Mit Q, dem wahnwitzigen Techniktüftler von James Bond, wäre das nicht passiert: Eine Wanze, die im Internet meistbietend verscherbelt wird. Welche Blamage! Doch Q arbeitet beim Auslandsgeheimdienst MI6, zumindest im Film. Dem für das Inland zuständigen MI5 ist ein derartiges Missgeschick nun passiert.
Am 13. September 2004 hatten Bauarbeiter in den Dielen eines Belfaster Sinn-Fein-Büros ein Abhörgerät entdeckt. Die Wanze steckte in einem Dachbalken und enthielt zwei als Nägel getarnte Mikrofone, über die sowohl das Ober- als auch das Untergeschoss abgehört werden konnten. Im rund 1,60 Meter langen Balken steckten zudem Dutzende Batterien und diverse Funkgeräte.
Sinn-Fein-Chef Gerry Adams nahm die Riesenwanze wenige Tage später mit zu Verhandlungen über die Nordirlandfrage, um sie dem "rechtmäßigen Besitzer Tony Blair" zurückzugeben, so Adams. Allerdings behielt Adams einen Teil des Abhörgeräts bei sich. Dieser wird nun über eine Sinn-Fein-Seite zum Verkauf angeboten. Ursprünglich sollte die Wanze bei eBay versteigert werden, das Auktionshaus löschte den Artikel jedoch nach Sinn-Fein-Angaben. Angeblich soll das Höchstgebot bereits bei 3000 Dollar gelegen haben.
Die Wanze wird zusammen mit einer passenden Holztafel ausgeliefert, damit man sie gut an der Wand schrauben kann. Außerdem bekommt der Höchstbietende einen gerahmten Papierbogen, auf dem Gerry Adams die Echtheit der Wanze bestätigt. Er habe mit verschiedenen Stellen des britischen Staats Kontakt aufgenommen, um den Auftraggeber der Abhöraktion zu finden, schreibt der Parteichef. Schließlich habe ihm Eliza Manningham-Butler, Chefin des Geheimdienstes MI5, bestätigt, dass ihr Haus hinter der Aktion stehe.
Manningham-Butlers MI5 wendet fast ein Viertel seiner Mittel auf, um den Terrorismus in Irland zu bekämpfen. Zur Arbeit des Geheimdienstes gehört auch das Abhören von Sinn-Fein-Aktivisten. Die Partei gilt als politischer Arm der Untergrundorganisation IRA. Sinn-Fein hatte der britischen Regierung nach dem Wanzenfund einen schwerwiegenden Vertrauensbruch vorgeworfen, weil sie Verhandlungen führe und ihre Gesprächspartner gleichzeitig ausspioniere.
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