Wie kommt ein Open-Source-Projekt zu Werbung? Ganz einfach: Indem es zu Spenden aufruft. In den USA ist das mit der Kampagne "Spread Firefox" bereits spektakulär erfolgreich gelungen. Rund 70.000 Dollar versuchte die Mozilla Foundation für eine Anzeige in der "New York Times" zusammen zu bekommen, 250.000 Dollar wurden bisher überwiesen - von rund 10.000 Firefox-Fans, die sich nichts mehr wünschen, als "ihren" Browser als Gewinner gegenüber dem Internet Explorer zu sehen.
Jetzt schwappt die Spendenwelle nach Deutschland, die Aktion "Firefox kommt" versucht, Anzeigen in "Süddeutsche Zeitung", "Welt" und "FAZ" zu hieven. Möglich, dass das gelingt.
Denn für Firefox sprechen nicht nur einige Vernunftsargumente, die man genauso gut auf Konkurrenten wie Opera ausdehnen könnte. Getragen wird der "kleine Mozilla" vor allem von einer Begeisterungswelle, die an eine Zeit erinnert, als die Programmierung des Netscape-Browsers den Nerd Mark Andreessen zu einem regelrechten Popstar machen konnte.
Das schlägt sich zunehmend auch in Zahlen nieder. Seit fünf Monaten, sagen die Experten beim Web-Marktforschungsunternehmen WebSideStory, verliere Microsofts Internet Explorer nun schon Marktanteile an Mozilla respektive Firefox, denn auch der wird in der Zählung als Mozilla ausgewiesen. Nach Jahren des Stillstands tut sich wieder was auf dem Browsermarkt - langsam, aber stetig.
Zahlen: feste Auf- und Abwärtstrends
Bis zum Auftreten von Firefox vor wenigen Monaten war das kaum denkbar. Obwohl Microsoft seinen nahezu allgegenwärtigen Browser über lange Jahre kaum pflegte und weiter entwickelte, Konkurrenten wie Netscape, Mozilla, Safari und Opera technisch längst die Nase vorn hatten, konnte Microsoft seinen weltweiten Marktanteil von teils deutlich über 90 Prozent fast unangefochten verteidigen. Das Erfolgsgeheimnis des Browsers: Er ist auf allen Microsoft-Betriebssystemen vorinstalliert.
Zunehmend häufigere Sicherheitsprobleme im Verbund mit der sich langsam herumsprechenden Nachricht, dass eigentlich alle Konkurrenten mehr bieten als der IE, könnten Anfang des Jahres eine langsame Kehrtwende eingeleitet haben. In den USA, sagt WebSideStory, fiel der Marktanteil des IE von Juni bis Ende Oktober von 95,48 auf 92,86 Prozent, während Mozilla-Browser von 3,54 auf 6,02 Prozent zunahmen.
Das sind Peanuts, allerdings schon von bemerkenswerter Größe. In Europa - und hier besonders Deutschland - sieht die Sache schon ganz anders aus. SPIEGEL-ONLINE-Statistiken - basierend auf über 200 Millionen Logs im Monat - weisen für den Oktober einen Anteil der Mozilla-Browser von 19,72 Prozent aus (ohne Netscape, zusätzlich noch einmal 3,5 Prozent). Der Internet Explorer (70,71 Prozent) verlor im Laufe dieses Jahres bisher 10,09 Prozent.
Während in der ersten Jahreshälfte der sich anbahnende Erfolg von Firefox vor allem zu Lasten anderer IE-Konkurrenten ging, somit also eher eine Umschichtung stattfand, gewinnen die kleinen Konkurrenten mittlerweile auf Kosten des Internet Explorer dazu. Den größten Sprung machte hierbei Mozilla/Firefox mit der Veröffentlichung der letzten Beta: Der Marktanteil (laut SPON-Statistik) stieg um fast vier Prozent.
Das passt: Im gleichen Zeitraum sank der Anteil des Internet Explorers in unseren Messungen von 74,3 Prozent auf aktuell 70,71 Prozent.
Der Launch der ersten Firefox-Vollversion am 9. November könnte noch einmal Bewegung in den Markt bringen - zumal es zahlreiche Gerüchte über Kooperationen mit prominenten potenziellen Vertriebspartnern gibt. Für Microsoft sähe das Worst-Case-Szenario so aus, dass eventuell sogar Google Firefox als "seinen" Browser adoptieren könnte.
Frank Patalong
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