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Alles inkompatibel Im Sadomaso-Keller der Musikindustrie

2. Teil: Neues Ungemach droht dem Redmonder Softwaregiganten demnächst auch aus Japan. - Lesen Sie den zweiten Teil der Geschichte

Neues Ungemach droht dem Redmonder Softwaregiganten demnächst auch aus Japan. Sony möchte noch in diesem Frühjahr einen eigenen Musikshop mit dem Namen "Connect" starten. Der japanische Konzern könnte das Online-Geschäft eigentlich schon längst dominieren, schließlich ist Sony Music einer der drei Big Player im Musikgeschäft und hat außerdem seit Jahren seine MiniDisc-Player mit integriertem DRM im Programm. Audiodateien werden darauf im Sony-eigenen Atrac-Format gespeichert. Eine Atrac-Datei kann problemlos kopiert werden - die Kopie allerdings sperrt sich gegen weitere Vervielfältigungen.

Den Markt verschlafen

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Doch Sony zögerte jahrelang - wohl aus Angst, etwas falsch zu machen -, und rennt nun der Konkurrenz von Apple und Microsoft hinterher. Immerhin hat Sony nach eigenen Angaben weltweit 2,5 Millionen Abspielgeräte für Atrac-Songs verkauft - von MiniDisc-Playern bis zum Allformatfresser Atrac CD Walkmen.

Der Konzern Microsoft, der sein WMA-Format gern als weltweiten Standard für Digital-Musik sähe, steht in punkto Playern deutlich schlechter da als Apple und Sony - eigene Geräte gibt es keine. Zwar verstehen immer mehr Taschenspieler der Marken Rio, Creative und Dell WMA. Doch das reicht noch nicht aus, wie Volker Zota, Audio-Experte bei der Computerzeitschrift "c't" weiß: "Wenn in der Datei ein Rechtemanagement drin steckt, dann können die Player diese meist nicht abspielen." Eine Ausnahme macht der Hersteller Samsung, der einen WMA-Player speziell für Songs aus dem Musikladen "Napster" im Programm hat.

Zota hält grundsätzlich wenig vom Rechtemanagement. Das Musikerlebnis werde "generell eingeschränkt", denn man hänge immer in der DRM-Kette drin. "Auf wie vielen Rechnern habe ich die Datei denn schon", frage sich der Hörer laufend. "Ungeschützte Musik wäre in jedem Fall besser", meint der Audio-Experte.

Für Konsumenten bleibt der Kauf von DRM-geschützter Musik immer ein gewisses Risiko - auch wegen des verwendeten Formats. Denn wer weiß, ob es für den heute hochgejubelten Dateityp in ein paar Jahren überhaupt noch Abspielgeräte und -Software gibt? Die nach und nach zusammengekaufte Musiksammlung auf der Festplatte wäre dann reif fürs Museum.

Grau-Angebote ohne Fußangeln

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Nur eine Hand voll Musikshops verzichten ganz auf DRM. Diese bewegen sich oft in einer rechtlichen Grauzone wie der spanischer Anbieter weblisten.com und der russische Shop allofmp3.com. Beide verkaufen ungeschützte MP3s - angeblich ohne Lizenz.

Zur Cebit wollen die deutschen Musiklabels ihre gemeinsame Plattform Phonoline starten, die hiesige Onlineshops wie Saturn.de wie ein Großhändler mit Musik versorgen soll. Dann dürften Musikfans hier zu Lande endlich auch legal auf das Gesamtrepertoire ihrer Stars zugreifen. Sämtliche bisher in Deutschland eröffneten Online-Musikshops kranken nämlich an ihren spärlich gefüllten Regalen - komplette Alben oder aktuelle Hits findet man kaum.

Das soll sich mit Phonoline ändern. Die Plattform wird Musik in den Formaten AAC und MP3 bereitstellen - beide versehen mit Rechtemanagement. Zum Abspielen ist ein spezieller Softwareplayer vonnöten. Fest steht, dass die Dateien höchstens dreimal gebrannt und höchstens dreimal auf andere PCs oder portable Player exportiert werden dürfen.

Onlineshops können die Rechte jedoch weiter einschränken. Die Fesseln liegen bereit, wie fest sie angezogen werden, ist dann Verhandlungssache zwischen jeweiligem Shop und den Plattenfirmen. "Die Musiklabels wollten anfangs sogar gar keine Kopien erlauben", berichtet Phonoline-Sprecher Bent Stroehmann. Was der Kunde mit seinen Downloads machen dürfe, werde letztlich aber der Markt entscheiden, betont er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Zumindest in den USA zeichnete sich in den letzten Monaten der Trend zu einem großzügigeren Rechtemanagement ab. Das anfänglich geplante völlige Brennverbot ist vom Tisch. Selbst von Limits fürs Brennen haben sich Dienste wie iTunes und RealNetworks verabschiedet. Offenbar hat die US-Musikbranche erkannt, dass die meisten Kunden überhaupt nicht auf strenge Domina-Spielchen stehen. Wie lange werden die hiesigen Plattenfirmen für diese Erkenntnis brauchen?

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