Das Verb "googeln" hat es inzwischen in den Duden geschafft. Und gerade in Deutschland entsteht angesichts eines Marktanteils der US-amerikanischen Suchmaschine von geschätzten 80 Prozent schnell der Eindruck, Internetsuche und Google seien ein und dasselbe. Dennoch: Für die Suchmaschinen ist der Kampf um recherchierende Internetnutzer noch nicht entschieden. Sie buhlen weiter und bauen ihre Dienste deshalb ständig aus.
Verfügte Yahoo als Internetportal immer schon über ein breites Angebot, verbirgt sich inzwischen auch hinter der nach wie vor schlichten Google-Homepage eine Vielzahl von Diensten und Funktionen, darunter Technologien für die lokale Suche und die Produktrecherche sowie ein E-Mail-Dienst. Unter labs.google.com erlaubt das inzwischen an der Börse notierte Unternehmen einen Einblick in die nahe Zukunft. Zu den neuesten Spielzeugen gehören eine Software für schnelleres Surfen (Web Accelerator) und die Möglichkeit, die Google-Homepage zu personalisieren - und plötzlich sieht Google mit Links zum eigenen Gmail-Postfach und Nachrichten fast aus wie Yahoo.
Tobte der Wettbewerb der Suchdienste in der Vergangenheit fast ausschließlich um die beste Ergebnisliste, umschwärmen die Dienste, zu denen inzwischen auch die aufpolierte Suche der Microsoft-Tochter MSN gehört, die Anwender mit einem Strauß von Möglichkeiten. Zum neuesten Schlachtfeld um die Aufmerksamkeit werden gerade Fotos. Diesmal geht es allerdings nicht um eine Web-Fotosuche, sondern um die Bilder der Nutzer.
Google hatte sich bereits vor gut einem Jahr Picasa einverleibt, ein kalifornisches Softwareunternehmen, das ein gleichnamiges Programm für die Bilderverwaltung anbietet. Im März nun schluckte Yahoo den kanadischen Internet-Fotodienst Flickr, der auch eine Bildverwaltung anbietet - im Gegensatz zu Picasa allerdings online als Foto-Weblog konzipiert.
Derzeit rüstet Yahoo seine Anwendungen nach und nach für das so genannte Foto-Sharing auf, also für gemeinsames Betrachten von Fotos über das Internet. Mit der neuen Vorab-Version des Messengers lassen sich Fotos gemeinsam mit einem Chatpartner betrachten. Und nun ist der E-Mail-Dienst an der Reihe.
Der Dienst FotoMail bietet Yahoo-Nutzern die Möglichkeit, bis zu 300 Bilder in den Textkörper einer einzigen E-Mail einfach per Drag&Drop zu integrieren und anschließend zu versenden. Beschränkungen für Dateianhänge, bei Yahoo-Mail sonst maximal drei Anhänge mit höchstens zehn Megabyte insgesamt, spielen in diesem Fall keine Rolle. Da die Fotos als verkleinerte Dateien in die Mail eingefügt werden, muss man sich auch um das Postfach des Empfängers keine Sorgen machen. Die vollständigen Bild-Dateien speichert Yahoo im Account des Benutzers. Klickt der Empfänger auf ein Foto in der E-Mail, wird er automatisch zum Online-Album weitergeleitet. Den Speicherplatz begrenzt das Unternehmen dabei nicht.
Die Wermutstropfen: Der Dienst funktioniert bisher nur mit dem Internet Explorer und damit auch nur für Benutzer von Windows-PCs. Apple-User bleiben ebenso draußen die Firefox- und Opera-Fans. Außerdem löscht Yahoo die online abgelegten Fotos nach 90 Tagen wieder. Ein Ersatz für die eigene Datensicherung ist YahooMail somit nicht.
Da Yahoo mit dem neuen Dienst erst einen Bruchteil der Möglichkeiten ausschöpft, die der Foto-Blogdienst Flickr bietet, ist es wahrscheinlich, dass das Vorzeige-Internetunternehmen den Service in der nächsten Zeit weiter ausbauen wird. Spannend bleibt außerdem, was die beiden ärgsten Konkurrenten Google und MSN in Sachen Fotos noch bieten werden. Gerüchte, auch Google werde bald wie Yahoo und MSN einen Messenger auf den Markt bringen, gibt es immerhin schon.
Björn Sievers, ddp
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