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07.10.2002
 

M-Payment

Das Handy als Geldbörse

Von Niels Gründel

Der hohe Verbreitungsgrad von Mobiltelefonen soll klassisches Geld und Kreditkarten künftig überflüssig werden lassen, prophezeien die Marktforscher der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Noch aber ist unklar, welche Standards sich durchsetzen.

Bestellung gleich Bezahlung: Bequem für den Kunden, Trinkgeld-freie Zone für Boten?
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Bestellung gleich Bezahlung: Bequem für den Kunden, Trinkgeld-freie Zone für Boten?

Im Jahr 2006 soll der per Handy abgewickelte Zahlungsverkehr in Europa ein Volumen von 25 Milliarden Euro erreichen. Die Zahlungsvorgänge können dabei sehr unterschiedlich sein, doch das Handy wird der klassischen Geldbörse Konkurrenz machen, egal ob bei der Bezahlung von Kleinstbeträgen an Automaten, an Parkuhren, an der Kasse des Supermarktes oder bei einem Restaurantbesuch.

Zuwachs erhält die auch heute schon naheliegende Art der Bezahlung von Inhalten beim Abruf entsprechender WAP-Seiten oder bei Online-Einkäufen am PC, wobei künftig das Mobiltelefon sogar die Kreditkarte oder den Bankeinzug ablösen könnte.

Doch selbst für private Zahlungen zwischen Einzelpersonen, beim so genannten Peer-to-Peer-Payment, besteht erhebliches Potenzial. "Die Vorteile liegen auf der Hand", so Ben Donnelly, Industry Analyst der Frost & Sullivan Wirless-Group, "denn die Betreiber von Automaten sparen sich die regelmäßige Leerung ihrer Geräte und werden zudem weniger Vandalismusschäden beheben müssen; Kunden können Zahlungen zu jeder Zeit und an jedem Ort durchführen und Einzelhändler können sogar mit geringeren Registrierungs- und Transaktionskosten rechnen."

Ben Donnelly, Frost & Sullivan: 25 Milliarden Euro M-Payment-Umsatz bis zum Jahr 2006?
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Ben Donnelly, Frost & Sullivan: 25 Milliarden Euro M-Payment-Umsatz bis zum Jahr 2006?

Nach Schätzungen der TowerGroup werden im Jahr 2005 in Westeuropa 118 Millionen Handy-Nutzer ihre Mobiltelefone für das Begleichen von Rechnungen einsetzen, ganz ähnlich sehen die Zahlen auch für den asiatischen Raum aus, lediglich die USA werden dem Mobilfunktrend auch in Zukunft noch weit abgeschlagen hinterherhinken. In Japan hat NTT DoCoMo bereits heute große Erfolge mit dem I-Mode-Dienst zu verzeichnen.

Plus bei der Sicherheit

Auch die Sicherheit macht beim mobilen Payment einen Sprung nach vorn. Das Handy kann unmittelbar einer Person zugeordnet werden und für eine Geldtransaktion wird zusätzlich nur noch eine weitere Geheimnummer (PIN) benötigt. Denkbar sind allerdings auch Payment-fähige Handys, die beispielsweise Kreditkarteninformationen und fortgeschrittene Payment-Anwendungen direkt integriert haben.

Neben Location Based Services sehen die Mobilnetzbetreiber daher besonders in dem M-Payment eine mögliche Refinanzierungsquelle für die teuer erworbenen UMTS-Lizenzen, denn die Mobilnetzbetreiber könnten Zahlungen problemlos über die monatliche Telefonrechnung einziehen.

Bettina Horster, eco: Die Banken halten sich zurück
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Bettina Horster, eco: Die Banken halten sich zurück

"Es ist allerdings noch überhaupt nicht abzusehen, wer das Geschäft mit dem Mobile Payment machen wird. Die Spezialanbieter wie Paybox oder Jamba! sind bislang zu klein, um die kritische Masse zu bringen. Die Mobilfunkbetreiber, die diesen Dienst sehr einfach über die Rechnung ohne Medienbruch abwickeln könnten, und die Banken, die am meisten vom Payment-Geschäft verstehen, halten sich sehr bedeckt", beschreibt Dr. Bettina Horster, Leiterin des Arbeitskreises M-Commerce beim Electronic Commerce Forum e. V. die derzeitige Lage.

Sicher ist nur, dass der Markt für Spezialanbieter schon bald eng werden dürfte. Offen ist, wie sich die künftigen Standards entwickeln werden und welche Unternehmen letztlich davon profitieren werden, denn mangelnde Standardisierung könnte verhindern, dass künftig alle beteiligten Unternehmen problemlos zusammenarbeiten.

M-Payment heute

Mobile Payment-Lösungen werden hier zu Lande angeboten von Paybox, Streetcash und D2-Vodafone sowie T-Mobile.

Das bekannteste System ist heute sicherlich Paybox. Grundannahme der Diensteanbieter ist, dass ein Handy immer einer bestimmten Person mit Kenntnis der PIN-Nummer des Gerätes zugeordnet werden kann. Zusätzlich

Mathias Entenmann, Paybox: Modell auf dem Weg zum Standard?
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Mathias Entenmann, Paybox: Modell auf dem Weg zum Standard?

benötigt wird nur noch eine Paybox-PIN, um Überweisungsvorgänge zu autorisieren. Insofern bestehen auch keine Probleme, mit denen andere Verfahren immer wieder für ein entsprechend aufwendiges Authentifizierungsverfahren kämpfen müssen.

Vor der ersten Zahlung steht jedoch eine Identitäts- und Bonitätsfeststellung. Außerdem muss vorab eine Lastschriftermächtigung für das eigene Bankkonto erteilt werden. Schon heute sind neben Internet-Zahlungen und Zahlungen in Geschäften, in Taxen oder an Automaten auch Überweisungen an Privatpersonen möglich.

Die Paybox-Betreiber versuchen mit ihrem modularen System für mobile Zahlungsanwendungen einen Standard in der Branche zu setzen und öffnen sich auch für andere Marktteilnehmer. "Bei Banken, Mobilfunkbetreibern und Handelskonzernen stößt unser Angebot, Paybox als eigene M-Payment-Methode zu nutzen, auf großes Interesse", sagte Mathias Entenmann, Vorstandsvorsitzender der Paybox.net AG. Ob Paybox mit seinem System jedoch einen Quasi-Standard setzen kann, wird erst die Zukunft zeigen.

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