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11.03.2002
 

Apple-Rechner

Zu schön zum Stapeln

Von Christoph Seidler

Zur Auswertung riesiger Datenmengen setzen Forscher vermehrt auf Rechner-Cluster, auf vernetzte Einzelrechner. Auf leistungsfähige Apple-Computer müssen sie dabei verzichten. Grund: Die Designobjekte lassen sich einfach zu schlecht stapeln.

Apples Powermac G4: "Unstapelbar"?
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Apples Powermac G4: "Unstapelbar"?

Als im letzten Jahr die erfolgreiche Sequenzierung des menschlichen Genoms bekannt gegeben wurde, da klang das wie das Erreichen eines Zieles. Doch davon sind die Genetiker noch meilenwert entfernt, noch immer warten riesige Datenmengen auf ihre Analyse: Die Forscher wollen aus den vorliegenden Zahlenbergen die genaue Funktion bestimmter Gene herauslesen.

Dafür setzen die Biologen auf Supercomputer, allerdings immer häufiger nicht auf Hochleistungsrechner im klassischen Sinne, sondern auf Netzwerke von untereinander verbundenen Einzelrechnern, so genannte Cluster. Wie das 1994 vorgestellte Vorbild "Beowulf" vom Goddard Space Flight Center in Maryland bestehen diese aus vergleichsweise billigen, handelsüblichen Teilen. So kann es theoretisch selbst ein Schrank voller vernetzter Aldi-PCs schaffen, einem Supercomputer leistungsmäßig das Fürchten zu lehren.

So weit, so gut. Doch beim Festschrauben der Rechner in deckenhohen Regalen, den so genannten Racks, steckt der Teufel offenbar im Detail. Denn dabei geht es darum, auf möglichst geringem Raum eine möglichst große Anzahl von Computern unterzubringen. Und das, so beklagt der US-Genomforscher Patrick Gavin von der University of California in Santa Cruz im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, geht mit Apples G4-PowerMacs einigermaßen schlecht - von den formschönen Design-Maschinen passen einfach zu wenige in ein Rack.

"Die Apple-Rechner verbrauchen zu viel Platz, wenn man die Fläche pro Prozessor betrachtet", beklagt Gavin.

Als einer der Väter des modernen Hochhausbaus prägte Louis Henri Sullivan Ende des 19. Jahrhunderts die Maxime "Form follows function" - die Form habe sich also der Funktion unterzuordnen. Doch weil Apple das bekannterweise genau anders herum sieht, hat Gavin ein Problem.

Apple-Rechner: Innen hui, außen leider schick

Dabei böten die PowerPC-Prozessoren eigentlich nur Vorteile: "Das sind großartige Dinger. Sie haben mehr Rechenpower und verbrauchen dabei weniger Strom als vergleichbare Chips von Intel, AMD und wahrscheinlich sogar Transmeta." Und der Stromverbrauch spielt bei Clustern mit mehreren hundert oder sogar tausend Prozessoren, wie sie Leute wie Gavin zusammenbauen, natürlich eine wichtige Rolle - doch eben auch der Platz. Da hilft es auch nicht, dass Fremdfirmen wie Marathon Computer und TerraSoft inzwischen Rack-Lösungen für die so schön gerundeten Apple-Rechner anbieten.

Denn das Gehäuse ist noch immer zu groß, erklärt Gavin. Georg Albrecht, der Pressesprecher von Apple-Deutschland, sieht das ein wenig anders: "Der Power Mac ist kleiner als viele PCs und kann sehr wohl in Regalen gestapelt werden", kontert er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Doch dass Forscher, die Cluster aus extrem vielen PowerMacs zusammenbauen, unter Umständen Platzprobleme bekommen könnten, räumt auch er ein - auch wenn das seiner Meinung nach "in der Praxis kaum eine Rolle spielt".

So gibt es auch einige Beispiele für kleinere Cluster, die aus Macs zusammengesetzt sind. Am Scalable Computing Laboratory der University of Iowa arbeiten immerhin 16 Power Macs in einem Regal zusammen. Doch verglichen mit wirklich großen Rechnerverbunden ist das nicht viel. Und möglicherweise werden gerade Fälle wie der von der University of California in der wissenschaftlichen Community gehört.

Denn das Labor, in dem Gavin und seine Kollegen arbeiten, gehört zu den weltweit wichtigsten im Bioinformatik-Bereich. Die Forscher zählten mit ihrem Cluster, der aus tausend PCs besteht, zu den führenden Teams im Humangenomprojekt, als der Sequenzierungswettlauf mit Craig Venters Mannen von Celera tobte.

Apple kann nicht daran gelegen sein, in Wissenschaftskreisen - also dort, wo die Firma wenigstens zu Beginn der Computer-Ära einen extrem guten Stand hatte - an Ansehen zu verlieren. Der Konzern täte also gut daran, sich um die Forscher zu kümmern und ihnen passende Hard- und Software zur Verfügung zu stellen. Ein erster Versuch ist ein unlängst von Apple vorgestelltes Programm, mit dem Rohdaten aus der Genomforschung schnell durchsucht werden können.

Doch Patrick Gavin meint, dass Apple noch deutlich mehr tun könnte. "Apple hat eine Menge Material, mit dem sie verdammt gute Cluster-Produkte anbieten könnten, aber sie tun es nicht." - Noch nicht?

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