Von Frank Patalong
Fujitsu Siemens sind an Bord, Silicon Graphics haben wie IBM damit begonnen, Linux-Cluster als Alternative zu Supercomputern zu vermarkten, und als erste der Branche ließen letzte Woche Hewlett Packard und IBM anlässlich der LinuxWorld Expo die Hosen runter und machten klar, welchen Stellenwert das Pinguin-Programm mittlerweile in ihren Geschäftskalkulationen einnimmt: IBM gibt an, im letzten Jahr mit Linux-Hard-, -Software und -Dienstleistungen rund 1,5 Milliarden Dollar umgesetzt zu haben, HP sogar satte 2 Milliarden. Tendenz: Steil steigend.
Doch der absolute Löwenanteil dieser Umsätze wird nicht auf dem Publikumsmarkt generiert, sondern im Profi-Markt. Dort schickt sich Linux an, sein Vorbild Unix zu beerben: Bis zum Jahr 2007, auguren die Marktpropheten der Meta-Group, könnte der Linux-Marktanteil bei Internet-Servern bei stolzen 45 Prozent liegen. Tatsächlich konnte das alternative Betriebssystem seinen Marktanteil bei den Hochleistungsrechnern allein im letzten Jahr auf respektable neun Prozent verdoppeln.
Linux wird selbst für das Software-Megaschwergewicht Microsoft zur zunehmenden Bedrohung - was er selbst beginnt, einzusehen. Am Mittwoch konnte der als "Winzigweich" verspottete Erzfeind aller Open-Sourcer seinen ersten Open-Source-Award einheimsen: Auf der LinuxWorld wurde das Microsoft-Programm "Services für Unix 3.0" als beste System-Integrations-Software ausgezeichnet. Die Software dient der Integration von Unix-Software in Windows-Systeme - Lindows lässt grüßen, nur unter umgekehrten Vorzeichen.
Vor dem Durchbruch?
Dass dieses Jahr im Business-Markt das Jahr von Linux wird, bezweifelt kaum ein Experte. Faktoren wie die für den Herbst erwartete Veröffentlichung des Opteron-Prozessors von AMD arbeiten dem Pinguin-Programm weiter zu: Seine erheblichen technischen Vorteile wird der Prozessor zunächst nur unter Linux ausspielen können. Microsoft arbeitet noch an einer Windows 2000-Version für den Opteron - bei Linux ist das nicht nötig. Da ist es

Bill Gates mit neuem Hauptfeind: "Fürchtet den Pinguin!"
Eine aktuelle Studie der Investmentbank Goldman Sachs geht nach Berichten der "Financial Times" darum davon aus, dass es durch Linux "beträchtliche Veränderungen im Ökosystem der Lieferanten von Informationstechnologie" geben werde. Titel der Studie: "Fürchtet den Pinguin".
Das ist eine Frage der Perspektive.
Microsoft sieht in Linux längst den Haupt-Opponenten. Für Apple ist Linux bedrohlich, weil es "Freak-Appeal" besitzt und im Publikums-Markt zudem die Marktanteile gewinnt, die Apple gern von Microsoft zurück gewonnen hätte, was aber beharrlich nicht gelingt. Für immer mehr Hardware-Unternehmen aus der PC-Welt ist das Symboltier der Linux-Gemeinde dagegen eher ein Hoffnungsträger. Next Step: Der Verbrauchermarkt.
Noch ruckelt und stottert der Verkaufsmotor
Dort will sich Linux nicht zuletzt durch die Kooperation mit Hardware-Häusern breiter machen. SuSe liefert an Fujitsu Siemens, die bereits seit längerem Linux-PCs verkaufen, Red Hat an IBM. So richtig gezündet hat das alles bisher nicht, im Gegenteil: Zeitweilig war der Marktanteil von Linuxsystemen auf Home-PCs (geschätzte 0,5 Prozent) im letzten Jahr sogar rückläufig. Zum Vergleich: Microsofts kleiner Dauerkonkurrent Apple hält rund zwei Prozent.
Da muss also noch einiges passieren: Auf dem Home-PC soll es Linux künftig auch dank des grafischen "Desktop Environment" KDE 3.1 leichter haben. Die grafische Benutzeroberfläche nähert sich merklich dem an, was Computernutzer von ihren PCs und Apple-Rechnern her kennen und ist in den neuesten Linux-Distributionen bereits implementiert. Dabei steigt nicht nur die Kompatibilität mit diversen Windows-üblichen Programmen, sondern auch Look and Feel gleichen sich immer mehr an: Das Bonbon-Design der letzten SuSe-Distributionen etwa schmeckt deutlich nach Windows XP.
Doch mag die Zukunft auch süß sein für viele der Linux-Distributoren und -engagierten Unternehmen, die Gegenwart ist es noch nicht: Für manche der innovativen Linux-Distributoren kommt der erwartete Linux-Boom möglicherweise zu spät. Mandrake etwa, Vorreiter bei der Integration der OS-Welten, musste Mitte Januar Gläubigerschutz beantragen.
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