Stolze 300 Radiostationen, sagt die amerikanische Rundfunkaufsicht Federal Communications Commission FCC, streamten ihre Inhalte in Beinahe-CD-Qualität über das Internet. Breitbandanbindungen ans Web machen möglich, was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien: Dateigrößen spielen kaum mehr eine Rolle, Flatrates machen es attraktiv, sich auch das Radioprogramm aus dem Internet zu holen.
Längst hat die Hardware-Industrie reagiert: Neben diversen "Internet-Radios" bietet sie seit längerem Homeserver, über die sich die Songs direkt aus dem Web und über die Lautsprecher der Steroanlage ziehen lassen.
Was das Herz von Musikfreunden höher schlagen lässt - endlich nicht mehr der Dauerbeschallung durch die "Hits der Achtziger, Neunziger und das Beste von heute" ausgeliefert zu sein - ist der Musikindustrie ein Graus.
Im Bereich der Digitalradios, aber auch bei den Web-Streams, die rechtlich nicht wie Downloads, sondern wie Rundfunk behandelt werden, wittert sie den Keim der nächsten Krise. In den Vereingten Staaten hat die mächtige Musik-Lobbyorganisation RIAA die Diskussion bereits angefacht: Sie schlägt vor, dass ein Dateiformat entwickelt wird, das über Kopierschutz und Digital Rights Management verfügt, um ein Brennen und Verteilen zu verhindern. Die FCC als staatliche Behörde, so die RIAA, solle darüber wachen, dass dieses geschützte Format auch verwendet wird.
Am Mittwoch dieser Woche will die RIAA ihre Vorschläge der FCC vorlegen. Den Radiostationen gegenüber versucht die Musikindustrie, das Modell dadurch schmackhaft zu machen, dass ein Kopierschutz auch das Alleinstellungsmerkmal des Rundfunks stärke: Wenn ein User ein Lied einmal aufgenommen habe, gebe es für ihn ja einen Grund weniger, Radio zu hören. Also bedeute Kopierschutz eine Aufwertung des Web-Rundfunks.
Damit dürfte der nächste Geist aus der Flasche sein: Erfahrungsgemäß laufen die Lobbyorganisationen der Musikindustrie den Vorstößen der RIAA mit wenigen Wochen Verzögerung hinterher.
Frank Patalong
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