Schon seit 1993 stellt eine internationale Forschergruppe zweimal pro Jahr eine Liste der 500 schnellsten Rechner der Welt zusammen. Auf der neuesten Liste, veröffentlicht unmittelbar vor der heute beginnenden 19. Internationalen Supercomputerkonferenz in Heidelberg, hat sich zumindest an der Spitze nichts geändert. Der "Earth Simulator" des japanischen Elektronikkonzerns NEC ist weiterhin mit Abstand der schnellste Supercomputer.
An dem Rechner simulieren japanische Wissenschaftler globale Klimaveränderungen. Die Anlage wird seit 2002 im Institut für Erdwissenschaften in Yokohama eingesetzt und kommt auf eine Leistung von 35,86 Teraflops (Billionen Rechenschritte pro Sekunde). Damit ist sie rund 6000-mal so schnell wie ein moderner, handelsüblicher PC.
So genannte Cluster, Systeme aus Dutzenden, zusammengeschalteten Computern, dominieren mittlerweile die Top 500. 291 der gelisteten Superrechner gehören mittlerweile in diese Kategorie.
Der "Big Mac" an der Virginia State University, der vor einem halben Jahr auf Anhieb Platz drei erreichte, ist wegen eines Hardware-Austauschs allerdings wieder aus der Liste herausgefallen. Der für universitäre Zwecke eingesetzte Eigenbau-Cluster aus handelsüblichen G5-Macs sorgte im vergangenen November für Aufsehen, weil er mit rund fünf Millionen Dollar im Vergleich zum 370 Millionen Dollar teuren "Earth Simulator" ein wahres Schnäppchen war.
Die Rechenanlage "ASCI Q" von Hewlett-Packard (HP), vor einem halben Jahr noch die Nummer zwei, rutschte auf den dritten Platz. Sie hat eine Rechenleistung von 13,88 Teraflops und wird von der US-Energiebehörde in Los Alamos für die Simulation von Nukleartests eingesetzt.
Überholt wurde "ASCI Q" vom Supercomputer "Thunder", einem Cluster aus Intels Itanium-2-Prozessoren. Mithilfe von "Thunder" erforschen Mediziner des Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien unter anderem Aufbau und Eigenschaften von Proteinen. Zur Berechnung der Protein-Faltungen müssen sie gigantische Mengen an Daten berechnen lassen.
Nach dem Willen des Computerherstellers IBM soll "Thunder" 2005 von einem völlig neuen Supercomputer abgelöst werden. Die IBM-Anlage "Blue Gene/L" soll dann mit einer Spitzenleistung von 360 Teraflops auch die Top-500-Liste anführen.
Erstmals schaffte es ein Rechner aus China in die Liste der Supercomputer. Im auf Platz zehn gelandeten System "Dawning 4000A" werkeln immerhin 2560 Opteron-Prozessoren von AMD.
Der schnellste europäische Supercomputer wird diesmal auf Platz 21 mit 5,56 Teraflops gelistet. Der von IBM stammende Rechner schiebt am Forschungszentrum Jülich Dienst. IBM stellt 44,8 Prozent der gelisteten Systeme in den aktuellen Top-500-Charts her, gefolgt von HP (28,0 Prozent), Silicon Graphics (4,2 Prozent) und Sun (3,0 Prozent).
Die meisten Superrechner stehen in den USA (255) gefolgt von Großbritannien (36). Auf den nächsten Plätzen folgen gleichauf Japan und Deutschland mit je 34 Systemen.
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