Der Chemnitzer Computerhersteller Megware Computer GmbH hat einen der schnellsten Rechner der Welt an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg übergeben. Bei dem Hochleistungsrechner handele es sich um einen so genannten Cluster-Rechner, bei dem mehrere Personalcomputer (PC) zusammengeschalten werden, teilte die Firma am Freitag in Chemnitz mit. Der Rechner sei der leistungsstärkste Computer der Welt im Bereich der PC-Cluster mit dem Betriebssystem Linux.
Seit Donnerstag ist der Computer in der neu veröffentlichten Top-500-Liste der besten Rechner der Welt auf Platz 35 gelistet.
Damit ist der Megware Deutschlands drittschnellster Rechner: Sich mit ihm messen und ihn übertreffen können hier zu Lande nur klassische "Supercomputer". Deren schnellster steht am Münchner Leibniz-Rechenzentrum, ist Europas zweitschnellster Computer und mit 23 Tonnen Gewicht und einem Längenmaß von acht mal neun Metern so groß wie eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Cluster-Computer wie der Megware sind zwar ebenfalls weder zierlich noch klein, bieten hier aber Vorteile: Das Gesamtdesign der in Regalen aufgestellten vernetzten Rechner richtet sich auch nach den vorhandenen räumlichen Möglichkeiten.
Nicht nur dieses Mehr an Flexibilität - für klassische Supercomputer müssen heute faktisch eigene Hallen konstruiert werden - spart nicht zuletzt auch Geld. Das Design minimiert auch Ausfallzeiten im Schadensfall: Nach Angaben der Firma besteht der Megware aus 256 PCs herkömmlicher Bauart, ausgestattet mit 512 Prozessoren mit 1,2 Gigahertz Taktfrequenz und einem Cluster-Hauptspeicher von 256 Gigabyte. Ein aufwendiges Vernetzungs-Kunststück: Der Inbetriebnahme an der Uni Heidelberg ging eine mehrmonatige Testphase des Cluster-Computers voraus.
Die Megware GmbH, eine Gründung von Spezialisten des ehemaligen DDR-Elektronikkombinats Robotron, gehört nach eigenen Angaben zu den Marktführern unter den Produzenten von Cluster-Rechnern. Die Supercomputer der Firma mit 140 Mitarbeitern stehen unter anderem an der TU Chemnitz, an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, am Forschungszentrum Karlsruhe und bei der Fraunhofer-Gesellschaft in Berlin. Aber auch in Einrichtungen in Basel oder Rom gibt es die Rechner. Rund 20 Cluster-Computer aus Chemnitz wurden bereits in ganz Europa installiert.
Sie zeichneten sich gegenüber anderen Hochleistungsrechnern durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aus, sagt Megware-Sprecher Frank Spalek. Die Großrechner machten mittlerweile einen Großteil der Produktion des Computer-Spezialisten aus. Zählten in der vergangenen Zeit vor allem öffentliche Einrichtungen zu den Kunden, gewinnt die Firma zunehmend Abnehmer in der Privatwirtschaft.
Die Firma, die im vergangenen Jahr rund 38 Millionen Euro umsetzte, stellt auch PC und Computerzubehör in ihrer Produktionsstätte in Chemnitz-Röhrsdorf her und vertreibt sie vor allem in Ostdeutschland. Die Firma hat 25 Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und ist auch in Nordrhein-Westfalen und Bayern vertreten.
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