Bereits am heutigen Dienstag soll der neue Suchdienst online gehen und - natürlich - zunächst amerikanische TV-Programme erschließen. Das ist weit weniger naheliegend, als man zunächst denkt: Mehr als einen Filmtitel und ein Standbild der gesuchten Sendung darf der User als Ergebnis nicht erwarten. Trotzdem erscheint die Ausweitung der Suche auf TV-Inhalte nicht nur den Google-Lenkern zwangsläufig: Auch Yahoo beeilte sich, bekannt zu geben, dass das Unternehmen "bald" eine eigene TV-Inhaltsuche vorstellen wolle - die dann natürlich mehr bieten soll als die von Google. Yahoo verspricht, seinen Nutzern auch 60-Sekunden-Clips der gesuchten Sendungen zeigen zu wollen.
Google-Vize Jonathan Rosenberg bezeichnete gegenüber der "New York Times" den Einstieg in die TV-Suche mit Stichworten und Standbildern als "ersten Schritt". Langfristig sieht die Vision wohl so aus, den Suchenden dann gleich auch den angefragten medialen Inhalt bringen zu können - der Endpunkt der seit Jahren prognostizierten Verschmelzung von TV- und Internetwelt. Vorerst jedoch sorgten Urheberrechte und Lizenzforderungen dafür, dass viel mehr als ein Standbild nicht drin sei. Rosenberg diplomatisch: "Das Geschäftsmodell ist auf lange Sicht schwierig und wird sich erst mit der Zeit entwickeln."
Unter dem Strich bleibt die TV-Suche also eine Dienstleistung mit eingeschränktem Wert - wenn dieser in den USA auch weit höher einzuschätzen ist, als es hierzulande der Fall wäre: Im Wirrwarr von Hunderten privaten, freien und TV-Zahlkanälen mit zumeist nur regionalen Reichweiten den Überblick zu behalten ist in den USA wahrlich schwer. Auch echte, Überblick schaffende Programmzeitschriften sind im angelsächsisch geprägten Raum weniger üblich als hier: Eher publizieren dort die Sender- oder Kabelketten eigene Programmzeitschriften, die dann aber auch nur ihre Angebote vorstellen. Vor diesem Hintergrund fand die Ankündigung von Google und Yahoo am Dienstag in den USA ein breites mediales Echo.
Firefox, Goodger und der Google-Browser
Schlagzeilen machte Google zudem mit einer Personalie: Mit Ben Goodger heuerte Google einen der Top-Programmierer der Mozilla Foundation an. Bereits in den letzten Monaten hatte Google einige bekannte Browser-Programmierer von Microsoft abgeworben. Trotzdem hatte es im Vorfeld der Veröffentlichung der ersten Vollversion des Mozilla-Browsers Firefox hartnäckige Gerüchte gegeben, Google könne eine Kooperation mit Firefox anstreben. Diese Gerüchte dürften nun erneut aufleben - und wohl kaum grundlos.
Denn Goodger, der bereits seit dem 10. Januar auf Googles Lohnliste steht, wird keinerlei Anlaufzeit brauchen, um sich in seine neuen Aufgaben einzuarbeiten - er wird sogar sein Büro bei der Mozilla Foundation behalten. Der Programmierer wird zwar nun von Google bezahlt, wird aber weiter in Vollzeit an der Entwicklung von Firefox mitwirken. Goodger: "Meine Rolle innerhalb der Mozilla- und Firefox-Projekte wird weitgehend unverändert bleiben." Allerdings werde er künftig "mehr Zeit bei Google verbringen" als bisher - die Firmen sitzen beide in Mountain View, Kalifornien.
Die Personalie bedeutet Wasser auf die Mühlen all derer, die mittelfristig einen "Google-Browser" erwarten, der stärker noch als Firefox jetzt schon Suchfunktionalitäten sowie andere Google-Software integriert. Auch Goodger ist sich darüber im Klaren, dass der Wechsel seines Geldgebers nicht nur in der Open-Source-Gemeinde für einiges Aufsehen sorgen wird. Auf seiner Website bügelt er entsprechende Anfragen leger ab: "Ich bin mir sicher, dass Ihr viele Fragen habt. Was Fragen angeht, die Google betreffen, wendet Euch bitte direkt an die, nicht an mich."
Und Google sagt - wie üblich in solchen Fällen - natürlich gar nichts.
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