Wenn der Spit klingelt: Viagra? Massage? Millionen?
Irgendwo zwischen Los Angeles, Frankfurt am Main und Vanuatu bereitet gerade ein Spam-Versender einen neuen Verteiler vor: Die schmierige Branche der Werbemüll-Verteiler freut sich auf das VoIP-Zeitalter. Denn "Voice over IP" schickt sich an, die Telefonie zu revolutionieren: Über Breitband-Internetverbindungen telefoniert es sich mittlerweile gut und vor allem billig, mitunter gar völlig kostenlos.
Das allerdings gilt in beide Richtungen - und damit entsteht mit der Internet-Telefonie auch ein neuer Markt für billige Werbeanrufe. Das Risiko wachse mit steigender Verbreitung von Internet-Telefonen, warnt das Multimediamagazin "AVDC" in seiner aktuellen Ausgabe.
Auch ein Name für den telekommunikativen Werbeschrott ist bereits gefunden: "Spam over Internet Telephony" (Spit) soll die kommunikative Umweltverschmutzung heißen.
Das Szenario ist alles andere als angenehm. Schneit per E-Mail-Spam die Viagra-Werbung um 3 Uhr morgens ins Postfach, stört das niemanden. Riefen dagegen kurz nach dem freundlichen Viagra-Vertreter noch Olga, das russische Callgirl und MBonzo, der entmachtete nigerianische Ölmagnat, der Ihnen seine Millionen schenken will, an, könnte das zur häuslichen Krise führen.
Unwahrscheinlich ist das nicht: Über das Internet können Spammer Sprachnachrichten kostengünstig und paralell an Tausende von Anschlüsse in aller Welt verteilen. Ein Anrufautomat, so "AVDC", wähle unzählige Rufnummern auf einen Schlag. Für den Anbieter sei das einfach und billig, für den Angerufenen aber nervenraubend.
Spit sei zudem nicht die einzige Schattenseite der VoIP-Telefonie. DSL-Ausfälle wie auch der Befall mit denkbaren VoIP-Viren stellten weitere Risiken dar.
Spit ist auch auf dem wachsenden Markt der rechnergebundenen Internet-Telefonie ein Problem. Nach dem Erfolg von Skype springen immer mehr Anbieter auf den anfahrenden Zug auf. Zuletzt veröffentlichte Yahoo eine neue Version seines Messengers, die über eine Internet-Telefonie-Funktion verfügt. AOL wird entsprechende Dienste in die nächste Version des weit verbreiteten AIM-Tools einbauen. Über solche Dienste "chattet" man per Headset oder sogar an den Rechner angebundenen USB-Telefonhörer völlig kostenlos von Rechner zu Rechner. Manche Dienste - wie Skype - ermöglichen zudem Telefonkonferenzen mit mehreren Teilnehmern.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH