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21.02.2005
 

Roboter-Koryphäe Minoru Asada

"Ich fürchte mich nicht vor Androiden"

Der japanische Forscher Minoru Asada baut Roboter in Menschengestalt, die spätestens 2050 besser kicken sollen als Fußballprofis. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Präsident der Robocup Federation, warum wir keine Angst vor Androiden haben müssen.

Roboter aus dem Hause Sony: "Wichtig ist, dass wir uns gut ergänzen"
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Roboter aus dem Hause Sony: "Wichtig ist, dass wir uns gut ergänzen"

SPIEGEL ONLINE:

Schon heute spielen Computer besser Schach als der aktuelle Weltmeister. Im Jahr 2050 soll ein Roboterteam auch die beste Fußballmannschaft der Welt schlagen. Brauchen wir dann überhaupt noch Menschen, wenn sie Robotern in allen Belangen unterlegen sind?

Minoru Asada: Ich glaube nicht, dass Roboter den Menschen überlegen sein werden. Der Grund ist einfach: Die Menschen sind sehr unterschiedlich und haben ganz verschiedene Begabungen und Stärken, die meist die Fähigkeiten von Robotern übersteigen. Natürlich, wenn sie einen Aspekt herauspicken, etwa im Rechnen, dann kann ein Roboter stärker sein. Wenn wir jedoch einen Roboter wirklich alles erledigen lassen, dann wird er schlecht abschneiden. Es ist genauso schwer Experten aus verschiedenen Fachgebieten miteinander zu vergleichen, weil jeder dieser Menschen an einem bestimmten Punkt besser ist als alle anderen. Wichtig ist, dass wir uns einfach gut ergänzen. Das gilt auch für die Roboter.

SPIEGEL ONLINE: Aber haben Sie keine Angst, dass sich die Roboter eines Tages selbständig machen und gegen die Menschen wenden?

Asada: Nein. Was die Zukunft bringt, hängt von uns ab. Wir haben es in der Hand. Als Robotik-Forscher weiß ich, wie Roboter funktionieren und habe keinen Grund, mich vor ihnen zu fürchten. Wenn man einen neuen Freund oder ein neues Familienmitglied hat, dann versucht man, sich kennen zu lernen und zu verstehen. Auf diese Weise kann man gute Beziehungen zueinander aufbauen. Auch ein Roboter kann ein solcher neuer Freund sein. Wenn man Angst spürt, dann bedeutet das, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, den anderen zu verstehen. Ironischerweise passiert so etwas durchaus öfter in der heutigen Welt der Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Was glauben Sie, wo werden Roboter zuallererst in unserem Alltag auftauchen?

Asada: Ich stelle mir einen kleinen Roboter vor, nicht viel größer als ein Mobiltelefon, mit Armen, Beinen und einem Gesicht, der als mein persönlicher Assistent arbeitet. Es sitzt auf meiner Schulter und sagt zu mir "Wach auf, wach auf", wenn ich eine Nachricht bekommen habe. Er erinnert mich an Dinge, die ich machen wollte. Auch den Zugriff auf E-Mails und das Internet werden Roboter für mich übernehmen, sie fungieren als sprachgesteuertes Interface. Und in Japan, wo die Gesellschaft immer älter wird, werden wir Pflegeroboter haben, eine sehr wichtige Anwendung.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind humanoide Roboter eigentlich so beliebt unter Entwicklern?

Asada: Natürlich ist es leichter, einem Humanoiden menschliche Bewegungen beizubringen. Der menschenähnliche Roboter ist jedoch ein Langzeitprojekt, eine Vision. Viele Einzelprobleme müssen noch gelöst werden. Ich denke, der Weg ist das Ziel. Das Wichtigste sind in meinen Augen die Erkenntnisse, die wir auf dem Weg zum Androiden sammeln. Genau wie beim Nasa-Vorhaben in den siebziger Jahren, auf den Mond zu fliegen. Denken Sie an das Abfallprodukt Teflon. Wir werden eine Menge Spin-offs erleben, beispielsweise zur Entwicklung einer weichen Roboterhaut. Die könnte dann auch in Wänden oder Fußböden von Gebäuden zum Einsatz kommen, in denen ältere Menschen leben. Wenn jemand fällt, dann wir das registriert und das eigentlich harte Material wandelt sich zu einem weichen.

SPIEGEL ONLINE: Wird der Roboter der Zukunft aus Stahl und Silizium oder aus eher aus biologischem Material bestehen wie der Mensch selbst?

Roboterkopf: Androide als Freund und Helfer
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Roboterkopf: Androide als Freund und Helfer

Asada: Ich denke, er wird eine Mischung daraus sein. Wir haben ja heute schon Chips und künstliche Materialien, die Menschen implantiert werden. Aber wir beschäftigen uns weniger mit der Frage, wie viel an ihm ist Maschine und wie viel ist Biomaterial. Das Wichtige ist, dass uns dieses Geschöpf in unserem Leben nützt.

SPIEGEL ONLINE: Warum mögen Japaner Roboter eigentlich so viel mehr, als es die Deutschen tun?

Asada: Es gibt verschiedene Gründe. Einer ist sicher unsere Religion, der Animismus. Wir Japaner glauben, dass auch Gegenstände eine Seele haben, also auch Roboter. Ein künstliches Wesen, das dem Menschen ähnelt, erscheint vielen als ein Freund. Hinzu kommt die Faszination für Astro Boy, einem kindlichen Roboter, den in Japan jeder als Comicfigur kennt. Und natürlich mögen Japaner alles, was neu ist. Sie kaufen sich ständig neue Sachen, vor allem Hightech-Produkte.

Das Gespräch führte Holger Dambeck

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