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04.06.2002
 

Netscape 7 im Test

Endlich wieder Wettbewerb auf dem Browsermarkt

Von Frank Patalong

Der einstige Marktführer Netscape ist nach neuesten Zählungen auf einen Marktanteil von unter zehn Prozent abgefallen. Ein guter Grund, auf den eigentlich noch nigelnagelneuen Netscape 6-Browser direkt die Version 7 folgen zu lassen. Ist das Panik oder Planung?

Nagelneu: NetScape 7 gibt es erst als "Vorversion"

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Wenn's dem Baum schlecht geht, weiß der Förster, dann treibt der noch mal richtig, sorgt für Nachwuchs. "Paniktriebe" nennt man so was vermenschelnd, aber treffend.

Trifft es auch im Falle Netscape zu?

Der einstige Browser-Pionier und lang unbestrittene Marktführer krebst seit Jahren vor sich hin. Microsoft, behaupten ehemalige Fans steif und fest, habe Netscape kaputt gemacht. AOL, wenden Pragmatiker ein, schlug dann ja wohl den Sargdeckel fest. Sarg?, fragen hartnäckige Fans. Noch sei es doch viel zu früh, Netscape abzuschreiben.

Tatsächlich sind der "Browserkrieg" gegen Microsoft und der Verkauf des Unternehmens Netscape an AOL Wendepunkte in der Geschichte des Browser-Entwicklers, an denen er bis heute kräftigst knabbert. Denn statt Netscape finanziell wie personell zu stärken und Microsoft Paroli zu bieten, bewegten sich AOLs Investments in Netscape jahrelang auf minimalen Niveau: AOL fand sich vertraglich an Microsoft und den Internet Explorer gebunden, musste diesen lang als Standardsoftware auf den eigenen CDs mitvertreiben.

So trug die Konzernmutter AOL letztlich durch ihren Erfolg zum Niedergang der eigenen Browser-Entwicklungsabteilung bei. Netscape gefror, viel zu lang gab es nichts Neues - und der Internet Explorer, einst das technisch klar unterlegene Produkt, zog quantitativ wie qualitativ davon.

Dann kam viel zu spät Netscape 6 - die gesamte Generation 5 hatte Netscape verpennt und darum unter den Tisch fallen lassen - und letztlich doch verfrüht: Zu viele Macken hatte die erste Version des Browsers, um den so gründlich und tief in den Mist gefahrenen Karren freibekommen zu können. Statt den Anschluss zu schaffen, erntete Netscape mit der Version 6.0 berechtigterweise miese Kritiken. Als schließlich die solide, durchaus konkurrenzfähige Version 6.2 auf dem Markt erschien, schaute kaum mehr einer hin.

Das, so will das Netscape, soll nun anders werden

Mit großem Selbstvertrauen bewirbt Netscape nun die Version 7 des einstigen Kult-Browsers - und leistet sich im Rahmen der eigens für die "Preview Edition 1" angelegten Webseite eine spezielle "What's new?"-Sektion.

Heute ist ein Browser Newsreader, Mailprogramm und Seiten-Editor und verdaut Webseiten aller möglichen Standards und sogar proprietäre Multimedia-Schnickschnack-Seiten.

In dieser Hinsicht braucht sich Netscape 7 nicht zu verstecken: Was der Internet Explorer kann, das kann er (fast alles) auch. Selbstverständlich ist das nicht: die Fehler auf Microsofts unseligen ASP-Seiten etwa tolerieren längst nicht alle Browser, und manche holen nur noch einmal tief Luft, bevor sie in Ohnmacht fallen. Schlapp machte Version 7 in mehreren Tests nur auf ASP-Seiten, die Flash 5-Applikationen einbinden: Hier zog Netscape es vor, gar nichts zu zeigen - wobei man darüber streiten kann, ob das nun eine Lücke ist oder einfach Weisheit.

Ansonsten ist Version 7 ein Browser, der schon bei der ersten Testfahrt Spaß macht. Denn, siehe da, Netscape 7 gelingt es zum ersten Mal seit Jahren, mit einem Produkt-Release wirklich zu überraschen. Dieser Browser ist cool - und das war so ziemlich das Letzte, was man von Netscape noch erwartete. Und als erster der "großen" Browser seit Jahren hat er tatsächlich Innovationen zu bieten, die sogar das Surfgefühl verändern.

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