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Netscape 7 im Test Endlich wieder Wettbewerb auf dem Browsermarkt

3. Teil: Bitte warm anziehen: Jetzt wird's cool! Der moderne Surfer blättert in Web-Karteikarten, statt zwischen Fenstern zu hüpfen. Und Suchmaschinen haben ausgedient, wenn man eine Maus besitzt. Weiter...

Karteikarten statt Seiten: Übersichtlich, bequem und nur leicht gewöhnungsbedürftig

Karteikarten statt Seiten: Übersichtlich, bequem und nur leicht gewöhnungsbedürftig

Die erste und wichtigste Innovation, die hier zu nennen ist, sind die so genannten "Registerkarten".

Jawoll, das sind Karteikarten, wie sie auch auf dem Rechner in vielerlei Form immer wieder einmal ihren Einsatz finden. Netscape macht das Browserfenster selbst zur "Karteikarte". Klickt man in dieser mit der rechten Maustaste auf ein Link, so öffnet man eine weitere. Das erinnert natürlich an Opera, ist hier aber weit eleganter gelöst: Die Nutzerführung ist im besten Sinne intuitiv.

Selbst für versierte Surfer, die es gewohnt sind, mit zahlreichen offenen Fenstern zu surfen, verändert sich so das Feeling der Web-Recherche: Alles ist mit einem Mal völlig übersichtlich. Man springt zwischen den ordentlich auf dem Desktop abgelegten Karteikarten hin und her, legt eine weg, nimmt eine neue auf, blättert mit einem Klick zurück zum Ausgangspunkt und so weiter. Spätestens nach drei Minuten fragt man sich, warum Browser nicht schon seit fünf Jahren genau so aussehen.

Für Netscape läuft das unter "optimierte Benutzerführung", und der Begriff ist zur Abwechslung mal keine Werbe-Seifenblase. Das ist wirklich cool.

Überhaupt die rechte Maustaste. Die ist ja bekanntlich für vieles gut, und selbst innerhalb eines Programms für wechselnde Aufgaben. So auch im Falle Version 7. Beim Öffnen oder Download von Seiten kanalisiert die rechte Maustaste das "Wohin damit und was fangen wir damit an?". Verschiebt man etwas in einen Ordner? Öffnet man eine neue Registerkarte? Wird daraus ein Lesezeichen, die im Übrigen weit besser organisiert sind als früher? Lädt man eine gesamte Webseite auf die Festplatte, Downloadmanager zur Wiederaufnahme abgebrochener, auch multipler paralleler Downloads natürlich inklusive?

Komfort: Wort im Text markieren, rechte Maustaste - und schon "ergoogelt" man eine Antwort

Komfort: Wort im Text markieren, rechte Maustaste - und schon "ergoogelt" man eine Antwort

Oder möchte man einfach googeln?

Das funktioniert ja normalerweise so, indem man die entsprechende Webseite ansurft, dort seine Suchanfrage stellt - und ab geht die Post. Netscape 6 hatte die Google-Suche in das Navigationsfenster integriert, Version 7 natürlich auch. Für alle, die aber sogar zum Eingeben einer Suchanfrage gern noch zu faul sind, gibt es wieder die rechte Maustaste: Einfach ein Wort im laufenden Text markieren, mit der rechten Maustaste darauf klicken - und Google beginnt mit der Suche nach dem markierten Begriff. Eine Funktion, die selbst nicht verlinkten Text zum Hypertext zu machen scheint und tatsächlich bequem ist, wenn es zum Beispiel um Namen geht.

Der Rest ist Schnickschnack, wenn auch manchmal ganz nett.

Oder sogar sexy: Surfen im Vollbild-Modus ohne lästigen Browserrahmen ist zwar nicht unbedingt neu, hier aber nett gelöst und im Verbund mit den "Registerkarten" statt Seiten richtig bequem.

Gut ist auch, dass die Suchfunktionen im Mailprogramm wieder deutlich besser laufen, wenn auch immer noch langsamer als bei Netscape 4.7+: Schlanker heißt da oft halt auch schneller. Aus dem Adressbuch heraus lassen sich ohne Umwege Straßenkarten abrufen - eine Funktion, die man wohl äußerst selten braucht, dann aber vielleicht gern nutzen wird. Unnötig, aber es stört auch nicht.

Unter dem Strich bleibt der Eindruck eines Browsers, der wohl ziemlich schnell vom Preview Release zur ersten Serienversion ernannt werden wird. Mehr noch: Dieses Ding hat erstmals seit vier Jahren das Zeug, dem Internet Explorer nicht nur die Stirn zu bieten, sondern auch einiges an Butter vom Brot zu nehmen. Insofern kommt Netscape vielleicht gerade noch rechtzeitig mit einem guten Produkt, bevor die Marke entgültig in Vergessenheit gerät.

Die erfolgreiche Verteilung des neuen Browsers mag durch die jüngsten Gerichtsentscheidungen im Microsoft-Prozess begünstigt werden. Schon witterten Analysten da, dass so einige PC-Hersteller nun vielleicht auch gegen Zahlung Alternativ-Modelle zum Internet Explorer vorinstallieren würden. Mit Version 7 scheint es gar nicht so unwahrscheinlich, dass sie damit sogar auf eine steigende Kundennachfrage reagieren würden. Das Ausprobieren lohnt sich allemal.

P.S.: Netscape 7 liegt in den Sprachversionen Englisch, Japanisch, Französisch und Deutsch zum Download vor. Version 7 gibt es für die Windows-Plattform in all ihren Varianten, für Mac Os X sowie für "Mac Classic Users" und für Linux. Und für Microsoft gibt es endlich wieder einen Konkurrenten aus dem Hause Netscape – so was belebt ja bekanntlich das Geschäft.

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