Mocky76 gab ihm den entscheidenden Tipp. "Lad dir das Sourcecode-Archiv runter und kompilier dirs Modul selbst. Dann funzts." So kommunizieren User im Forum. Kein Wort zuviel, kein Fachdeutsch zu szenig.
Zwei Wochen später dann Raptors Antwort: "War harte Arbeit, aber jetzt geht's!" Er hat einfach das "linmodem-Modul heruntergeladen", danach ein "System-Update" durchgeführt, da die "Kernel-Version nicht mit seinen Kernel-Sourcen übereingestimmt hatten", und schließlich das "Modul neu gebaut" und "gegen den Kernel kompiliert".
Kaum zu glauben, aber Raptor und Mocky76 sind keine Computerfreaks. Über die Probleme, mit denen sie sich herumschlagen, würde ein Profi nur müde lächeln. Raptor und Mocky76 sind gewöhnliche Computer-Nutzer, die sich in einem Internetforum über profane Dinge wie kaputte Modems, streikende USB-Sticks oder schweigende Drucker austauschen. Aber wozu dann der gewaltige Aufwand, die wochenlange Quälerei, der angelernte Hacker-Jargon, die Code-Namen?
Linux: Retter in der Not
Für Raptor alias Karl, 31, begann alles vor einem Jahr. Auf seinem Laptop hatte ein Virus gewütet und das Betriebssystem musste neu installiert werden. Doch statt einmal mehr zur Windows XP CD zu greifen, erinnerte er sich an die vielen Berichte, die er im Fernsehen und Fachmagazinen gesehen hatte. Euphorische Berichte, wie leicht man auf das fehleranfällige, virengefährdete Windows verzichten könne. Wie mühelos der Umstieg wäre, auf ein Betriebssystem, das sicherer, stabiler und innovativer sei. Auf Linux.
Seit der finnische Programmierer Linus Torvalds vor 10 Jahren ein eigenes, an Unix orientiertes Betriebssystem entwickelte und den Programmcode der Software im Internet veröffentlichte, hat sich das Open-Source-Produkt Linux zu einer ernstzunehmenden Windows-Alternative entwickelt.
Bisher allerdings hauptsächlich im professionellen Bereich, etwa bei den Betreibern von Webservern. Dort wird Linux schon seit Jahren wegen seiner Verlässlichkeit und vor allem seiner Lizenzkostenfreiheit geschätzt. Für den privaten Gebrauch galt Linux noch bis vor kurzem als völlig ungeeignet: Zu kompliziert und benutzerunfreundlich für den Laien.
Doch Linux steht kurz vor einer Revolution, nach der das Nischendasein der Software auf dem privaten Desktop-Markt beendet sein könnte. Auf den derzeit größten Märkten der Welt - den asiatischen - deutet sich ein beispielloser Linux-Run an. Durch das gigantische Wirtschaftswachstum herrscht ein enormer Bedarf an Computertechnologie. Würde man dort Microsoft-Produkte verwenden, hätte man gigantische Lizenzgebühren zu zahlen. In China ist das lizenzkostenfreie Linux deshalb schon jetzt zum Betriebssystem Nr. 1 avanciert. Das wird Auswirkungen auf dem globalen Hardwaremarkt haben: Große Firmen werden es sich in Zukunft gar nicht mehr leisten können, Produkte zu entwickeln, die nicht unter Linux funktionieren.
Karl jedenfalls lässt sich überzeugen. Von den positiven Linux-Berichten, all den rosigen Zukunftsprognosen und nicht zuletzt von den Angeboten kommerzieller Linux-Anbieter wie SuSE. Diese werben mit Komplett-Paketen ab ca. 60 Euro, die alles enthalten, damit jeder Linux so einfach benutzen kann wie Windows. Das würde nicht nur bedeuten, lästige Dinge wie Computerviren vom Hals zu haben. Selbst Laien ohne technisches Vorwissen könnten "hinter die Kulissen" ihres Betriebssytems schauen und technische Vorgänge verstehen lernen, statt sich undurchsichtigen Standards zu unterwerfen.
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