Eigentlich, sagt David Naccache, Kryptografie-Professor an der Dublin City University, war Claire Whelan nur unterfordert. Also gab er der Studentin, die er als Doktorvater betreut, eine Aufgabe, "um sie zu beschäftigen": Er legte ihr Dokumente vor, die die US-Regierung in teilweise eingeschwärzter Form veröffentlicht hatte.
Ungewöhnlich ist das nicht: Transparenz ist Pflicht für US-Behörden, wenn auch oft in Maßen. So veröffentlichen Ämter und Behörden in den USA regelmäßig einst geheime Dokumente, von denen Teile geheim bleiben sollen.
Claire Whelan machte sich an die Arbeit. Ihr Ansatz: Sie kombinierte eine Texterkennungssoftware mit einem elektronischen Lexikon. Die Texterkennungssoftware, erklärte Naccache dem Wissenschafts-Magazin "Nature", identifizierte zunächst die Schrift-Type. Daraus ließ sich durch bloßes Abmessen der Schwärzung die Länge des zensierten Wortes ableiten, "plus oder minus drei Pixel".
An diesem Punkt kam das Lexikon ins Spiel. Für einen Beispielsatz lieferte das Lexikon 1530 mögliche Wort-Kandidaten. Nach einer Grammatik-Prüfung blieben noch 346 übrig.
An diesem Punkt versagt die Software bisher: Die semantische Prüfung, ob ein Wort in dem Satz potenziell Sinn macht oder nicht, erledigte Whelan lesend. Übrig blieben nur sieben Wörter. Am Ende der Mühen stand ein teilweise geheimes Dokument in entschlüsselter Form.
Die Technik findet ihre Grenzen da, wo mehrere aufeinander folgende Worte eingeschwärzt sind. Sicherheits-Experten bezeichneten Whelans Ansatz als "besorgniserregend". Mit zu einfachen Mitteln war ihr die Entschlüsselung gelungen. Jetzt gilt es als wahrscheinlich, dass die US-Behörden ihre Veröffentlichungspraxis überdenken werden.
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