Wer in dieser Woche im schwer überschaubaren, höchst informellen BitTorrent-Netz nach dem neuen Star-Wars-Film sucht, hat es weit leichter als in der letzten Woche. Das liegt nicht nur daran, dass die wenigen illegal gezogenen, bereits vor dem Kinostart des Films in Umlauf gebrachten Dateien nun vervielfältigt vorliegen, es liegt auch daran, dass es neue Suchmöglichkeiten gibt.
Denn genau da hakte es bisher im Torrentnetz: Anders als andere P2P-Software gibt es bei BitTorrent keine zentrale Suchmöglichkeit. Torrent-Netzwerke entstehen, wenn Webseiten auf so genannte Tracker verweisen, die in Form von Torrent-Dateien Informationen darüber bereithalten, wer wo im Web gerade die gesuchte Ware anbietet oder "durchreicht". Bei BitTorrent geht es also - im Gegensatz zu KaZaA und Co - nicht um ein großes, relativ stabiles Netzwerk, sondern um die gezielte Verschaltung zwischen Dateianbietern, Suchern und Weiterreichern.
Genau das macht BitTorrent so attraktiv für legale wie illegale P2P-Anwendungen: Statt auf zentrale Server zuzugreifen verteilt BitTorrent nicht nur Dateien, sondern auch die Last des Datendurchsatzes auf die Teilnehmer an der "Verschaltung". Legal wie illegal ist BitTorrent seit einiger Zeit die meistgenutzte Software.
Es macht das Netz aber auch angreifbar: Eine juristische Initiative der Entertainmentindustrie fegte im letzten halben Jahr die bekanntesten Torrent-Webseiten regelrecht aus dem Web. Für den Gelegenheitssucher ist es merklich schwerer geworden, Torrents überhaupt zu finden.
Ab jetzt wird "gegoogelt"
Auftritt Bram Cohen, Erfinder der BitTorrent-Software. Anders als die meisten seiner "Kollegen" verband Cohen mit BitTorrent zunächst keinerlei finanzielle Interessen: Er gab BitTorrent als Open-Source frei. Geld verdiente seine junge Firma BitTorrent, die inzwischen immerhin fünf Angestellte zählt, allein über einen "Spenden"-Button auf seiner bis vor wenigen Monaten sehr laienhaften Bittorrent-Webseite. Die aber hat sich soeben gehäutet, und das ist wohl erst der Anfang.
"In einigen Tagen" sagte Cohen den Wired News vorgestern, wolle er einen Crawler-basierten Suchdienst für Torrentdateien online stellen, der über flankierende Werbeschaltungen einen "verlässlicheren Einkommensstrom" gewährleisten solle. Weil bei Cohen aber alles Understatement ist, lohnte sich der Blick auf BitTorrent.com schon rund 24 Stunden nach Veröffentlichung des Interviews - und siehe da: Die Seite hat sich zu einer Art Google für Torrents gemausert.
Das versuchten natürlich schon vorher Seiten wie Bitoogle, Isohunt, SuprNova oder Torrentspy. Doch entweder wurden sie schnell Ziel juristischer Angriffe seitens der Industrie, oder sie erbrachten eher durchwachsene Ergebnisse. BitTorrent-Search jedoch erweist bei ersten Tests als wahrhaft Google-haft - sprich: schnell und umgreifend. Die Ergebnisse kommen von einer großen Zahl bekannter und unbekannter Seiten, und die Suchmaske erlaubt hinreichende Einengungen der Anfrage, um wirklich relevante Ergebnisse zu erzielen.
Da sei die Prognose gewagt, dass im Kreis der BitTorrent-Nutzer derzeit mehr Sektkorken knallen als in den Konferenzräumen der Entertainmentindustrie. Dort dürfte die Debatte, wie man diesem zu erwartenen Wiedererstarken der Torrent-Netze begegnen kann, bereits begonnen haben.
Cohen selbst ist sich darüber im klaren, dass so manches Suchergebnis durchaus beanstandungswürdig sein könnte und bietet bereits im Vorfeld volle Kooperation an: Wer ihm einen Hinweis auf eine auf copyright-geschütztes Material verweisende Torrent-Datei zuschicke, könne sich darauf verlassen, dass die bald aus den Ergebnislisten verschwinde. Da dürften dann beide Seiten, Industrie wie BitTorrent, gut beschäftigt sein.
Die Suche nach Torrentdateien selbst dürfte dagegen kaum zu beanstanden sein. BitTorrent.com macht sich mit dem Engine weder zum Mirror für Torrentdateien, noch zum Tracker. Die Suchmaschine selbst nimmt am eigentlichen Dateitransfergeschäft nicht teil.
Das unterscheidet sie beispielsweise von Exeem, der Torrent-Software mit der eingebauten Suchfunktion - oder besser: Der P2P-Software mit dem eingebauten Torrent-Engine. Die Veröffentlichung von Exeem folgte auf die Schließung von SuprNova, bis November 2004 die populärste BitTorrent-Seite im WWW. Die anonymen Betreiber kauften anscheinend die SuprNova-Domain und nutzen sie für Werbezwecke, bisher aber mit verhaltenem Erfolg: In der P2P-Szene gilt Exeem als Spyware-verseucht und nicht vertrauenswürdiger als KaZaA.
BitTorrent.com hingegen ist so etwas wie der Nottingham Forrest der P2P-Szene: Hier wohnen die Guten. Die verhelfen der stets Dateihungrigen Gemeinde nun auch noch in Robin-Hood-Manier zu frischem Futter. Im Falle der "Star Wars"-Anfrage waren das am Mittwochmorgen 142 Dateien, und neben den Kinofilmen kursieren da natürlich auch diverse Games, Werbefilmchen und allerlei Unsinn.
"Sith", ein Bestandteil des Untertitels des neuen Films, erbringt dagegen nur 26 Ergebnisse, und die meisten davon sehen aus, als könnten sie das sein, was man wirklich sucht: Der aktuelle Film in mehreren Versionen, in englischer, spanischer und deutscher Sprache.
Sieht so aus, als sei der Albtraum der Entertainmentindustrie noch lange nicht vorbei.
Frank Patalong
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