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15.07.2005
 

Online-Publishing

Das Super-E-Paper

Von Frank Patalong

2. Teil: Im Einzelnen: Die Features und Möglichkeiten von "Livepaper". Weiter...

Das Video zum Bericht: Jeder wird Zeuge
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Das Video zum Bericht: Jeder wird Zeuge

Der erste Hinweis, dass hier etwas anders ist, kommt als kleines Lautsprecher-Icon daher: Man kann dem Livepaper den Sound abdrehen, wenn man will.

Denn anders als ein PDF ist die Livepaper-Seite alles andere als statisch: Da ist im Sinne des Wortes Musik drin - und einiges mehr. Scheele: "So weit das irgendwie geht, sind die Inhalte durchgelinkt."

Und zwar zur "größten Datenbank der Branche", wie er sagt: CD-Besprechungen sind mit Sound-Icons versehen, und prompt bekommt man zu hören, worüber man gerade liest - als Halbminuten-Snippets. Das Bild einer Pressekonferenz trägt ein Filmsymbol, und natürlich kann man sich die Konferenz nach dem Klick selbst ansehen, statt "nur" darüber zu lesen. Interviews kommen auch mit Ton, der große Featurebericht über Podcasts bindet alle der erwähnten "Sendungen" direkt mit ein. Bilder von Personen sind mit biografischen oder sonstigen Hintergrundinfos versehen und - für eine Fachzeitschrift ist das nahe liegend - sogar mit den Adressdaten und Telefonnummern der Abgebildeten. Linklisten verweisen auf Webinhalte oder hinein ins Archiv.

Ist das alles gut?

Der "Beweis" zur CD-Kritik: Jeder Song ist anspielbar. Schwachpunkt: Die Musik hört auf, wenn man weiter blättert
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Der "Beweis" zur CD-Kritik: Jeder Song ist anspielbar. Schwachpunkt: Die Musik hört auf, wenn man weiter blättert

Im ersten Augenblick ist es ungewohnt, aber direkt faszinierend. Das Livepaper erreicht einen Grad der so viel beschworenen Interaktivität, den man selbst im WWW meist vergeblich sucht. Der Verlinkungsgrad ist weit höher als auf herkömmlichen Webseiten: Möglich wird er nur dadurch, dass sich die meisten Links auf die hausinterne Datenbank stützen können und nicht erst mühselig zusammengesucht werden müssen. Scheele versichert, dass sich der redaktionelle Mehraufwand in Grenzen halte: "Da haben wir gezaubert." Der größte Teil des Aufwands liefe über das Content-Management-System, in dem Inhalte nach Eigenschaften vercodet vorlägen.

Zauberei ist das nicht, nur stringent: So entsteht die Linkliste zu Archivinhalten zum Thema "Artikel über EMI" dann fast "von selbst", wenn die entsprechenden Inhalte von der Datenbank als zusammengehörig erkannt werden. Von den Redakteuren verlangt das ein gerütteltes Maß an Disziplin - und so ganz ohne Mehraufwand läuft es auch nicht. Leicht wackelige Filmmitschnitte und professionellen Ansprüchen noch nicht ganz genügende Interview-Audiofiles deuten darauf hin, dass der Schritt zum "Multimedia-Reporter" durchaus eine Umstellung bedeutet.

Aber Schwamm drüber: "Natürlich gibt es da noch Bugs", sagt Scheele. Schließlich habe noch niemand ein Projekt in dieser Form durchgezogen. Und auf Nachfrage: "Ja, wir werden für jedes Objekt eine zusätzliche Kraft einstellen."

Detail aus einer Chartliste: Infos hinter der Info
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Detail aus einer Chartliste: Infos hinter der Info

Die Livepaper-Version der "Musik Woche" ist so etwas wie ein verspäteter Betatest, denn auf einen solchen verzichtete Entertainment Media - auch, um das Projekt so lang wie möglich unter der Decke zu halten. Zunächst erhalten nur rund 5000 Abonnenten des Blattes einen für sie kostenlosen ständigen Zugang. "In einem zweiten Schritt", so Scheele, "wollen wir dann die anderen großen Objekte als Livepaper herausbringen." Und irgendwann im Laufe der nächsten zwölf Monate soll dann auch das große Publikum in den Genuss der neuen Technik kommen: "Wir planen die Herausgabe eines neuen B2C-Titels, der rein internetbasiert sein soll."

Geld verdient der Verlag mit diesem Aufwand vorerst nicht, auch wenn er das Livepaper-Konzept natürlich "als Dienstleistung an andere vermarkten" will. Scheele ist sich aber sicher, dass Livepaper ein logischer Schritt in der Entwicklung neuer, attraktiver Multimedia-Inhalte für das Web darstellt.

Auch aus Sicht des Redakteurs ist all das höchst interessant und hat das Potential, das Berufsbild noch einmal maßgeblich zu verändern: Wenn man etwa die Rezension einer CD im Hintergrund durch eben die besprochene Musik begleiten lässt, liest man auch den Text ganz anders. Das ist eine Chance, aber auch eine neue Herausforderung für Journalisten: Dass diese zu "Multimedia-Machern" mutieren sollen, die ihre "Zeugenschaft" durch audiovisuelle Informationen direkt mit dem Rezipienten teilen, wurde in den letzten zehn Jahren ja schon so oft bemüht, dass die Vision längst zur hohlen Phrase geronnen schien. Beim Livepaper bekommt man einen Vorgeschmack darauf, dass die Entwicklung des Online-Publishing wirklich noch nicht beendet ist.

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