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11.03.2005
 

Biometrie

Bloß keine Berührungsangst

Von Richard Meusers

Biometrische Verfahren zur Identitätsfeststellung gehören seit Jahren zu den Hoffnungsträgern der IT-Welt. Spätestens 2006 werden biometrische Kennzeichen in Ausweispapieren EU-weit Pflicht - Fingerprint- oder Gesichtserkennungsverfahren dürften vor einem Boom stehen.

Erfasst, vermessen, erkannt: Biometrische Verfahren zur Identifizierung sind im Kommen
SPIEGEL ONLINE

Erfasst, vermessen, erkannt: Biometrische Verfahren zur Identifizierung sind im Kommen

Wie so viele Themen erlebte auch die Biometrie - also "Körpervermessung", womit man technische Identifizierungsverfahren zur Erfassung körperlicher Merkmale meint - in den letzten Jahren ihre Aufs und Abs. Zwar erlebte die Biometrie im Gefolge des 11. September zunächst einen gewaltigen Boom und in kurzer Zeit kamen (mehr oder weniger) marktreife Detektionsverfahren auf den Markt.

Seither ist es aber wieder etwas ruhiger geworden, zumindest, was die Seite der technologischen Innovation angeht. Das Rad wird eben nicht jeden Tag neu erfunden, doch die gesetzlichen Bestimmungen zur Einführung biometrischer Ausweisdokumente in der EU und den USA dürften dem Thema schon bald neue Aktualität verleihen.

Auf der Cebit widmet sich das Centrum für Informationssicherheit (Cefis) in Halle 7 dem Thema "Sicherheit in der Informationsverarbeitung und Kommunikation". Auf dieser Sonderschau sollen Fachleuten wie auch der allgemeinen Management-Ebene umfassende Antworten zu Fragestellungen rund um das Thema Sicherheit gegeben werden.

Mit epochalen Neuerungen warten die Hersteller dieses Jahr nicht auf. Verbesserungen der bestehenden Prozeduren scheinen das Gebot der Stunde zu sein. Schließlich wachsen Menschen nicht alle paar Jahre neue Organe, die es biometrisch neu zu erfassen gälte. Die bekannten Verfahren werden mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Anwendungsgebieten weiter verfeinert.

Fingerabdrücke

Allen voran steht der Fingerprint, der heute schon bei vielen Zugangssicherungsverfahren Anwendung findet. Das übliche Modell ist die "doppelte Sicherung" durch eine RFID-Karte (Radio Frequency Identification), deren gespeicherte Daten mit dem auf dem Sensor aufgelegten Finger verglichen werden. Gegebenenfalls kann auch eine Passwortabfrage erfolgen. Erst wenn beide Datensätze innerhalb der vorbestimmten Toleranzwerte übereinstimmen, wird die Freigabe oder der Zutritt gewährt.

Fingerabdruck-Lesegerät: Bald schon Standard an Flughäfen
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DPA

Fingerabdruck-Lesegerät: Bald schon Standard an Flughäfen

Ihren Einsatz finden Fingerprint-Sensoren hauptsächlich in der Zutrittskontrolle, besonders aber im Bereich Zugriffsschutz und Authentifikation für mobile Geräte. So sind mittlerweile selbst sensorbewehrte Computer oder USB-Sticks keine bahnbrechenden Neuheiten mehr. Mit Produkten dieser Art wartet in Hannover eine ganze Reihe von Herstellern auf.

Die Abtastung wird dabei auch buchstäblich "vertieft". Der amerikanische Sensorhersteller Authentec stellt mit Trueprint ein System vor, das nicht nur die Rillen auf der Hautoberfläche erfaßt, sondern auch die dahinter liegenden Hautschichten. So können Fehlerraten verringert werden, die aufgrund der Abnutzung der Haut durch tägliche Arbeit schnell entstehen.

Bezahlen per Körpermerkmal

Damit wie auch aufgrund sinkender Kosten eröffnet sich ein immer breiteres Anwendungsfeld. Nicht nur Zugriffschutz im Büro, sondern auch der Einsatz im Industrie- oder Chemiebereich rückt in praktikable Nähe. Selbst im Supermarkt hält die Biometrie Einzug. Die Handelsgruppe Edeka Südwest kündigte jüngst an, ein Bezahlsystem via Fingerabdruck zu testen - wenn die Kunden bereit sind, ihre entsprechenden biometrischen Daten herauszugeben.

Der Ausweis eines Menschen: Analyse eines Daumenabdrucks im Scanner
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DDP

Der Ausweis eines Menschen: Analyse eines Daumenabdrucks im Scanner

Auch der Bereich Gesichtserkennung erfährt laufende Verbesserungen. So stellen z.B. die Ismaninger High-Tech-Schmiede von NEC mit "SmartCatch" erstmals ein verhaltensbasiertes Videokontroll-System für Sicherheitsüberwachung und Personenidentifikation vor. Dabei handelt es sich um eine verhaltens- und regelbasierte Videoüberwachungs-Software für die Überwachung von Sicherheitszonen wie Flughäfen und anderen Verkehrszentren, aber auch in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Der Vorteil des Verfahrens liegt in der Berührungslosigkeit, was unter bestimmten Bedingungen zu einer höheren Akzeptanz bei den Überprüften führen kann.

Einen "Distanzierungseffekt" weisen ebenfalls Verfahren zur Sicherung elektronischer Unterschriften auf. Denn sie setzen das aktive Einverständnis dessen voraus, der sie abgibt. Wird die eigenhändige Unterschrift überdies mit kryptographischen Schlüsseln kombiniert, können bei vielen elektronischen Prozessen ohne jede Vorregistrierung der Anwender Signaturen mit hohem Beweiswert erstellt werden. Auf der Cebit tritt Softpro mit zwei Verfahren auf, mit denen sowohl elektronische Dokumente wie auch die Anmeldung am PC durch die eigenhändige Unterschrift abgesichert werden können.

Stets ein leidiges Thema sind allerdings die Detektionsraten, die immer noch zu hohe Fehlerquoten aufweisen. So veröffentlichte der Chaos Computer Club im letzten Oktober eine Bauanleitung für Fingerabdruck-Attrappen.

Da verzieht es Cefis-Organisator Rainer von zur Mühlen allerdings das Gesicht. Für ihn handelt es sich bei der CCC-Aktion um "reine Effekthascherei". Die Überwindbarkeit eines Sensor hänge natürlich immer von der Detektionsbandbreite ab. Sensoren, die Lebenderkennung mit Infrarot-Pulsmessung durchführten, ließen sich mit der CCC-Nachbildung nicht überwinden. "Solche Äußerungen sind unredlich. Das ist so, als wolle man komplexe Sicherheitsschließzylinder mit einem simplen Buntbartschlüssel vergleichen."

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