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09.11.2004
 

Handys

Keine Chance für den Blauen Engel

Von Alexandra Knape

Der Aufbau von Mobilfunkantennen in der Nachbarschaft erregt viele Gemüter. Dabei strahlen Handys beim Telefonieren meist viel stärker. Siemens, Nokia und Co. produzieren zwar einige strahlungsarme Handys - wollen aber jeden Wirbel über eine möglicherweise gesundheitsschädigende Wirkung vermeiden.

Hamburg - Ob Tragetasche, Putz- und Schmiermittel, Taschentücher oder Toilettenpapier - auf mittlerweile 3800 Produkten ist der "Blaue Engel" zu finden. Das Umweltzeichen gibt es schon seit mehr als 25 Jahren, doch bei einem Produkt ist der Blaue Engel bisher nicht anzutreffen: dem Mobiltelefon.

  Volle Dosis:  Bei schlechter Verbindung ist der SAR-Wert am höchsten
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Volle Dosis: Bei schlechter Verbindung ist der SAR-Wert am höchsten

Der Grund dafür liegt an den Bedingungen, die ein Mobiltelefon erfüllen muss, um den Engel tragen zu dürfen. Ausschlaggebend ist bei Handys die Strahlung. Der so genannte SAR-Wert misst, wie viel Watt Energie auf ein Kilogramm Masse einwirken, wenn ein Handy ans Ohr gehalten wird. Je niedriger desto besser, könnte man meinen. Doch gerade hierum streiten sich Hersteller, Bundesumweltamt und Bundesamt für Strahlenschutz (BFS).

Offiziell liegt der Grenzwert für Handys laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 2 Watt pro Kilogramm (W/kg). Der Blaue Engel soll Geräte mit einem Wert von bis zu 0,6 W/kg auszeichnen. Doch ein Blick in die Liste von Blauer-Engel-Produkte weist nicht ein einziges Handy auf. Dabei entsprechen laut BFS mittlerweile rund ein Viertel aller Handys in Deutschland diesem Wert. Dennoch bemüht sich kein Hersteller um das allseits bekannte Zeichen.

  Samsung SGH-E820:  SAR-Wert 0,322 W/kg   Motorola MPX 200:  SAR-Wert 0,12 W/kg   Siemens U 15:  SAR-Wert 0,35 W/Kg   LG (Life`s Good) G 7050  SAR-Wert 0,638
  Blackberry 6230:  SAR-Wert 0,22   Nokia 9210 Communicator:  SAR-Wert 0,34   Panasonic X 70:  SAR-Wert 0,459   Mobilfunk:  Eine Frage der Anbindung

Strahlungsarme Mobiltelefone
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"Ich kann das nicht verstehen", sagt Dirk Daiber, Sprecher des BFS. Der Blaue Engel sei weit reichend bekannt und könne als Marketinginstrument beim Verkauf nutzen. Doch die Hersteller halten dagegen: "Das Abzeichen suggeriert, dass die anderen Handys ohne Siegel ungesund seien - das ist wissenschaftlich gesehen unbegründet", sagt Olaf Schulz, Mitglied der Arbeitsgruppe Mobilfunk, Technik und Gesundheit beim IT-Branchenverband Bitkom.

Das Risiko ist bei Handys höher

Genau das wollen Unternehmen wie Siemens Chart zeigen, Nokia Chart zeigen oder Motorola Chart zeigen genauso wenig wie die Netzbetreiber. Sie wissen, bei Mobilfunkstrahlung gehen die Emotionen hoch - das haben die vielen Bürgerinitiativen gegen Mobilfunkmasten gezeigt. Daiber meint jedoch: "Wenn es ein Risiko gibt, so liegt es eher auf der Seite der Mobiltelefone, als bei den Sendetürmen, da hier die Strahlenbelastung höher ist".

Die Hersteller argumentieren dagegen: Der Blaue Engel für Handys sei eine rein politische Entscheidung. Ein wissenschaftlicher Nachweis für gesundheitliche Nachteile fehle. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse besagen, dass unterhalb des Grenzwertes von 2W/kg kein Gesundheitsproblem vorliegt. Ob ein Wert von 0,5 oder 1,9 W/kg erreicht wird macht daher keinen Unterschied", sagt der studierte Biologe Schulz.

Zwar ergab vor kurzem eine Langzeitstudie des schwedischen Instituts für Umweltmedizin, Karolinska Institutet, dass das Risiko einer gutartigen Geschwulstbildung am Hör- und Gleichgewichtsnerv bei Personen, die über zehn Jahre mit dem Handy telefonieren, steigt. Getestet wurde im schwedischen analogen Mobilfunknetz, das in Deutschland dem C-Netz entspricht und nicht zum gängigen Mobiltelefonieren genutzt wird.

Einer dänischen Studie zufolge konnten wiederum keine Auswirkungen festgestellt werden. Beide Studien sind Teil einer von der WHO gestützten weltweiten Untersuchung, an der 13 Länder teilnehmen. Ziel ist es, herauszufinden, ob Mobilfunktelefonieren in Verbindung zu Krebsgeschwüren steht. Ende kommenden Jahres könnten erste Ergebnisse der groß angelegten Studie feststehen.

BFS und Verbraucherverbände weisen zudem auf Studien hin, die biologische Effekte durch elektromagnetische Felder nachgewiesen haben. Eine davon seien thermische Wirkungen. Die Erwärmungen des Gewebes könnten die Augenlinse gefährden, denn sie könne Wärme nur schlecht abführen.

Doch Schäden sind bisher wissenschaftlich nicht erwiesen. So weisen die Hersteller auch darauf hin, dass Mobilfunkgeräte mit relativ hohem SAR-Wert im Alltag einen niedrigen Strahlungswert aufweisen können, niedriger sogar als Handys mit einem ausgewiesenen niedrigen Strahlungswert. Der SAR-Wert wird bei Höchstleistung gemessen - das entspricht Situationen mit schlechter Verbindung wie zum Beispiel im Zug oder im fahrenden Auto.

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