswirksam zu wiederholen: Schluss soll sein mit der "Kostenlos-Kultur". Künftig könnte im Web gelten, was offline schon lange gilt: Nur das, was etwas kostet, taugt auch was.

T-Online-Chef Thomas Holtrop sieht sein Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet. Schließlich sei man ja Internet-Zugangsanbieter und Inhalteanbieter zugleich. Damit habe man kontinuierliche Abrechnungsbeziehungen zu den Kunden, was für neue, kostenpflichtige Angebote genutzt werden solle.

T-Online entwickle zurzeit unter Hochdruck neue Angebotsformen und Bündelangebote, erklärte der Vorstandschef. "Jedem in der Internetbranche ist klar, dass wir mit der etablierten 'Kostenlos-Kultur' im Netz unsere Unternehmen nicht auf eine langfristige profitable Basis stellen können."

Andererseits würden es die Kunden nicht tolerieren, würden alle bisher kostenlosen Inhalte nun grundsätzlich gebührenpflichtig. Ein guter Grund, die neue Strategie immer wieder zu wiederholen: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Absicht, in der Internet-Öffentlichkeit einen Denkprozess über das Thema "Content gegen Knete" anzuregen, ist offensichtlich. Doch das allein wird wohl kaum reichen, die Kunden dazu zu bewegen, künftig für T-Online-Inhalte in die Tasche zu greifen: Ähnliches bekommt man an zu vielen Orten im Web - und oft besser.

Das weiß auch Holtrop, der sich in den letzten Monaten intensiv bemühte, durch teils spektakuläre Kooperations-Deals das Inhalte-Portfolio des rosa Riesen aufzuwerten. Dazu entwickele T-Online "neue intelligente Konzepte" für Angebote, "die einen deutlichen Mehrwert für den Kunden haben", für den dieser dann auch zu zahlen bereit sei, kündigte Holtrop an.

Beispiele könnten unter anderem Live-Übertragungen von Pop-Konzerten sein, in denen die ersten Minuten als Appetitanreger kostenlos, die restliche Zeit dann aber gebührenpflichtig wäre. Neuartige Suchdienste für Inhalte im Internet oder Bündelangebote spezifisch zugeschnitten auf bestimmte Interessengruppen wie Familien, Unternehmenskunden, Selbstständige, Studenten oder Senioren seien weitere Beispiele bisher ungenutzter Verdienstmöglichkeiten.

Wandel zum "Internet-Medienhaus"

Zentrales strategisches Ziel von T-Online sei der Wandel des Unternehmens vom Internet-Zugangsanbieter zum Internet-Medienhaus, sagte Holtrop. Dazu gehöre der rasche Ausbau des inhaltlichen Angebots. T-Online werde sich dabei nicht exklusiv an einen Partner binden, sondern ein umfassendes Netzwerk aus Partnerschaften aufbauen. Beispiele seien die kürzlich geschlossenen Vereinbarungen mit dem ZDF über das Nachrichtenportal "heute.t-online.de" oder mit dem Axel Springer Verlag über eine Zusammenarbeit mit der "Bild"-Zeitung.

T-Online wolle zudem den Internetzugang über mobile Endgeräte ebenso vorantreiben wie die Fusion von Internet und Fernsehen. Dritte strategische Stoßrichtung sei die Internationalisierung, die Integration und Weiterentwicklung der Auslandsbeteiligungen.

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