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27.10.2004
 

Musik via Internet und Satellit

MP3s aufnehmen statt kaufen

Von Karl-Gerhard Haas

Die Radio-Recorder des Jahrgangs 2004 haben eine Festplatte und Platz für mehrere Hundert Stunden Musik in Digitalqualität. Musicload und iTunes mögen ganz nett sein, Live-Streamings im Netz oder via Satellit sind sogar kostenlos. Wir zeigen, wie man das Angebot optimal nutzt.

Kostenlos zur Musik: Hunderte Kanäle via DVB-S und Internet
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Kostenlos zur Musik: Hunderte Kanäle via DVB-S und Internet

Die Testergebnisse und das Programmangebot sprechen eine klare Sprache: Die attraktivsten (und fast kostenlosen) Quellen für Radio jenseits des UKW-Ortsfunks sind Satellit und Internet. Mit dem richtigen Wissen wird aus dem flüchtigen Hörerlebnis ein dauerhaftes Ereignis - auf Audio-CD, MP3-CD-ROM oder im Speicherkarten- oder Festplatten-MP3-Taschenspieler. Voraussetzung: ein PC mit CD-Brenner.

Per Satelliten-DVB gibt es ein klanglich herausragendes Digitalradio: Bitraten von 192 bis 384 Kilobit/Sekunde (kb/s) sind die Mühe des Aufzeichnens in jedem Fall wert. Keine Angst vor den als Bezahlradio markierten französischen Radiostationen: Empfang und Mitschnitt klappen einwandfrei - die Sender übertragen offenkundig ein falsches Statusbit.

Falls Sie einen Festplatten-Digital-TV-Receiver anschaffen möchten, sollten Sie idealerweise ein Modell wählen, das den Inhalt seiner Festplatte per USB- oder Netzwerkkontakt an einen PC weitergeben kann. Wagemutige können von Modellen ohne Schnittstellen - nach Ablauf der Herstellergarantie - die Festplatte ausbauen und vorübergehend in den heimischen PC implantieren. Zuvor lohnt sich aber ein wenig Internetrecherche: Manche Satellitenreceiver speichern Fernseh- und Radiomitschnitte in Dateiformaten, die ein Standard-PC nicht lesen kann. Wenn sich nicht ein passendes Programm im Netz findet, das diese Klippe umschifft, ist die Mühe vergeblich.

Gibt der Receiver die Radiomitschnitte willig an einen Rechner weiter oder besitzen Sie ohnehin eine Digital-TV-Satellitenkarte für den PC, findet sich die Musik in Dateien mit der Endung "mpa".

Legen Sie auf der Festplatte Ihres PC einen beliebigen Ordner an, in den Sie die Mitschnitte des - vorübergehend - mit dem PC verbundenen Satellitenreceivers kopieren oder gleich von der Software der Sat-Karte dort speichern lassen.

MP2, MP3, AC3?

Satellitenradio via DVB nutzt MPEG 1/ Layer 2 (= MP2, wie auch DAB).Wenn Sie im Windows-Dateimanager die Datei-Endung Ihrer Mitschnitte von "mpa" auf "mp2" ändern, können die gängigen PC-Abspielprogramme - etwa Winamp oder der Windows Media Player - sie wiedergeben.

Auch die Internet-Radioangebote im MP3-Format (präzise: MPEG 1/ Layer 3) sind für HiFi-Fans ab einer Bitrate von 128 kBit/s aufzeichnenswert. Voraussetzung: Ein DSL-Anschluss und ein passender Tarif für die Internetnutzung. Online-Angebote mit minutenweiser Abrechnung sind für Radiomitschnitte nicht sinnvoll.

Ein sehr guter Überblick übers Radiosortiment im Web findet sich auf den Seiten des Anbieters Shoutcast. Hier lässt sich fein säuberlich nach Genre und gebotener Datenrate (und damit Klangqualität) suchen.

Ideal für den Mitschnitt der für Sie interessanten Radiostationen: der kostenlose "Quintessential Player". Nach dem Start des Programms führt ein Klick auf das Symbol links von der Spielzeitanzeige zu den Zusatzmodulen ("Plug-ins"). Im MP3-Plug-in findet sich die Option "Stream Saving". Dort können Sie den Festplattenmitschnitt ein- und ausschalten und dem Programm sagen, dass es für jede angewählte Station einen Ordner anlegen soll ("Group streams in subfolders based on stream names"). Nur für Sender, die fein säuberlich ein Stück nach dem anderen spielen, ist "Save streams to separate files based on stream title" sinnvoll - dann legt das Programm jedes gesendete Lied getrennt ab.

MP3-Player spielen nicht nur MP3s

Nicht gleich rot sehen: Viele französische Radios sind in DVB-S fälschlich als Bezahlkanal markiert
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Nicht gleich rot sehen: Viele französische Radios sind in DVB-S fälschlich als Bezahlkanal markiert

Wie erwähnt: DVB-S-Radio (und DAB) nutzt MPEG 1/ Layer 2 als Datenreduktion, die interessanten Internetradios setzen auf MPEG 1/ Layer 3. Viele MP3-fähige Musikspieler kommen mit beiden Formaten ohne weiteres klar. Allerdings: Oft will (oder muss) man die Radioaufzeichnungen editieren - sei es, um die Werbung oder Stücke, die einem nicht gefallen, herauszuschneiden, sei es, um die manchmal stundenlangen Mitschnitte auf handliche Größen zu stutzen.

Ideal dafür ist das kostenlose Windows-Programm "MP3 Direct Cut". Es kann MP2- und MP3-Audio teilen, zusammenfügen, ein- und ausblenden sowie den Gesamtpegel ändern - alles, ohne die Musik erneut klangschädlich zu recodieren. Das Programm hat keine Installationsroutine: Entpacken Sie einfach das Zip-Archiv (Internetadresse rechts) in einen neuen Ordner. Wie lang Sie die einzelnen Mitschnitte gestalten, hängt von Ihren persönlichen Vorlieben und dem Gerät ab, für das Sie die Musik aufbereiten: Auf einen MP3-Spieler mit 256 Megabyte Festspeicher passt logischerweise eine maximal so große Musikdatei.

Einige wenige MP3-Player können mit den Satellitenradiosendungen im MP2-Format nichts anfangen: Dann und nur dann sollte man MP2 in MP3 konvertieren. Auch hierfür gibt es mit "dBpowerAMP" ein kostenloses Werkzeug.

Viele aktuelle DVD-Player, Autoradios und CD-Portis spielen MP3-Musik direkt von der CD ab. Haben Sie mit MP3 Direct Cut Ihre Radiomitschnitte passend gemacht, können Sie sie selbstverständlich auch auf CD brennen. Je nach Ursprungs- Bitrate reicht ein CD-Rohling für acht bis elf Stunden Musik.

Digitalmitschnitt mit Quintessential: MP3s direkt auf die Platte
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Digitalmitschnitt mit Quintessential: MP3s direkt auf die Platte

Für den MP3-tauglichen CD-Player legt man im CD-Brennprogramm seiner Wahl eine ISO-9660-CD-ROM an und wählt die gewünschten Musiktitel (also die MP3- oder MP2-Dateien) aus. Beschränken Sie sich auf den so genannten ISO-Level 2 (31 Buchstaben lange Dateinamen), schalten Sie die auf Windows-Rechnern häufig aktivierte "Joliet"-Option ab und brennen Sie die Disc per "burn at once" in einem Rutsch. Dies gewährt maximale Kompatibilität.

Es klappt: CDs in Dolby Digital

Möchten Sie lieber eine konventionelle Audio-CD erstellen, ist dies auch kein Problem: Die meisten aktuellen Brennprogramme konvertieren MP2- und MP3-Titel ohne Zutun des Nutzers fürs Standard-Audio-CD-Format. Sie müssen dann nur als Zielformat auch eine Audio-CD und keine Daten-CD wählen. Falls Ihre Software für Audio-CDs nur PCM-Dateien ("Wave") akzeptiert, können Sie mit dBpowerAMP auch die MP2- und MP3-Mitschnitte konvertieren.

WDR 3 und Bayern 2 senden via DVB-S mehrkanalige Konzerte in Dolby Digital ("AC3"). Mit dem Festplattenreceiver oder per PC-Sat-Karte lassen sie sich problemlos aufzeichnen. Getarnt als Audio-CD reicht jeder DVD- oder Audio-CD-Player per Digitalausgang den Mitschnitt an den Dolby-Digital-Decoder im AV-Receiver weiter.

Dazu muss man dem Audio-CD-Brennprogramm die Dolby-Digital-Dateien verpackt im Wave-Format präsentieren. Hierfür braucht man das Programm "BeSweet" samt seiner grafischen Oberfläche "BeSure". Entpacken Sie beide Programme in einen beliebigen Ordner, starten Sie BeSure und wählen Sie im "Input files"-Menü den AC3-Mitschnitt aus.

Im nächsten Schritt geben Sie über den Karteireiter "Files and folders" den Ordner an, in dem sich "BeSweet" befindet. Die übrigen Einstellungen können Sie ignorieren. Unter "BeSweet Settings" wählen Sie AC3-CD als Zielformat. Die entstehende Wave-Datei können Sie Ihrem Audio-CD-Brennprogramm übergeben. Änderungen dürfen Sie daran aber nicht mehr vornehmen - das würde die Datei zerstören.

Beachten Sie: Über die Analogausgänge geben diese CDs nur Gezwitscher von sich. Es empfiehlt sich, sie zu markieren und getrennt von echten Audio-CDs aufzubewahren.

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