KaZaA: Neuerdings ein australisches Unternehmen, das sich für holländische Gerichte nicht interessiert
Das war ein Überraschungscoup der Sonderklasse: Die neuen Besitzer von KaZaA, einer der Lizenzierungen von FastTrack, einer Software zur Organisation verteilter P2P-Börsen, heißen "Sharman Networks". Viel mehr ist bisher nicht bekannt.
Außer ein paar Kleinigkeiten. Zum Beispiel, dass KaZaA in diesen Augenblicken öfter aus dem Netz geladen wird, als je zuvor.
Wenige Tage hatte das niederländische Unternehmen KaZaA seine Software vom Netz genommen und folgte damit scheinbar dem Urteilsspruch eines niederländischen Gerichtes, das den Software-Anbieter bei Androhung empfindlicher Geldstrafen dazu verurteilt hatte, den Austausch copyrightgeschützten Materials über KaZaA zu verhindern.
Das aber ist eine technische Unmöglichkeit: Im Gegensatz zu Napster verfügt das KaZaA-Netzwerk über keinen zentralen Server. Das Netzwerk entsteht erst durch die Verbindung zahlreicher Software-Clienten, die auf der Plattform der FastTrack-Technologie beruhen. Das sind derzeit drei massenhaft verteilte Produkte, die sich technisch kaum unterscheiden: KaZaA, Grokster und Morpheus. Zusammen sind sie derzeit Napsters stärkster Erbe - und gelten vielen Fans inzwischen als "besser, als Napster je war".
Grund genug für die Musikindustrie, auch diese Plattformen ins Visier zu nehmen. Als Ansatzpunkt, müssen die Lobbyvertreter gedacht haben, sei KaZaA ideal, weil hinter dem holländischen Dienst - zumindest zeitweise - Niklas Zennstrom stand - und das ist der Erfinder der FastTrack-Technologie.
Doch die juristische Attacke ging ins Leere, und zwar völlig: Weil es so etwas wie ein organisiertes KaZaA-Netzwerk nicht gibt, ist es auch weder kontrollier-, noch abschaltbar. Eine erfolgreiche Klage gegen KaZaA und Zennstrom wäre darum eher einem Racheakt der geschädigten Industrie gleichgekommen als einem konstruktiven Versuch, ein Problem unter Kontrolle zu bekommen. Was P2P, und hier besonders FastTrack angeht, ist die Katze schlicht aus dem Sack.
Außer Werbung nichts gewesen
Und irgendwer scheint zu glauben, dass man mit ihr irgendwann sogar einmal Geld verdienen könnte. Wie viel Sharman für KaZaA bezahlt haben, ist nicht bekannt. Auch, wer dahinter steht, ist unklar. Völlig klar ist hingegen, dass sich die Betreiber von Sharman Networks nicht näher für niederländische Gerichtsurteile interessieren.
Seit Sonntag ist KaZaA wieder da - und gemeint ist damit nur der volle Service der Website mit ihren Software-Download-Funktionen, denn sonst funktionierte sowieso alles. Es sieht so aus, als hätten die alten Betreiber von KaZaA mit der Einstellung der Programm-Downloads nur für Ruhe auf dem Server gesorgt, um die Verlegung von hüben nach drüben zu vereinfachen. Gut geblufft, KaZaA: Eine Reaktion seitens der Industrie und des Gerichtes steht noch aus.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
| alles zum Thema Copyrights | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH