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17.07.2001
 

Suchmaschinen

Verbraucherschützer laufen Sturm

Bei mehr als vier Milliarden Seiten im Netz sind Suchmaschinen oft der einzige Weg, wenigstens ein bisschen Übersicht im Web-weiten Chaos zu behalten. In den USA ziehen Verbraucherschützer nun gegen acht große Suchhelfer zu Felde. Der Vorwurf: Schleichwerbung.

Kämpferischer Ralph Nader
AFP

Kämpferischer Ralph Nader

Wer sich mit dem US-Verbraucheranwalt Ralph Nader anlegt, sollte schon mal sicherheitshalber Geld auf die Seite legen. Denn Nader, der im vergangenen Jahr für die Grünen ins Rennen um das Weiße Haus ging, ist nicht nur extrem industriekritisch, er ist auch klagefreudig und dabei oft erfolgreich. Zusammen mit seinen Helfern, den so genannten Nader-Raiders, geht der Jurist gegen alles vor, was ihm ungerecht erscheint: die staatliche Unternehmensförderung, die Autoindustrie, die Hersteller von Lebensmitteln und einiges mehr.

Jetzt haben sich Nader und seine Verbraucherorganisation "Commercial Alert" auf die Internet-Suchmaschinen eingeschossen. In einer Klage bei der US-Kartellbehörde FTC (Federal Trade Commission) werden acht große Anbieter der Schleichwerbung bezichtigt. Dabei geht es um die Platzierung einzelner Einträge in der Liste der Suchergebnisse. Commercial Alert wirft den Suchmaschinen von MSN, Netscape, Direct Hit, HotBot, Lycos, AltaVista, LookSmart und iWon vor, für eine prominente Position in der Auflistung Geld zu kassieren, die Nutzer aber unzureichend darauf hinzuweisen.

Die Verbraucherschützer argumentieren, dass es kaum öffentlich bekannte objektive Formeln gibt, nach denen die Suchmaschinen ihre Ergebnislisten generieren. Und das, obwohl die Informationsrecherche nach E-Mail die zweitattraktivste Internetanwendung ist. "Suchmaschinen haben eine wichtige Rolle eingenommen, wenn es in unserer Gesellschaft um Wissensvermittlung und Lernen geht. Die Möglichkeit, dass einige Reklamefritzen die Suchergebnisse verbiegen können, ist ein ernsthaftes Problem", sagt Gary Ruskin von Commercial Alert.

Mit Web-Positioning ist viel Geld zu verdienen

Wie fundiert die Anschuldigungen der Verbraucherschützer tatsächlich sind, wird sich im Verlauf eines möglichen Verfahrens zeigen. Doch klar ist, das Geschäft um attraktive Positionierung von Unternehmen in Suchmaschinen boomt. Spezielle Agenturen kümmern sich für ihre Kunden um das so genannte Web-Positioning. Dabei geht es im einfachsten Fall darum, Seiten so zu optimieren, dass sie den formalen Kriterien der Suchmaschinen entsprechen. Im zweiten Schritt wird analysiert, unter welchen Schlüsselworten Interessierte nach der betreffenden Seite suchen könnten, um das Angebot dann unter diesen Begriffen auffindbar zu machen.

Eine umstrittene Methode zur Positionierung in den Suchmaschinen ist das so genannte Cloaking. Hier erstellt die Agentur eine oder mehrere Phantomseiten, die so mit Schlüsselworten bestückt sind, dass sie ganz oben in den Ergebnislisten auftauchen, mit der eigentlichen Suchanfrage aber oft gar nichts mehr zu tun haben.

Doch nicht nur die Agenturen, auch die Suchmaschinen und Webkataloge selbst haben längst gelernt, aus dem Wunsch nach guter Auffindbarkeit Kapital zu schlagen. Zum Beispiel verlangt LookSmart für eine "Express Submission" 159 Mark, das bedeutet, dass eine Seite deutlich schneller als normal in die Datenbank aufgenommen wird. Statt nach einigen Wochen ist das Angebot dann bereits nach einigen Tagen zu finden.

"Sponsored Links" werden prominent platziert

Beispiel Google: Wer etwa nach Schlüsselworten wie "Sex" sucht, findet ganz oben abgesetzt einen "Sponsored Link", also einen bezahlten Eintrag
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Beispiel Google: Wer etwa nach Schlüsselworten wie "Sex" sucht, findet ganz oben abgesetzt einen "Sponsored Link", also einen bezahlten Eintrag

Yahoo!, Google und Excite haben offizielle Bereiche für prominent platzierte bezahlte Links, die aber auch als solche erkennbar sind. Bei Google oder Excite heißen diese Bereiche dann zu Beispiel "Sponsored Link". Doch für attraktive Positionen in Suchlisten Geld zu verlangen, das trauen sich bislang offiziell nur die wenigsten Suchmaschinen. In Deutschland versteigert beispielsweise QualiGO die Platzierung in seinen Suchlisten, in den USA versucht GoTo ein ähnliches Konzept.

Eine Suchmaschine, die der aktuellen Diskussion um vermeintliche Schleichwerbung gelassen entgegensehen sehen dürfte, ist Google. Der Netz-Shooting-Star setzt bei der Erstellung seiner Ergebnislisten auf die so genannte Page-Rank-Technologie. Dabei stehen diejenigen Webangebote ganz oben, auf die von möglichst vielen anderen Seiten verlinkt wird. Und obwohl auch dieser Mechanismus, etwa durch eine ganze Armada von Phantomseiten ausgehebelt werden kann, tritt er doch den Grundgedanken des Webs am ehesten. Jedenfalls dann, wenn nicht die finanzkräftigsten, sondern einfach die besten Angeboten ganz oben stehen.

Christoph Seidler

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