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Google greift an G-Mail statt E-Mail

Der Konkurrenzkampf zwischen Yahoo, MSN und Google wird immer mehr zu einem knallharten Verdrängungswettbewerb. Mit Millionenbudgets jagen sich die Internetgiganten die Kunden ab. Jetzt steigt Google mit "G-Mail" in den Freemail-Markt ein. Aber Google wäre nicht Google, wenn sein Produkt nicht etwas anders aussähe.

Neueste Google-Geburt: der Mailservice "G-Mail"

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Keine Frage, Google kommt zunehmend unter Druck. Vier lange, schöne Jahre stand Google fast ohne Konkurrenz da: Seine Suchtechnologie war kaum zu schlagen, sein puristischer Auftritt gefiel den Fans, die sich in Scharen von alten Platzhirschen und überladenen Wusel-Portalen verabschiedeten. Google, tönte das Unternehmen, wolle nichts als Suche pur bieten - und zwar die mit den besten Ergebnissen.

Mit dieser klaren Strategie gelang es Google, in die Profitzonen vorzudringen. Dem US-Suchdienst traut man zu, den ersten wirklich guten Börsengang seit dem Platzen der Dotcom-Blase hinlegen zu können. Noch ziert sich Google, aber das mag Taktieren sein: Wer an die Börse geht, sollte gut aufgestellt sein, ohne dass die Konkurrenz gerade am Lack kratzt.

Denn justamente als Börsengang-Gerüchte zu kursieren begannen, trompetete Bill Gates heraus, er wolle 500 Millionen Dollar in einen Dienst investieren, der Google schlagen solle. Als MSN seine Suchfunktionen kosmetisch operierte, indem es dem Browserfenster die "Toolbar"-Funktion anfügte, bejubelte das der kritiklosere Teil der IT-Presse als technische Innovation. Noch hat MSN nicht gezeigt, was Microsoft mit 500 Millionen Dollar zaubern kann.

Auch Yahoo zeigt sich in den letzten Monaten ungewöhnlich aktiv, schmiss den Suchvertrag mit Google über Bord und begann stattdessen, aufgekaufte und selbst entwickelte Suchtechniken zu nutzen. Wo die Yahoo hinführen sollen, ist klar: zur Marktführerschaft.

Da wollen ja alle hin, doch kann es immer nur einen Marktführer geben: Der heißt seit Jahren Google - und der Rest ist bisher reines Wunschdenken.

Das weckt den Neid der Konkurrenz und offenbar auch ihre Kreativität. Insbesondere Yahoo und MSN haben sich vorgenommen, Google mit einem reichen Portfolio an Dienstleistungen und verbesserten Search-Funktionen unter Druck zu setzen. Längst kommt auch Google nicht mehr mit "Suche pur" aus, sondern erweitert sein Leistungsspektrum Stück für Stück. Jetzt will das Unternehmen mit "G-Mail" einen der wenigen Teilmärkte angehen, wo es noch nicht mitboxt: kostenlose E-Mails.

Angriff auf einen Markt mit abgesteckten Claims

Die sind seit langem Teil des Yahoo-Angebotes (fast 40 Millionen angemeldete Nutzer). Auch MSN - in Amerika inzwischen einer der erfolgreichsten Onlinedienste - ist da unter anderem mit seiner Hotmail-Marke fest etabliert (rund 34 Millionen Nutzer).

Nervös brauchte da also wirklich niemand zu sein, ist E-Mail an sich doch ein ziemlich einfaches Produkt: Die Post kommt entweder an oder sie tut es nicht; das Postfach ist entweder mit Werbemüll überflutet oder wird schön sauber gehalten; das Programm erlaubt Multimedialitäten oder keine; es bietet reichhaltige Post-Verwaltungsfunktionen, Adressbücher etc. oder auch nicht - alles ist herrlich vergleichbar.

Wer da neben den etablierten Freemailern etwas Neues einführen wollte, das die Kunden wirklich lockt, müsste sich wahrlich anstrengen.

Bei Google hat man sich da etwas überlegt. "G-Mail" bietet einen Freemail-Service, der eben nicht auf Ordnern, Adressbüchern und ähnlichem basiert. G-Mail soll ein Mail-Programm in Kombination mit einer internen Suchmaschine werden. Die eingehende Mail bleibt einfach, wo sie ist (wenn man will), und wenn man in dem wachsenden Chaos etwas sucht, hilft die kleine interne Suchmaschine. Das ist nicht als Service für Messies und Chaoten gedacht, sondern greift die Konkurrenz da an, wo es weh tut: bei den Speicher-Kapazitäten. G-Mail bietet seinen Usern 1000 MB Speicherplatz fürs Postfach, die "Lagerzeit" wird nicht begrenzt. Üblich sind bei kostenlosen Mail-Accounts 20 bis 50 MB und in aller Regel "verschwindet" eine Mail nach einer gesetzten Frist. Oft sind das drei Monate, wer (mehr) Mails länger archivieren will, muss zahlen.

Chaos hat Vorteile

Daneben hat eine Suchmaschinen-Indizierung des eigenen Mailbestandes tatsächlich erhebliche Vorteile, wie selbst Ordnungsfanatiker wissen. Natürlich ist eine Struktur mit Ordnern und Unterordnern sauberer und wirkt übersichtlicher - verbirgt aber ihre Inhalte, je komplexer sie wird.

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Je mehr Ordner man zu verwalten hat, desto mehr Zeit "frisst" E-Mail: Nutzer kraftvoller Mailprogramme wissen darum deren Suchfunktionen zu schätzen. Den mit der "Lass einfach reinlaufen"-Strategie verbundenen Nachteil überlaufender Festplatten und irgendwann kollabierender Mailprogramme darf man bei G-Mail vergessen: Wenn da wem die Platten zulaufen, dann Google.

Und was hat Google davon?

Speicherplatz ist inzwischen zwar billig, aber bis zu einem "Gig" pro Nutzer will bezahlt sein.

Auch dazu verrät Google schon etwas: Irgendwann einmal soll es - eventuell gegen Zahlung - die Möglichkeit geben, den G-Mail-Account als Pop3 direkt an ein eigenes Mailprogramm zu binden und die eigenen Mails selbst zu archivieren. Bis dahin aber bleibt G-Mail völlig Web-basiert, stellt sogar relativ hohe Anforderungen an den Browser, der neueren Datums sein sollte.

Das wiederum ist unter anderem nötig, weil G-Mail seine Services durch attraktive Werbeformate refinanzieren will.

Wie bei Google üblich sollen die aber nicht schreiend bunt werden, sondern vor allem passend: Google garantiert zwar den Schutz der privaten Daten, gleicht aber die Suchanfragen innerhalb des Mail-Programmes mit seinen Werbeservern ab. Herauskommen sollten also vergleichsweise "intelligent" platzierte Inserate, die irgendwie zur Suche passen - auch das ist Google-typisch. Der Briefwechsel zum letzten Italienurlaub wird dann von Reise-Inseraten, Espressowerbung und Anzeigen für den neuesten "Ramazzotti"-Silberling flankiert.

Wann das Ganze beginnen soll, ist nicht ganz klar. Seit einiger Zeit läuft eine Betatestphase, die aber nicht öffentlich ist. Der Launch von G-Mail steht jedoch unmittelbar bevor, denn Google hat damit begonnen, auffällig für seinen neuen Dienst zu trommeln.

Google-Mitbegründer Larry Page gab der Nachrichtenagentur AP ein Interview, in dem er die nicht sehr präzise Zeitangabe "in den nächsten Wochen" fallen ließ. Weiser glaubt sich da die "New York Times". John Markoff, fraglos einer der bestinformierten IT-Journalisten der Welt, trieb sich in San Francisco herum und bekam dort das schon präzisere "Donnerstag" genannt. Ob damit nun wirklich dieser erste April gemeint war, wissen wir Europäer heute Nachmittag, wenn Amerika aus dem Bett fällt.

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